Wonderful 3 Urlaub wie noch nie

"Asylanten machen Ferien in Österreich" Die neueste Produktion von
Film- und Theatermacher Hubsi Kramer wagt erneut das Unmögliche.
Menschen, die ansonsten am Rand der Gesellschaft stehen, verlassen die
ihnen zugeteilte Peripherie und bereisen die touristischen Zentren
Österreichs. Eine Führung durch Schloss Schönbrunn, Fiakerfahrt, Salzburgbesuch und dann noch eine Donauschifffahrt mit anschließendem Besuch beim Heurigen das Standardprogramm eines (stereotypen) gelungenen Österreichbesuchs. Nichts Besonderes sozusagen, wären da nicht die ProtagonistInnen als einmalige TouristInnen!

Natacha Tsoungui, Queenta Yufenyuy, Marcy Ozor Onu, Cyril Ozoekwe Chaka und José Kongolo sind AsylwerberInnen aus Kamerun, Nigeria und dem Kongo, die aus unterschiedlichen Beweggründen in Österreich gelandet sind. Land und Leute sind ihnen ebenso fremd wie das Gefühl unbekümmert und sorgenfrei in den Tag hineinzuleben, wie das bei einem Urlaub normalerweise so der Fall ist. Gemeinsam mit Hubsi Kramer und begleitet vom Kameramann Ernst Tradinik wollen sie dennoch das Unmögliche wagen. "Doch wie soll man Urlaub machen, wenn man keinen Arbeitsplatz und kein richtiges Zuhause hat, zu dem man zurückkehren kann, und schon gar kein Geld um sich das Ganze überhaupt leisten zu können?" so einer der Darsteller. Urlaub wird zum Privileg, in dessen Genuss nicht alle kommen, schon gar nicht die erbarmungslos Entrechteten und von der Gesellschaft im Stich Gelassenen. Nach obdachlosen UrlauberInnen in den ersten beiden "Gutmenschen filmproduktions" beweisen die authentischen Charaktere in "Wonderful 3": Auch sie können Urlaub machen, vorausgesetzt sie haben die Erlaubnis und die notwendigen Mittel dazu.

In einer einwöchigen Tour durch das hochsommerliche Österreich wandeln sie auf den Spuren Kaiserin Sissis, erkunden die Geburtsstadt Mozarts und lernen Salzkammergut und Wachau von ihrer schönsten, ja fast schon kitschigen Seite kennen. Fünf einander bis dahin fremde Personen lernen sich und ihre Umgebung besser kennen, haben Spass, scherzen miteinander und genießen jede Minute ihres Urlaubs, an dem ein nicht zu übersehendes Etikett mit Ablaufdatum haftet. Eine Gewissheit, die sich trotz lachender Gesichter in den traurigen Augen widerspiegelt. Dieselben Augen sind es jedoch auch, die jenen eines Polizisten erstmals ohne Angst auf gleicher Höhe begegnen. Von Anspannung keine Spur. Überall wo sie ankommen, werden sie freundlich, wenn auch mit neugierigen Blicken, empfangen. Die Dorfmusikanten spielen ein Ständchen, es wird getanzt und gelacht. Der Gast ist schließlich König ganz besonders dann, wenn ein Afrikaner für einen Amerikaner gehalten wird. Erstaunlich was eine Kamera im Gepäck, ein Sonnenhut am Kopf und ein Fotoapparat in der Hand so bewirken.

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(Fotos:
Wonderful 3, Gutmenschen filmproductions)
"Rassismus raus, Österreich rein"

Was bleibt, ist ein Koffer mit schönen Erinnerungen, neuen Erfahrungen und vielleicht einem anderen Bild des Landes, das ihnen dieses Erlebnis eigentlich nicht zu Teil werden lassen wollte. Es bleibt zu hoffen, dass diese Urlaubswoche und die daraus entstandenen Freundschaften etwas mehr Licht in den tristen und wenig optimistischen Alltag bringen, in den die UrlauberInnen schlussendlich zurückkehren.

Mit seinem Anspruch, politisches Theater und politische Filmproduktionen trotz beschränkter finanzieller Mittel umzusetzen, endet Hubsi Kramars Arbeit dort, wo die Pflicht und Arbeit der Politik einsetzen müsste und woran das Engagement jedes/r Einzelnen anknüpfen könnte.

Weitere Infos zum Film finden Sie hier.
Hubsi Kramar: https://www.hubsikramar.net/

Veröffentlicht in Bildungsungerechtigkeit.