Multiple Kulturen im Globalen Lernen

Die aktuelle, dritte Spezialausgabe des „Multicultural Education & Technology Journal“ (METJ) zum Thema Global Studies versorgt interessierte LeserInnen diesmal mit acht Artikeln, in denen unter anderem aufgezeigt wird, welchen Beitrag multikulturelle, entwicklungsbezogene Studienpläne zu einem besseren Verständnis von Globalisierung leisten können.Während sich beispielsweise Margarita Schiemer und Michelle Proyer, die am JungforscherInnen-Forum auf der Österreichischen Entwicklungstagung in Krems 2011 teilnahmen, der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien im Bereich der Erziehung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Äthiopien und Thailand widmen, setzt sich Herbert Rauch damit auseinander, wie das Konzept globaler sozialer Nachhaltigkeit umgedeutet werden kann. Lena Bader und Marlene Köttstörfer analysieren in einer Querschnittstudie die Curricula von 20 verschiedenen Global Studies-Studiengängen und diskutieren, womit e-Learning-Strategien punkten können. Auch andere Themen wie webbasiertes Lernen oder das Konzept der Resilienz – von der Ökologie auf den Bildungs- und Erziehungsbereich übertragen – haben Eingang in diese Ausgabe des METJ gefunden.

Im Folgenden werden vier der acht Artikel exemplarisch vorgestellt. Alle Artikel des englischsprachigen Journals (Volume 7, issue 2/3) können in elektronischer Form kostenpflichtig auf der Forschungsplattform Emerald erworben werden.

Margarita Schiemer, Michelle Proyer (2013): Teaching children with disabilities: ICTs in Bangkok and Addis Ababa

In diesem Artikel werden Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Bezug auf die Bildung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Addis Ababa (Äthiopien) und Bangkok (Thailand) thematisiert. Anhand der Analyse von Interviews mit SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen wird aufgezeigt, welche Vor- und Nachteile IKT in diesen doch voneinander abweichenden Kontexten mit sich bringen. Während beispielsweise das Potenzial diverser technologischer Hilfsmittel durchaus erkannt wird, mangelt es häufig an deren Verfügbarkeit. Auch das oft unzureichende Wissen seitens der PädagogInnen um den adäquaten Umgang mit vorhandenen Materialien verursacht Probleme im Schulalltag. Wie die Autorinnen deutlich machen, besteht in diesem Bereich nach wie vor großer Handlungs- und Verbesserungsbedarf.

Lena Bader, Tabea Bereuther, Elisabeth Deutsch, Julia Edlinger, Silvia Füreder, Emanuel Kaspar, Marlene Köttstorfer, Claudia Mautner, Christine Rossegger, Alina Samonig, Stefan Samonig, Christoph Schuster, Gerhard Witz, Victoria Zotter, Gilbert Ahamer (2013): Quality improvements in curricula for Global Studies

Anhand einer Querschnittanalyse von 20 multikulturellen und interdisziplinären Studienplänen von Universitäten verschiedener Länder untersuchen die AutorInnen dieses Beitrags, über welche Stärken und Schwächen derartige Curricula verfügen. Als Fallbeispiel dient das seit dem Wintersemester 2010/2011 bestehende Masterprogramm „Global Studies“ der Karl-Franzens-Universität Graz. Ziel des Artikels ist es aufzuzeigen, von welchen Maßnahmen multikulturelle Studienpläne profitieren könnten, um deren Potenzial voll auszuschöpfen. So wäre es beispielsweise von großer Relevanz, die interkulturelle Mobilität von Lehrenden und Lernenden zu fördern sowie die Kooperation von Partneruniversitäten zu stärken. Auch besteht seitens der Studierenden der Wunsch nach einem größeren Sprachenangebot im Rahmen des Studiums.

Lena Bader, Marlene Köttstorfer (2013): E-learning from a student’s view with focus on Global Studies

Wie und in welchem Ausmaß wird E-Learning im Bereich der Global Studies genützt? Dieser Frage wird in diesem Beitrag aus studentischer Perspektive nachgegangen. Der Fokus liegt hier auf dem Masterprogramm „Global Studies“ an der Karl-Franzens-Universität Graz. Wie gezeigt wird, spielen Informations- und Kommunikationstechnologien vor allem im tertiären Bildungsbereich eine große Rolle. Die Intensität der Nutzung variiert jedoch erheblich, nicht nur zwischen sondern auch innerhalb von Universitäten. Trotz großer Akzeptanz von Studierenden und Lehrenden scheint es auch vor dem Hintergrund der ständig fortschreitenden Entwicklung von Technologien angebracht, die Verwendung webbasierter und computergestützter Lern- und Lehrprogramme auszuweiten.

Gilbert Ahamer (2013): Multiple cultures of doing geography facilitate Global Studies

Gilbert Ahamer stellt in seinem Artikel Geografie als wesentliche Disziplin für die Analyse von Globalisierung vor. Dabei geht er weg von einem eindimensionalen Verständnis von Geografie und zeigt auf, wie vielfältig die Betrachtungsweisen und Ansätze sind, die dieses Gebiet umfassen. Auch wird erwähnt, wie wichtig es ist, verschiedene Perspektiven auf das Thema der Entwicklung einzunehmen. Dabei konzipiert Ahamer Entwicklung als „zusammen(-)wachsen in der Verantwortung“. Neben einem kurzen Überblick über die Geschichte der Geografie als Wissenschaft bietet der Autor außerdem Einblicke in historische und soziologische Annäherungen an Entwicklung und problematisiert mehrere Versuche, Entwicklung zu quantifizieren und zu messen.

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

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