Entwicklungsforschung und Volksbildung

Ein Workshop im Vorfeld des Freire-Symposions 2006. Linz: 31.10.2006 10:00-18:00
Uhr.
Forschung wozu?

Forschung ist die Grundlage jeder Bildungsarbeit den Begriff Forschung wollen wir bewusst weit fassen: unter "forschen" verstehen wir nicht nur wissenschaftliches Arbeiten, sondern auch, sich eigenständig Themenbereiche zu erarbeiten bzw. systematisch Wissen zu produzieren. Forschen ist in dem Sinn das aktive Suchen nach Antworten auf Fragen.

Emanzipatorische (Entwicklungs-)Forschung versucht, so genannte "Sachzwänge" zu entlarven. Welche Machtverhältnisse, welche Interessen und Strukturen stehen hinter angeblich notwendigen Privatisierungen, hinter Phänomenen wie "Standortwettbewerb" oder Sozialabbau? Welche Politik wird hier gemacht, welche Auswirkungen hat sie und wessen Interessen werden hier vertreten?

Bildung wozu?

Bildung in Form von Ausbildung ist eine unersetzliche Grundlage dafür, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Darüber hinaus ist Bildung ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Persönlichkeit, zum Verständnis von Kunst und Kultur und zum Verständnis sozialer und politischer Verhältnisse. Sich bilden bedeutet, sich aktiv mit unterschiedlichen Themen, Theorien und Standpunkten auseinanderzusetzen. Bildung ermöglicht, kritisches Denken zu schulen, eigene Überlegungen anzustellen und sich so selbständig ein Urteil zu bilden. Somit kann Bildung davor schützen, sich von Vorurteilen oder Propaganda beeinflussen zu lassen sie macht Lernende zu mündigen Menschen.

Die Fähigkeit, Dinge kritisch zu hinterfragen, lässt auch eigene Handlungsmöglichkeiten und mögliche Alternativen erkennen und befreit so vom Gefühl der eigenen Ohnmacht gegenüber herrschenden Missständen. "Volksbildung" im Speziellen hat eine starke politische Komponente und will Menschen dazu ermuntern, Informationen kritisch gegenüberzustehen und sich gegen Missstände politisch zu engagieren.

(Entwicklungs)Forschung für Volksbildung?

Forschung und Wissenschaft sind also wichtige Grundlagen für Volksbildung und damit in weiterer Folge für die Veränderung von Politik und Gesellschaft. Wie aber werden sie für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht? Wie kann man die Ergebnisse von Wissenschaft und Forschungsarbeit auf konkrete soziale und politische Phänomene umlegen? Welche Handlungsmöglichkeiten ergeben sich aus den erkannten Machtverhältnissen und politischen Strukturen? Wie können konkrete Alternativen ausschauen? Und was kann jede und jeder Einzelne tun, um eine andere Welt möglich zu machen?
Damit dieser Übersetzungsprozess gelingt, braucht es klare Konzepte, wie Forschung bzw. Wissenschaft, Bildungsarbeit und politische Praxis ineinander greifen sollen.

Die oficina

Ziel der oficina ist es, die Organisation und Koordination von Forschungs- und Bildungsprozessen in unterschiedlichen Organisationen bzw. bestimmte Bildungsprojekte von drei Organisationen darzustellen. Ins Auge gefasst werden attac, die Gewerkschaftsschule des ÖGB Oberösterreich und das von der Arbeiterkammer Oberösterreich mitgetragene QUIS-Projektstudium.

Welche Art von "Forschung" wird hier jeweils betrieben, wer forscht, wie wird das unterstützt? Spielen wissenschaftliche Erkenntnisse für die eigene Forschung eine Rolle? Wie werden die Erkenntnisse seien es wissenschaftliche oder selbst erarbeitete – weitergegeben?
Es sollen die jeweiligen Zugänge der drei Organisationen beleuchtet werden. In Arbeitsgruppen soll gemeinsam versucht werden, mögliche Verbesserungspotentiale und Problemlösungen zu entwickeln und natürlich auch voneinander zu lernen. Daraus ergeben sich folgende konkrete Fragen, anhand derer die Organisationen je eine kurze Präsentation erarbeiten und in der oficina präsentieren:

– Wie sind Forschungsprozesse (Wissensproduktionsprozesse) innerhalb der jeweiligen Organisation organisiert, wie sind sie mit anderen Forschungsprozessen vernetzt? Inwieweit spielen gesellschaftsverändernde Zielsetzungen bei der Erstellung der Forschungsvorhaben eine Rolle?

– Wie sind Bildungsprozesse organisiert, an welche Zielgruppe richten sie sich, wie wird methodisch vorgegangen?

– Wie bzw. inwiefern greifen Bildungsprozesse auf Forschungsergebnisse und/oder wissenschaftliche Erkenntnisse zurück bzw. inwieweit sind diese Prozesse ineinander verwoben? Welche Bedeutung hat Forschung für die Bildungsarbeit? Welche Forschung für welche Bildung?

Zeitplan

10.00-10.30h Eröffnung, Begrüßung, Vorstellung

10.30-11.45h Input und Diskussion

– Pia Lichtblau (attac, Mattersburger Kreis): Bildung wozu?
– Johannes Jäger (Mattersburger Kreis): Forschung wozu?

Dies führt zur Fragestellung: Welche Forschung und Bildung brauchen wir?

11.45-12.00h Pause

12.00-13.00h Präsentation der drei Bildungs-Projekte (je 20 Minuten)

13.00-14.30h Mittagspause

14.30-16.00h Arbeitsgruppen

16.00-16.15h Pause

16.15-17.30h Abschließender Input / Zusammenfassung (Johannes Jäger/ Pia Lichtblau) und Diskussion.


Weitere Informationen und das Anmeldeformular finden Sie hier.

Veröffentlicht in Bildungsungerechtigkeit.