Emanzipatorische Bildungsarbeit der ÖIE-Kärnten

Was bedeutet es konkret, wenn von emanzipatorischer Bildungsarbeit die Rede ist? Auf welche Weise und nach welchen Prinzipien wird gearbeitet? Die Kärntner Bildungseinrichtung ÖIE gibt mit ihrem Grundlagenpapier Einblicke in ihr Tätigkeitsfeld. 

Die Österreichische Interessensgemeinschaft für emanzipatorische und entwicklungspolitische Bildung (ÖIE-Kärnten), Teil des Vereins Bündnis für Eine Welt, hat die Grundlagen ihrer entwicklungspolitischen Arbeit zusammengefasst. Das hier gekürzte Grundsatzpapier stellt die Formulierung eines Ziels dar, welches das Handeln der ÖIE-Kärnten als Leitbild begleitet und dessen Annäherung versucht wird.  



Prinzipien regionaler entwicklungspolitischer Bildungsarbeit

ÖIE arbeitet nach den Prinzipien des Globalen Lernens und versteht darunter die Fähigkeit, sich selbst (gemeinsam mit anderen) auf wachsender Komplexitätsstufe in politische Prozesse einzubringen sowie das Erkennen und differenzierte Erfassen von gesellschaftlich bedingten Ungleichheits- und Herrschaftsstrukturen. Angestrebt wird eine (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt und globalen Anliegen. All dies soll das Ergebnis eines offenen Prozesses sein, der auf den lebensgeschichtlichen Erfahrungen und Bedürfnissen der Lernenden beruht.

Das Konzept des Globalen Lernens wird bei den regionalen Tätigkeiten der ÖIE konkretisiert, indem Bildung, Reflexion und die Schaffung von Bewusstsein die primären Ziele aller Aktivitäten darstellen. Die Umsetzung erfolgt über ein regional angepasstes, integrales Arbeitsprogramm bestehend aus den ineinander greifenden Elementen schulischer Bildungsarbeit, Erwachsenenbildung im engeren Sinne, regionaler Öffentlichkeitsarbeit und deren Voraussetzungen, der Netzwerksarbeit und der Weiterentwicklung bzw. Reflexion durch Grundlagenarbeit.

Leitlinien

ÖIE-Kärnten knüpft in ihrer Arbeit an den aus weltweiten Entwicklungen (Globalisierungsprozesse in der Wirtschaft, weltweite ökologische Probleme u.ä.) resultierenden Widersprüchen und Problembereichen, wie sie in den nördlichen Regionen auftreten, an. Dieses inhaltliche Ansetzen an hier im Norden wirksam werdenden Widersprüchen und den hier vorliegenden Interessen zu ihrer Bewältigung mag im ersten Moment als Abweichen von einer Solidarität mit den Menschen in der Dritten Welt erscheinen. Dieser Weg wird aber bewusst gewählt, um aus dem Umfeld der like-minded Personen auszubrechen. Bei einem konventionellen Ansetzen unmittelbar bei den Problemen des Südens besteht die Gefahr, lediglich ähnliche Bewegungen, wie die in den 1980er Jahren entstandenen Solidaritätsbewegungen, oder eine möglicherweise karitativ-paternalistische Gesinnung bei den Menschen zu erreichen. ÖIE-Kärnten hingegen versucht, Entwicklungspolitik als gesellschaftliche Gesamtaufgabe zu verankern.



Arbeit mit den Menschen

Bei Menschen, die auf diese Widersprüche mit Passivität, Resignation, Rückzug und /oder der Suche nach Feindbildern reagieren oder bei Menschen, denen die genannten Probleme noch nicht bewusst sind, soll eine regionale Öffentlichkeitsarbeit und schulische Bildungsarbeit  wirksam werden. Das inhaltliche Konzept hinterfragt auch die im Norden auftretenden Probleme auf ihre weltweite Bedingtheit, zeigt Wirkungen im Süden auf und skizziert Ansätze zur Lösung unter Berücksichtigung der globalen Perspektive.

ÖIE-Kärnten möchte Menschen, die bereits zur Bewältigung der Probleme aktiv geworden sind (etwa in ihrem beruflichen Engagement, als Privatpersonen oder in zivilgesellschaftlichen Gruppen) und mit denen teilweise über Netzwerksarbeit Kontakt besteht, die globale Dimension sofern gegeben sowohl bei den Ursachenbündeln als auch bei den Lösungsstrategien vermitteln.

Eine solche (Erwachsenen-) Bildung ist in dem Sinne emanzipatorisch und den Forderungen Globalen Lernens entsprechend, in dem sie dort ansetzt, wo Menschen sich bereits in politische Prozesse einbringen. Durch Reflexion oder reflektierte Kommunikation wird das Erreichen einer wachsenden Komplexitätsstufe unterstützt und das Erkennen und differenzierte Erfassen von gesellschaftlich bedingten Ungleichheits- und Herrschaftsstrukturen gefördert. Ein solcher Prozess ist nur möglich, wenn die Nähe der entwicklungspolitischen Arbeit zu den Menschen gegeben ist und dies ist die regionale Ebene.

Bildungsarbeit ganz konkret

Ein Prinzip der entwicklungspolitischen (Erwachsenen-) Bildung ist daher, Menschen bei der Bearbeitung gesellschaftlicher Widersprüche zu begleiten. Begleiten heißt allerdings nicht, die Welt zu erklären, sondern in der Reflexion Impulse unterzubringen, woraus sich eine Schleifenbewegung aus Praxis reflektierender Theorie erneuter Praxis erneuter reflektierender Theorie usw. ergibt.

Eine so verstandene regionale emanzipatorische Bildungsarbeit bezieht sich dabei auf Einzelindividuen und Gruppen bis hin zu Netzwerken und Dialogforen (z.B. Klimabündnisarbeitskreise). Die Tätigkeitsfelder einer solchen Bildungswerkstatt umfassen dabei sowohl unterstützende Elemente, wie beispielsweise die Moderation von Sitzungen oder das Vermitteln von Workshops, Ausstellungen u.ä., als auch inhaltliche Maßnahmen, wie Weiterbildungsmöglichkeiten, Veranstaltungen oder Aussendungen. Voraussetzung für all dies ist eine gute Einbindung in regionale politische Gegebenheiten, was persönliche und institutionelle Kontinuität sowie eine entsprechend intensive Vernetzung voraussetzt.


Dieser Text ist gekürzt und leicht verändert von der Website der ÖIE-Kärnten übernommen.

Veröffentlicht in Bildungsungerechtigkeit.