Vom 8.- 12. Mai 2006 veranstaltet die Österreichische
HochschülerInnenschaft (ÖH) eine "Woche der freien Bildung". Bildung
wird in die Öffentlichkeit gebracht. Und keine_uni macht mit.
Ganz entgegen dem Elfenbeinturm-Image der Universitäten, das sich beispielsweise im Diskurs über die Elite-Einrichtung in Maria Gugging manifestiert, wird Bildung vom 8. bis 12. Mai 2006 mitten in die Gesellschaft gebracht. ÖHs in Wien, Graz, Linz und Innsbruck nehmen mit verschiedenen Aktionen teil, bei denen meist Vorlesungen im öffentlichen Raum abgehalten werden: In Wien hält die Bodenkultur die ihren im Türkenschanzpark ab, die TU im Resselpark und sogar in einem eigenen Sonderwagen um den Ring.
Die zu kommunizierenden Forderungen der Veranstalterin ÖH lesen sich wie eine Liste der Zumutungen, die StudentInnen in den vergangenen Jahren hinnehmen mussten:
Für offene Bildung: Gegen Studiengebühren, die soziale Selektion besonders für AlleinerzieherInnen und Berufstätige bedeuten. Kritik an der Elitenbildung (Bildung von Exzellenzinstituten), sowie den Zugangsbeschränkungen, die seit Herbst 2005 an den Universitäten unter anderem für Medizin, Pharmazie, Biologie, BWL und Psychologie gelten.
Für ausreichende Finanzierung von Bildung: Die mit dem Universitätsgesetz 2002 (UG02) verordnete "Autonomie" der Universitäten scheint nicht gerade eine Autonomie im Sinne von (fiskalischer) Unabhängigkeit darzustellen. Vielmehr wird damit eine Vorgangsweise legitimiert, die zuerst die Universitäten strukturell aushungert, damit die dann sich verschärfende Situation auf die Reformunfähigkeit der Institution Universität abgeschoben werden kann, um in einem dritten Schritt die Unis "marktgerecht" zu organisieren. Dem fallen Lehrangebot, Qualität der Lehre und die so genannten "Orchideenfächer" zum Opfer.
Für universitäre Demokratie: Eine weitere unerfreuliche Entwicklung, die seit dem UG02 durchgesetzt wird und gegen die sich die ÖH zur Wehr setzt, ist die Entrechtung von Mittelbau und StudentInnen, welche für eine generelle Verschiebung der Kompetenzen von demokratisch zu monokratisch (Rektor) legitimierten Instanzen an der Universität sorgte. Die Abschaffung der Direktwahl der Fakultäts- und Bundesebene bei der ÖH-Wahl 2005 brachte allerdings nicht das erwartete Ergebnis, regierungsnahe Fraktionen in der ÖH zu stärken, hatte aber eine demokratiepolitisch verheerende Symbolwirkung (erstmalige Beschneidung von direkten Wahlrechten in der Zweiten Republik).
Demokratie nach außen: Das auf den Universitäten erarbeitete Wissen und Know-how sollte für alle Menschen öffentlich zugänglich gemacht werden, anstatt mit Hilfe von Patenten "geistiges Eigentum" wenigen zur Verwertung zur Verfügung zu stellen.
Um solchen Anliegen nicht nur punktuell, sondern mittels beständiger Bildungsarbeit Öffentlichkeit zu verschaffen, haben sich einige StudentInnen letzten Herbst zur emanzipatorischen Bildungsinitiative keine_uni zusammengeschlossen.
Bei keine_uni soll Bildung zur Befreiung werden und zwar für alle: Der Zugang zu den derzeit über 20 verschiedenen Arbeitskreisen, Lesekreisen und Workshops ist unentgeltlich und für alle offen. Vorausgesetzt wird lediglich Offenheit zur Aufdeckung von Rassismen bzw. angeblichen Wahr- und Wirklichkeiten und Bereitschaft zum geschlechter-sensiblen Umgang miteinander. So schaffen die TeilnehmerInnen einen Lebens- und Begegnungsraum zum Lernen abseits der Verwertbarkeitslogik, zur Entwicklung eines emanzipierten Bewusstseins, das zu Eigeninitiative führt und sich nicht von "ExpertInnen", PolitikerInnen und LehrerInnen alles vorgeben lässt. Deshalb gibt es bei keine_uni auch keine Vorgaben, Vorschriften oder "Vorgesetzte": Alles wird gemeinschaftlich erarbeitet und entschieden, ob im Deutschkurs für MigrantInnen, beim Forumtheater, dem revolutionären BastlerInnenkreis, der Jam-Session, der Freistunde:Schulkritik, den gesellschaftskritischen Initiativen zu Kunst, Raum und Geschlechterrollen, dem Sehkreis, dem kein_cafekränzchen …
Entsprechend der Auffassung, dass Bildung und damit Demokratisierung aktiv und konsequent nach außen getragen werden kann, unterstützt keine_uni diese Aktion der ÖHs. Dabei werden sich die AktivistInnen von keine_uni aber keinen Sonderwagen mieten, sondern viele ihrer Initiativen in dieser "Woche der freien Bildung" "live" und direkt in die Straßenbahnen um den Ring verlegen. So watch out!