Das Paulo Freire Zentrum betreibt eine von Paulo Freire inspirierte dialogische Bildungsarbeit, die Weltprobleme im Zusammenhang mit Vor-Ort-Problemen reflektiert und bearbeitet. Als wissenschaftsbasierte Einrichtung bietet das Freire Zentrum AkteurInnen und Institutionen der Welt- & Selbstgestaltung Raum für die notwendige kritische Reflexion ihrer Arbeit an.
Die Geschichte der Paulo Freire Zentrums kann in mittlerweile vier Phasen erzählt werden:
Phase 1 – vor der Gründung, 2001-2004
Eigentlich liegt die Geburtsstunde des Paulo Freire Zentrums in den Österreichischen Entwicklungstagungen. Deren erste fand 2001 in Salzburg statt. Sie wurde vom Mattersburger Kreis in Kooperation mit der AGEZ und einem Dutzend entwicklungspolitischer Organisationen organisiert. Leider ist die Dokumentation nicht mehr online, sie ist aber in Buchform erschienen („Wisse, was du tust“, 2002).
Die Entwicklungstagung verfolgte damals wie heute das Ziel, durch die Auseinandersetzung mit aktuell brennenden Themen innerhalb der entwicklungspolitischen Szene einen Raum für Reflexion zu bieten, was auf sehr positive Resonanz stieß. Diese Idee sollte abgesichert werden, daher kam es zur Etappe 2.
Phase 2 – die Gründung im Rahmen der ÖFSE, 2004-2008
Der Mattersburger Kreis fand in der ÖFSE eine starke Partnerin für die langfristige Absicherung der Idee der Entwicklungstagung. Dazu wurde 2004 das Paulo Freire Zentrum gegründet, das mit 1. Juli 2004 offiziell seine Arbeit aufnahm. Das Freire Zentrum strebte nie nach einer eigenen Rechtspersönlichkeit (um nicht eine weitere Zwergenorganisation im großen Schrebergarten der Entwicklungspolitik zu installieren), sondern baute auf Zusammenarbeit, auch in der juridischen Trägerschaft. Bis 2008 sollte diese bei der ÖFSE liegen. Mattersburger Kreis wie auch ÖFSE waren seit Jahrzehnten als wissenschaftliche Einrichtungen der Entwicklungspolitik tätig und anerkannt. Beide Organisationen waren und sind bestrebt, öffentliche Forschung und Bildung aufbauend auf dem dialogischen Grundprinzip in der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) und Entwicklungspolitik zu stärken.
Zunächst war das Freire Zentrum als „Zentrum für transdisziplinäre Entwicklungsforschung“ konzipiert worden, im Zuge der Diskussionen und Planungen drängte sich der Name „Paulo Freire Zentrum“ aber geradezu auf, denn Freire gilt als einer der wesentlichen Vordenker des dialogischen und transdisziplinären Arbeitens, das soziale wie institutionelle und natürlich auch akademische Grenzen überschreitet. Mit ganzem Namen hieß das Freire Zentrum damals „Paulo Freire Zentrum für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und -Bildung“.
Phase 3 – Kooperation mit KommEnt, 2009-2014
Mit 1. Jänner 2009 wechselte die Trägerschaft des Paulo Freire Zentrums zu KommEnt, der Gesellschaft für Kommunikation, Entwicklung und dialogische Bildung mit Sitz in Salzburg. In einem Milieu, in dem Konkurrenz nur zu oft die tiefere Logik des Geschehens darstellt, setzen diese zwei Organisationen ein Statement für Kooperation. Auf der inhaltlichen Ebene sprach für diese Zusammenarbeit, dass beide ähnliche Ziele verfolgen, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen. Strukturell verband KommEnt und das Paulo Freire Zentrum, dass sie beide kleine Einrichtungen waren, mit jeweils gerade einmal zwei MitarbeiterInnen.
Der Zusammenschluss dieser beiden Akteure der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit war nicht als Fusion gedacht, daher wurden die beiden „Marken“ KommEnt und Paulo Freire Zentrum fortgeführt. Eine Annäherung gab es in der Auftrittsweise: Das Freire Zentrum änderte seine Langbezeichnung, dezent, aber doch, in „Paulo Freire Zentrum für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und dialogische Bildung“.
Phase 4 – Kooperation mit dem Mattersburger Kreis
Mit Jahresbeginn 2015 kam es abermals zu einer Veränderung und das Freire Zentrum löste sich von KommEnt und wechselte in die juridische Trägerschaft des Mattersburger Kreises. Pragmatisch sprach dafür die langjährige enge Zusammenarbeit, die sich in einer seit 2004 bestehenden Bürogemeinschaft ebenso wie in zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen ausdrückte. Mit diesem Trägerwechsel betont das Freire Zentrum wieder stärker sein Profil als Akteur der kritischen Entwicklungsforschung. Umgekehrt nähert sich der Mattersburger Kreis damit stärker „volksbildnerischen“ Aktivitäten an und wird im Bereich der Wissenschaftskommunikation tätig. Beide Organisationen bewahren aber ihre Eigenständigkeit, die auch im getrennten Außenauftritt ihren Ausdruck findet.
Kern der Befassungen ist immer wieder im Sinne Freires die Frage nach Bildung und Politik, damit nach Ungleichheiten und Entwicklung, Konflikten und Ein-/Ausschlussmechanismen. Bildung befähigt zu handeln und mit einem nachhaltigen Blick auf die Welt zu schauen.
Das Freire Zentrum versteht sich als Knotenpunkt unterschiedlicher Aktivitätsfäden; es versteht sich insofern als Zentrum, in dem AkteuerInnen der kritischen Entwicklungsforschung, des Forumtheaters, der „Volksbildung“, der Entwicklungspolitik, der entwicklungspolitischen Bildung, des Globalen Lernens, der Entwicklungszusammenarbeit, der Friedenspädagogik etc. zusammenkommen und immer wieder in gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten.
Im Herbst 2014 wurde das Paulo Freire Zentrum in den Internationalen Verband der Paulo Freire Institute aufgenommen, das in jedem Land jeweils nur eine Organisation als Paulo Freire Institut anerkennt. Damit ist das Wiener Freire Zentrum nun auch das „Instituto Paulo Freire Austria“ – eine neue Ergänzung zu unserem zugegeben etwas langen, dafür aber ziemlich bedeutungsschwangerem Namen: Wir sind nun das
„Paulo Freire Zentrum für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und dialogische Bildung – Instituto Paulo Freire Austria“.
Der Kurzname bleibt schlicht: „Paulo Freire Zentrum“. Oder ganz kurz: „Freire Zentrum“.
Und nein, die Abkürzung „PFZ“ mögen wir gar nicht, wir sind ja kein Auto…
GründerInnen & historische TrägerInnen

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Mattersburger Kreis
für Entwicklungspolitik an den österreichischen Universitäten
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