Hoffnung im Kampf gegen die Klimakrise – Neue Perspektiven und Kraft für eine gemeinsame Transformation.

Trotz düsterer Prognosen, politischer Rückschläge und globaler Krisen gibt es immer noch konkrete Gründe, im Kampf gegen die Klimakrise Hoffnung zu schöpfen. Doch wie können wir angesichts der drängenden Herausforderungen optimistisch bleiben? Welche Entwicklungen bieten einen Lichtblick, und wo liegen die Potenziale, die uns voranbringen können?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der ersten Ausgabe der C3-Zukunftsdialoge 2025 unter dem Titel „Was gibt uns Hoffnung im Kampf gegen die Klimakrise?“, die am 07.04.2025 stattfand. Statt sich nur auf die allgegenwärtigen Probleme zu konzentrieren, lenkte die Diskussion den Blick auf Lösungen, Fortschritte und die transformative Kraft gemeinsamen Handelns. Unter der Moderation von Rudolf Anschober (ehemaliger Bundesminister für Soziales und Gesundheit) und mit Beiträgen von Phillip Blom (Autor und Historiker) sowie Leonore Gewessler (ehemalige Bundesministerin für Klimaschutz) wurde ein inspirierendes Bild der Möglichkeiten skizziert, die uns inmitten der Klimakrise zur Verfügung stehen.

Fortschritt trotz Krisen.

Tatsächlich belegen zahlreiche Entwicklungen, dass Klimaschutz nicht nur möglich, sondern in wachsendem Ausmaß bereits Realität ist: In Österreich sinken die Emissionen, der Ausbau erneuerbarer Energien gewinnt zunehmend an Dynamik, und auch im Rahmen von EU-Vorgaben, wie dem Clean Industrial Deal, oder auch durch ambitionierte Zieleformulierungen wie die 90 % Emissionsreduktion bis 2040 findet in Österreich Klimapolitik statt. „Auch Österreich kann Klimaschutz“ betonte Gewessler und zeigte auf, dass sich Österreich im diesjährigen Klimaschutz-Leistungs-Index (CCPI)-Ranking um neun Plätze verbessern konnte.

Diese positiven Entwicklungen sind jedoch kein Zufall, sondern Ergebnis konkreter politischer Entscheidungen. Ein Beispiel: Das EU-weite Aus des Verbrennungsmotors bis 2035 – lange umstritten, nun beschlossen. Die Diskussion offenbarte jedoch ein Paradoxon: Während die Dringlichkeit der Klimakrise zunimmt, verharren viele politische Akteurinnen und Akteure im ‚Business-as-usual‘-Modus („Weiter wie bisher“) und scheuen sich, grundlegende Veränderungen einzuleiten. Ein Beispiel dafür sind politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, die sich weiterhin gegen zentrale Maßnahmen wie das von der EU beschlossene Aus des Verbrennungsmotors stellen und stattdessen auf ‚Technologiefreiheit‘ pochen. Diese Blockadehaltung von Politiker*Innen führt bei Teilen der Bevölkerung zu einem Gefühl der Resignation und Ohnmacht, da notwendige Schritte zur Eindämmung der Klimakrise immer wieder hinausgezögert oder abgeschwächt werden. Ein zentrales Thema der Diskussion war daher, wie wir aus dieser gesellschaftlichen und politischen Erstarrung herausfinden können. Brauchen wir mehr Hoffnung?

Krisen als Chance?

In diesem Zusammenhang wurde die Frage,, ob Krisen nicht auch Chancen in sich tragen, diskutiert. Historische Beispiele belegen: Gesellschaften reagieren auf Katastrophen nicht nur mit Angst, sondern oft mit Innovation. So wurde etwa das heutige Amsterdam laut Blom in einer Krisenzeit zu einem Zentrum von Bildung, Handel und nachhaltiger Stadtentwicklung.

Auch heute zeigen sich vergleichbare Potenziale: Energieunabhängigkeit durch grüne Technologien kann Europa nicht nur klima-, sondern auch geopolitisch sicherer machen. Österreich, mit seinem hohen Anteil an erneuerbarer Energie, könnte hier eine Vorreiterrolle einnehmen- sowohl technologisch als auch moralisch. Doch dazu brauche es den „Mut zur Transformation“, gerade angesichts politischer Gegenbewegungen und globaler Unsicherheiten.

Strukturwandel statt Schuldzuweisung.

Ein wichtiges Anliegen der Diskutierenden: Die Lösung liegt nicht in der Individualisierung der Verantwortung – also in der Frage, wie oft eine Person fliegt oder Fleisch isst -, sondern im strukturellen Wandel. Die größten Hebel liegen im Finanzsystem, in der Landwirtschaft und im Bauwesen. Doch ein Wandel in diesen Bereichen braucht Bilder einer Zukunft, die nicht nur notwendig, sondern auch lebenswert erscheint. Nur dann entsteht Motivation statt Resignation.

Einigkeit herrschte darüber, dass die Abkehr vom fossilen Denken ein zentraler Hebel sei – ökonomisch wie geopolitisch. Eigenständige Energieproduktion stärkt nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die politische Unabhängigkeit Europas. Initiativen wie Energiegenossenschaften und dezentrale Versorgungssysteme wurden als konkrete und bereits funktionierende Lösungsansätze hervorgehoben.

Medien und Verantwortung.

Nach der Podiumsdiskussion wurde im Rahmen der Veranstaltung Raum für weitere Fragen aus dem Publikum geboten, wobei auf eine zentrale Herausforderung besonders eingegangen wurde: Warum sind positive Zukunftsbilder in der öffentlichen Debatte so selten sichtbar? Die Antwort fiel ernüchternd aus. Blom machte deutlich, dass die Ursache in der Struktur vieler Medien liegt: Ökonomischer Druck, geringe Gewinnmargen und ein auf Klickzahlen ausgerichtetes Geschäftsmodell führten dazu, dass vor allem das gezeigt wurde, was Aufmerksamkeit garantiert – Konflikte, Krisen, Skandale. Dadurch finden langfristige Perspektiven oder konstruktive Lösungen oft kein Gehör, obwohl sie entscheidend für eine lebenswerte und zukunftsfähige Gesellschaft sind. Doch Hoffnung entsteht durch Narrative, die den Wandel erfahrbar machen. Gewessler betonte in diesem Zusammenhang die Verantwortung jedes Einzelnen: „Jede Person ist Kommunikator*in im eigenen Umfeld“, sagte sie – ein klarer Appell, sich aktiv an einer anderen Erzählkultur zu beteiligen.

Themenbereiche Sicherheit und Europa: Klimaschutz als geopolitische Stärke.

In der Fragerunde aus dem Publikum rückte ein weiterer, bis dato im Vortrag unangesprochener Aspekt in den Fokus: die enge Verknüpfung von Klimaschutz und Sicherheit, insbesondere im europäischen Kontext. Das vorherrschende Narrativ rund um Sicherheit sei laut der Teilnehmenden eng mit Militarisierung, Aufrüstung und dem Risiko von Krieg verbunden, was ihrer Ansicht nach keine echte Alternative zulasse. Daraus ergab sich die zentrale Frage: Wie geht man mit dieser Wahrnehmung um, und wie lässt sich das bestehende Narrativ herausfordern?

Auf diese Frage antwortete Philip Blom, dass Klimaschutz und Sicherheit untrennbar miteinander verbunden seien. Statt aber außenpolitisch von Energieimporten abhängig zu sein, müsse Europa in der Lage sein, seine Energie selbst zu produzieren, um echte Souveränität zu gewährleisten – nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch in Städten, Gemeinden und Regionen. Der Umbau der Energieversorgung werde so zu einem zentralen Projekt für die europäische Resilienz und Handlungsfähigkeit. Wer auf erneuerbare, lokal erzeugte Energie setzt, stärke damit nicht nur das Klima, sondern auch die Stabilität von Gesellschaft und Demokratie. Klimaschutz ist deshalb weit mehr als eine ökologische Herausforderung – er ist eine sicherheitspolitische Notwendigkeit.

Fazit: Hoffnung durch Handeln.

Hoffnung ist letztlich kein Gefühl, sondern eine Praxis. Sie entsteht durch Engagement, durch Beteiligung, durch konkrete Handlungsmöglichkeiten – sei es in der eigenen Kommune, durch Beteiligung an Bürger*innenräten oder durch politische Arbeit. Menschen brauchen Räume, in denen sie sich beteiligen können – sei es in Energiegenossenschaften, lokalen Klimaprojekten oder durch einen BürgerInnenrat. Bewegung wie Fridays for Future zeigen, wie viel aus solchen Impulsen entstehen kann. Auch wenn der Weg herausfordernd ist – im Kampf gegen die Klimakrise ist Bewegung. Es gibt Lösungen, es gibt Engagement, und es gibt die Chance, die Zukunft aktiv mitzugestalten.

Das zeigt: Die Werkzeuge für den Aufbau einer nachhaltigen Zukunft sind längst da. Die Frage ist somit nicht mehr, ob Wandel möglich ist – sondern ob wir als Gesellschaft bereit sind, ihn zu gestalten.

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

Titelbild © Christine Miess

Weiterführende Links:

Zur Aufzeichnung der Veranstaltung auf der C3-Website

Weitere Infos zum CCPI-Ranking

Eine weitere Perspektive auf die Diskussion um die Elektromobilität

 

Dieser Artikel hat sich mit der ersten Ausgabe der dreiteiligen C3-Zukunftsdialog-Reihe mit Rudi Anschober befasst.

Hier geht es zum Bericht über den zweiten Zukunftsdialog.

Hier geht es zum Bericht über den dritten Zukunftsdialog.

Veröffentlicht in Globale Ungleichheiten, Sozial-ökologische Transformationen.