Die Welt lesen lernen, kritisch erforschen, gestalten, der Dialog von unten, Parteilichkeit für die Unterdrückten, Praxis der Befreiung – das sind didaktische Prinzipien der Befreiungspädagogik Paulo Freires. Diese ist deshalb für die Entwicklungsforschung interessant, weil sie immer politisch war und immer eine Reflexion über die Praxis darstellte, die nach Wegen der Befreiung suchte. Freires Vorstellung von Bewusstseinsbildung etwa setzt an den Lebenserfahrungen der Menschen an mit dem Ziel, Menschen zu befähigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Fragen über die eigene Lebenswelt münden dann auch zwangsläufig in Fragen nach übergeordneten Zusammenhängen und möglichen Alternativen. In diesem Artikel sucht Andreas Novy in der Befreiungspädagogik Freires nach Anregungen für ein integratives Konzept von Entwicklungsforschung.
Andreas Novy: Entwicklungsforschung als Beitrag zu einer anderen Welt. Wien, 2004. (=SRE Discussion 2004/04 (pdf))
Der Kapitalismus betreibt zunehmend aggressiver die Aushöhlung nicht nur des Sozialstaates, sondern auch der Demokratie. Wirksame, an die Wurzeln gehende Lösungen sind ohne Thematisierung der Eigentumsfrage nicht möglich. Notwendig ist die Etablierung eines öffentlichen Sektors, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert. Andreas Novy beschreibt in diesem Artikel die Gründe für die Krise der Sozialwissenschaft, leitet daraus Herausforderungen für integrative Entwicklungsforschung ab und begründet vor allem die Notwendigkeit, dass Wissenschaft Partei für das Allgemeinwohl ergreifen muss – nicht zuletzt auch, um ihre eigene Legitimation zu erhalten.
Andreas Novy: Wege zur Befreiung: Option für die Armen und Volksbildung, 2005. Wien, 2005. (=SRE Discussion 2005/05 (pdf))
Der Beitrag ist eine Würdigung der Initiativen von Oscar Romero und Paulo Freire als Beispiele einer breiten Befreiungsbewegung – Befreiungstheologie und Befreiungspädagogik.
Darauf aufbauend werden Überlegungen zur aktuellen Diskussion über pädagogische und politische Alternativen angestellt, wobei der Blick zurück helfen soll, Orientierung für den zu beschreitenden Weg der Befreiung im 21. Jahrhundert zu finden. Die Erinnerungen an historische Auseinandersetzungen sind wichtig, so der Autor Andreas Novy, denn nur wenn die Geschichte als eine umkämpfte Vergangenheit ausgeblendet und auf eine Siegergeschichte reduziert wird, können die Machthaber die Illusion einer harmonischen Weltentwicklung vermitteln.







