Kooperation zwischen Forschung und Zivilgesellschaft – ein fruchtbarer Boden für Entwicklung

Am 23. März beschäftigte sich eine Veranstaltung der Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) mit der Frage, inwiefern die Kooperation zwischen Forschung und Zivilgesellschaft Potentiale für erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit birgt. Ein Beispiel aus Uganda zeigte, wie fruchtbar diese Kooperation sein kann.Bei dieser Veranstaltung im C3 – Centrum für Internationale Entwicklung waren NGO-Aktivist Amosiah Ongatai (Youth Environment Service – YES) und Jakob Lederer (TU Wien) geladen, um über ihre Forschungskooperation und Projektarbeit in Uganda zu berichten. Anschließend diskutierten sie mit Elisabeth Huber (Universität Wien), Paul Yillia (International Institute for Applied Systems Analysis – IIASA) und Peter Pober-Lawatsch (HORIZONT3000) über die Bedingungen einer solchen Kooperation. Moderiert wurde die Diskussion von Stella Asiimwe (Afro Asiatisches Institut – AAI); rund 70 Personen nahmen an der Veranstaltung teil.

Auswahl_Artikel_1.JPG

Foto: Amosiah Ongatai, Peter Pober-Lawatsch, Stella Asiimwe, Paul Yillia & Elisabeth Huber; © Elke Stinnig.

Abfallmanagement, Bodenfruchtbarkeit & glückliche BäuerInnen

In einer kurzen Begrüßung durch KEF-Koordinator Andreas Obrecht wies dieser darauf hin, wie wichtig der Brückenschlag zwischen Forschung und sozialer Realität sei. Forschung solle einen Einfluss auf soziale Entwicklungen erzielen, betonte er. Amosiah Ongatai konnte von einem derartigen Projekt berichten: Die ugandische NGO YES kooperierte mit einem Forschungsteam der TU Wien zum Thema Abfallmanagement, um Strategien gegen die umwelt- und gesundheitsschädliche Müllverschmutzung in Busia (Uganda) zu entwickeln. Gemeinsam mit BäuerInnen der Region wurde eine Forschung durchgeführt, die ergab, dass der Abfall vor allem organisch sei und dass es Sinn mache, diesen für Kompostierung zu verwenden. Eine weitere Forschung bewies den positiven Einfluss von Kompost-Düngung auf die Bodenfruchtbarkeit und so seien die BäuerInnen bereit gewesen, an einem gemeinschaftlichen Abfallmanagement (Müllsammlung, Mülltrennung, Recycling, Kompostierung) mitzuwirken. Heute arbeite die NGO erfolgreich, mit Unterstützung der lokalen Bevölkerung und lokaler Autoritäten, im Bereich Abfallmanagement, Wassermanagement, Sanitärer Situation, HIV-Aids Prävention, Frauen und Jugend-Ermächtigung und vielem mehr, so Ongatai.

Auswahl_Artikel_2.JPG

Foto: Amosiah Ongatai;

© Elke Stinnig.


Zivilgesellschaft als Partnerin der Entwicklungsforschung

Die Kooperation mit der Zivilgesellschaft sei für den Erfolg dieses Forschungsprojekts absolut zentral gewesen, so Jakob Lederer von der TU Wien. Lokale NGOs als Partner für die Forschung zu gewinnen berge viele Potentiale: Erstens könne die Forschung partizipativ (unter Beteiligung der Lokalbevölkerung) und auf den lokalen Kontext zugeschnitten geplant werden, da lokale NGOs meist Zugang zur Lokalbevölkerung eröffnen könnten. Im besagten Forschungsprojekt sei die Forschungsfrage gemeinsam mit YES und der Lokalbevölkerung, auf Basis einer Analyse der Problemstellungen vor Ort, formuliert worden. NGO-MitarbeiterInnen und die Lokalbevölkerung nahmen auch am Prozess der Datenerhebung teil. Dies werde zwar oft als „unwissenschaftlich“ kritisiert, biete aber Vorteile, denn die Lokalbevölkerung könne die Datenaufnahme auf ihr Wissen über lokale Verhältnisse, AkteurInnen und Umgangsformen stützen, meinte Lederer.

Eigentumsrecht, Nutzungsrecht und Machtverhältnisse

Schließlich spiele die Partner-NGO auch eine wichtige Rolle als Übermittlerin der Forschungsergebnisse an alle Interessierten und relevanten AkteurInnen, so Lederer. Die Forschungsergebnisse bleiben so in der Region, die Lokalbevölkerung habe unmittelbaren Zugang zu den sie betreffenden Forschungsergebnissen und könne selbstbestimmt Nutzen davon machen. Das Ownership (Eigentum, Teilhabe und Identifizierung mit dieser Forschung) liege ganz klar bei allen Beteiligten und vom Forschungsthema betroffenen Menschen in der Region.

Über eines müssen sich ForscherInnen jedoch im Klaren sein: Eine derartige Zusammenarbeit bewege sich im Rahmen lokaler Machtverhältnisse und habe auch Einfluss auf diese, betonte Lederer. Lokale Autoritäten geraten zum Beispiel unter Druck, wenn die Bevölkerung vom Projekt begeisterter ist, als von Aktivitäten der Lokalpolitik – dies sei nicht förderlich für die Kooperation mit lokalen EntscheidungsträgerInnen und es gelte, sensibel mit solchen Dynamiken umzugehen.

Auswahl_Artikel_3.JPG

Foto: © Elke Stinnig.

Bedingungen für eine erfolgreiche Kooperation

Angesichts der vielen Beteiligten und der Machtverhältnisse in solch einem Projekt, regte Stella Asiimwe dazu an, die AkteurInnen näher zu analysieren. „Wer ist eigentlich die Zivilgesellschaft?“, fragte die Moderatorin in die Runde „und gehören externe AkteurInnen wie internationale Geberorganisationen eigentlich dazu?“ Elisabeth Huber definierte Zivilgesellschaft als nicht-staatliche Kollektive, die sich für soziale Gerechtigkeit und Gemeinwohl einsetzen. Die anderen DiskutantInnen ergänzten, dass Zivilgesellschaft nicht unbedingt kollektiv und nicht-staatlich sein müsse. Um zur Zivilgesellschaft zu gehören, brauche man jedenfalls tiefgehendes Kontextwissen und persönliche Verankerung in der betreffenden Gesellschaft. Amosiah Ongatai und Paul Yillia sprachen sich daher dafür aus, mit lokalen ExpertInnen zusammenzuarbeiten, anstatt in externe ExpertInnen zu investieren. Pober-Lawatsch hingegen plädierte dafür, externe „Personaleinsätze“ nicht aufzugeben, da RückkehrerInnen oft wichtige Lobbyarbeit im Heimatland leisten.

Letztlich seien AkteurInnen der Zivilgesellschaft wichtige ForschungspartnerInnen – externe AkteurInnen bräuchten aber „Forschungsassistenz“ von Seiten der Lokalbevölkerung und vor allem Zeit, um den lokalen Kontext zu verstehen, resümierte Asiimwe schließlich die angeregte Diskussion.

Die Autorin studierte Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

Weiterführende Links:

Youth Environmental Service YES

-Kommission für Entwicklungsforschung (KEF): https://www.kef-research.at/

– IIASA: https://www.iiasa.ac.at/

– Horizont 3000: https://www.horizont3000.at/

Veröffentlicht in Entwicklungsforschung, Themen.