Eine heiße Sache

Das 5. Weltsozialforum versammelte 155.000 globalisierungskritische Menschen aus 135 Ländern. Gerald Faschingeder berichtet aus Porto Alegre.

Heiß war es, soweit reicht der Konsens. Auch Einheimische fanden, dass Temperaturen um 35 Grad Celsius im gut belüfteten Schatten zuviel sind, zumal dies bedeutet, dass es in den Veranstaltungszelten bis zu 45 Grad hatte. Heiß waren aber auch die Themen, die am Weltsozialforum (WSF) diskutiert wurden.

Es war wieder ein Treffen der Superlative. 2.000 Einzelveranstaltungen, ca. 320 Seiten Programm, 155.000 TeilnehmerInnen unmöglich, einen Überblick zu gewinnen. Um doch ein Gefühl für das Gesamtbild zu bekommen, besuchte ich zum Abschluss eine Reflexionsveranstaltung für deutschsprachige TeilnehmerInnen im Goethe Institut von Porto Alegre. Konsens war, abgesehen von der Hitze, dass es keinem einzelnen Menschen gelingen könne, sich einen vollständigen Überblick über das WSF zu verschaffen. Das WSF sei eben ein Forum, ein Raum, in dem unterschiedliche globalisierungskritische Ansätze präsentiert werden können, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Synthese.

Die am WSF gebotenen Lösungsansätze für die politischen Herausforderungen der Zeit reichen von „klassischem“ Lobbying für die Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen mittels Postkartenaktion über Konzepte der Transformation von Staatlichkeit (anstelle unrealistischer Revolutionskonzepte) bis hin zu Vorschlägen, die Macht zu übernehmen, ohne den Staat zu kontrollieren. Deutlich ist vor allem eines: „Die“ Bewegung gibt es nicht, in Porto Alegre versammeln sich AktivistInnen unterschiedlicher Gruppen, die Interesse an Vernetzung und gemeinsamer Strategieentwicklung haben.

Manchen gingen bei diesem WSF die großen gemeinsamen Veranstaltungen ab. Statt Mega-Events mit prominenten RednerInnen wurden 2.000 gleichwertig präsentierte Veranstaltungen angeboten, in Zelten, die zwischen 50 und 2.000 Personen fassen konnten. Von den einen wurde beklagt, dass damit das gemeinsam „feeling“ abhanden gekommen sei, andere strichen jedoch als positiv hervor, dass auf diese Art niemand vereinnahmt werden könne und keine Starbildung betrieben werde. Der Literatur-Nobelpreisträger José Saramago muss schließlich nicht vor 20.000 Menschen sprechen, es hat auch seine Qualitäten, wenn er nur vor 2.000 Personen spricht.

Vor und während des WSF fanden eine Reihe von Spezialforen statt (z.B. Migration, RichterInnen, Weltparlament).

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+ „Der Süden ist sich selbst der Norden!“
+ Eine Universität für Habenichtse
+ Der Traum vom Eigenheim
+ Die globale Enteignungsökonomie
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Veröffentlicht in Paulo Freire, Entwicklungspolitik, Themen.