Wissensallianzen durch Global Studies

Die Sonderausgabe des kürzlich erschienenen Multicultural Education & Technology Journal (Volume 6, issue 3, 2012) beschäftigt sich mit den Potentialen und Strategien des Globalen Lernens. Unter anderem findet sich ein Beitrag zum Projekt Ungleiche Vielfalt und freireanischer Bildungsarbeit.Das Multicultural Education & Technology Journal erscheint viermal jährlich und hat zum Ziel, die Forschung über multikulturelle Bildung und Technologie, ebenso wie das Verständnis über Diversität und Gleichheit im Lernkontext zu fördern. Weiters sollen dadurch Lernende sowie Lehrende über die aktuellen Lerntechnologien am Laufenden gehalten werden und die Möglichkeit bekommen, sich über ethnische, kulturelle sowie sprachliche Grenzen hinweg zu vernetzen.

Die aktuelle, dritte Ausgabe im Jahr 2012 trägt den Untertitel Global studies create knowledge alliances. Die fünf Artikel zu sehr unterschiedlichen Bereichen innerhalb dieses Überthemas von indigener Ermächtigung über e-learning und kollektives Lernen bis hin zu freireanischer Bildung gegen Ungleichheit werden in Folgendem kurz vorgestellt. Einer der AutorInnen ist Andreas Novy, wissenschaftlicher Leiter des Paulo Freire Zentrums, der in seinem Beitrag unter anderem die Erfahrungen aus dem Projekt Ungleiche Vielfalt verarbeitet und in Verbindung mit Paulo Freires dialogischem Ansatz bringt.

Die einzelnen Artikel des Journals können in elektronischer Form kostenpflichtig auf der Forschungsplattform Emerald erworben werden.

Lena Bader, Victoria Zotter (2012): „Interdisciplinarity: wishful thinking? Experiences at the University of Graz“



In Anbetracht der Komplexität globaler Prozesse sind sich die Autorinnen über die Notwendigkeit transdisziplinärer Ansätze in Bildung und Forschung einig. Der Beitrag, den Bildungsinstitutionen in der Hinsicht leisten, wird hier aus der Perspektive der Studierenden untersucht. Auch soll Einsicht darüber gewonnen werden, inwieweit e-learning-Technologien (elektronisch unterstütztes Lernen) dabei eine Rolle spielen. Wiederum aus Sicht der Studierenden wird gefragt, ob sie als Verbesserung von Kommunikation und Kooperation zwischen den Studierenden wahrgenommen werden.

Andreas Novy (2012): „Unequal diversity as a knowledge alliance: An encounter of Paulo Freires dialogical approach and transdisciplinarity“

Auf selbstkritische Weise schlägt Andreas Novy praktische Schritte vor, wie gegen Ungleichheit in der Bildung (im Zugang sowie in der Qualität) vorgegangen werden kann. Vor dem Hintergrund der Förderung interkultureller Dialoge im Bildungsbereich stellt er sogenannte „knowledge alliances“ vor, welche dazu dienen sollen, interkulturelle Spannungen zu verstehen und zu überwinden. Bildungstechnologien werden dabei sowohl im Hinblick auf die Vereinfachung von Kommunikation und Verbreitung von Forschungsergebnissen behandelt, als auch hinsichtlich ihrer Rolle in multikulturellen Lebenswelten transnational vernetzter Jugendlicher diskutiert.

Rosa Enn (2012): „Indigenous empowerment through collective learning“

In diesem Beitrag wird beschrieben, wie die indigene Gemeinschaft der Dao in Taiwan der Ausbeutung ökologischer Ressourcen und Umweltverbrechen durch die Atomenergie-Kommission der Regierung und Taipower (Taiwan Power Company) begegnet. Kollektive Lernprozesse machten ihnen diese Menschenrechtsverletzungen bewusst und führten zur Ermächtigung und Vernetzung auf lokaler sowie internationaler Ebene. Rosa Enn zeigt dabei die Notwendigkeit von kollektiven Lernprozessen auf und weist darauf hin, dass trotz ausgebauter Mechanismen zum Schutz indigener Rechte deren Selbstbestimmung und finanzielle Entschädigungen noch keine Selbstverständlichkeiten sind.

Edward Salifu Mahama (2012): „Disability and development: the role of language and e-learning“

Edward Mahama beabsichtigt mit seinem Beitrag, die Lücke wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang zwischen Behinderung und Entwicklung zu füllen. Dabei erläutert er die in- oder exkludierende Rolle von Sprache im Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen im Norden Ghanas. Auch den (unzureichenden) Zugang zu elektronisch unterstütztem Lernen (e-learning) beleuchtet er mithilfe von Interviews. Sprachgebrauch und Umgangsformen, so zeigt sich, entscheiden über die Entwicklung des Einzelnen und der Gemeinschaft; sie können ebenso erbaulich wirken, wie entmutigend.

Gilbert Ahamer (2012): „The jet principle: technologies provide border conditions for global learning“

Gilbert Ahamer untersucht mit dem „jet principle“ die Funktion von e-learning als Verknüpfung verschiedener Wissenschaftskulturen und als Erweiterung für dynamische Lernprozesse. Das „jet principle“ steht dabei als Metapher für die fundamentalen Veränderungen durch elektronische Lehrmethoden. Er verwendet den Begriff in Anlehnung an die Neukonzipierung des Triebwerks in den 1930er Jahren und die damit einhergegangenen revolutionären technischen Erleichterungen durch den Flugverkehr. Konkret wendet er das Prinzip auf das transdisziplinäre Studium der „Global Studies“ der Universität Graz an. Dieses richtet sich mit seinem auf nachhaltige globale Entwicklung fokussierten Ansatz an Studierende mit verschiedenen wissenschaftlichen und kulturellen Hintergründen. Auf dieser Grundlage diskutiert der Autor e-learning als Möglichkeit, einen Raum für diskursive, dialogische und eigenverantwortliche Lernprozesse zu eröffnen.

Die Autorinnen sind Mitarbeiterinnen des Paulo Freire Zentrums. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

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