Forschungsförderung in Österreich: unwürdig und beschämend

Die Delegiertenversammlung des Wissenschaftsfonds hat in ihrer konstituierenden Sitzung am 19. November 2004 eine Resolution an die Bundesregierung adressiert. Der PFZ Monitor dokumentiert.

„Aufgrund der dramatischen Situation betreffend das Budget des Wissenschaftsfonds für das Budgetjahr 2004 (!)“, heißt es in einer Aussendung des Wissenschaftsfonds (FWF), habe die Delegiertenversammlung am 19. November 2004 im Rahmen ihrer konstituierenden Sitzung eine Resolution beschlossen, die die österreichische Bundesregierung auffordere, „diesen den Leistungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft unwürdigen und im internationalen Vergleich beschämenden Zustand ein Ende zu bereiten“. Die gemäß Forschungs- und Technologieförderungsgesetz (FTFG) neu zusammengesetzte Delegiertenversammlung des Wissenschaftsfonds, bestehend aus SpitzenvertreterInnen aller Universitäten und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen habe folgende Resolution beschlossen:



  • Trotz Vorlage eines umfassenden, mehrjährigen Strategie-, Programm-und Finanzierungsplanes seitens des FWF sowie mehrmonatiger Verhandlungen stagniert das dem Wissenschaftsfonds zugesprochene Volumen für Förderungsvergaben für den autonomen Bereich im Jahre 2004 derzeit bei einem Betrag von 82 Mio. EUR. Gegenüber dem Vorjahr wäre das eine unzumutbare Kürzung um 17,5 Mio. EUR.
  • Die Delegiertenversammlung nimmt zur Kenntnis, dass nach wie vor Verhandlungen geführt werden, um diese für die Grundlagenforschung in Österreich bedrohliche Situation abzuwenden. Mit Befremden wird festgestellt, dass im November 2004 für das Budgetjahr 2004 (!) noch immer keine endgültige Budgetzuweisung seitens der Bundesregierung für den Wissenschaftsfonds vorliegt.
  • Diese Unklarheit über die Budgetlage des FWF macht eine große Schwachstelle der Forschungspolitik der Bundesregierung deutlich, nämlich das Fehlen einer mittelfristigen Finanzierungsstrategie. Nach wie vor wird eine kurzfristig orientierte Alimentationspolitik für Wissenschaft und Forschung betrieben. Erforderlich wären aber mittel- und langfristig angelegte Investitionen zur Stärkung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes.
  • Mit der Schaffung der Nationalstiftung wurde zwar eine langfristig angelegte Finanzierungsquelle geschaffen; deren Ausschüttungen sind aber jahresbezogen und daher im Hinblick auf mehrjährige Projekte für die Forschenden unbefriedigend.
  • Ohne Fundament, ohne substanzielle Expansion im Bereich der Grundlagenforschung wird Österreich mit Sicherheit nicht nachhaltig zum Spitzenfeld der wettbewerbsstärksten Standorte in Europa aufschließen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass weitere, hoch qualifizierte ForscherInnen Österreich den Rücken kehren. Der „Brain Drain“ geht weiter!
  • Die Delegiertenversammlung verweist auf den Widerspruch von Schein und Sein, nämlich das Auseinanderklaffen zwischen der verkündeten Schwerpunktsetzung für Forschung und dem tatsächlichen Handeln der Bundesregierung.
  • Erfährt die Finanzsituation des Wissenschaftsfonds nicht umgehend eine Verbesserung, müsste die Vergabesitzung im November abgesagt und bei dem für die anwendungsorientierte Grundlagenforschung eingerichteten Programm die Bewilligungsquote auf 10 % abgesenkt werden. Das bedeutet nicht nur den Mangel einer Schwerpunktsetzung für die Forschung, sondern sogar einen schmerzlichen Rückschlag.
  • Die Delegiertenversammlung fordert deshalb von der Österreichischen Bundesregierung:

o Eine umgehende Zusicherung des Förderungsvolumens für den autonomen Bereich in Höhe von 114 Mio. EUR für das Budget 2004.


o Eine langfristige Finanzierungsstrategie, welche einen konsequenten und nachhaltigen Ausbau der kompetitiven Förderung der Grundlagenforschung über den FWF beinhaltet.


Quelle: FWF

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