Robert Schneider-Reisinger (Professor für Inklusive Pädagogik und Behinderungsforschung, Universität Wien) im Gespräch mit David Untersmayr.
Für Paulo Freire ist das Ziel von Bildung die Entwicklung eines kritischen Bewusstseins. Bildung soll die Menschen verändern, die dann wiederum die Welt verändern. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Lehrenden zu: Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit den Lernenden die Welt zu entdecken und ihre vielfältigen Widersprüche zu erkennen. Doch wie kann man angehende Pädagog*innen dazu motivieren, sich mit drängenden sozialen und ökologischen Fragen zu beschäftigen und sich dazu zu positionieren? Freire selbst hat betont, dass es weniger das Repertoire an Methoden, sondern die Einstellung der Lehrenden ist, die guten Unterricht ermöglicht. Welche Impulse kann da eine Lehrer*innenbildung setzen, die von einem positivistisch dominierten akademischen Umfeld geprägt ist?
Unser Gast:
Robert Schneider-Reisinger hat zunächst als Integrations- und Heilstättenlehrer gearbeitet, bevor er sich der Forschung zuwandte. Aktuell hat er die Professur für Inklusive Pädagogik und Behinderungsforschung an der Universität Wien inne, im Rahmen derer er sich mit allgemeinpädagogischen (insbes. anthropologisch-ethischen) und kulturwissenschaftlichen Grundlagen von Inklusion und Diversität beschäftigt. Befreiung und Dekolonisierung, sowie materialistische (Behinderten-)Pädagogik sind weitere Schwerpunkte seiner Interessen, unter denen er auch ein Faible für Widerstand/Widerständiges, sowie nicht-europäisches Denken und Wissen und die entsprechenden Praktiken der Re-Produktion anführt.
Hinweise zu der in der Episode besprochenen Literatur:
Ernst Bloch: Ad Pädagogica; Zur parteiischen Weisheit. In: ders., Philosophische Aufsätze zur objektiven Phantasie. Berlin 1969: Suhrkamp.
Erich Fried: Kinder und Linke. In: ders., Es ist was es ist. Berlin 1983: Wagenbach (nachzulesen unter https://www.deutschelyrik.de/kinder-und-linke.html).
Zum Weiterlesen in unserem Magazin:
Warum wir einen 100 Jährigen in der Schule brauchen: Reflexionen am Ende eines Lehramtsstudiums.