Bildung für alle?! Herausforderungen in der globalen Entwicklung von Bildung.

Globale Ungleichheiten spiegeln sich auch im Zugang zu Bildung wieder. Bei einem Workshop im C3 präsentierten Fachleute aus Wissenschaft und Forschung Projekte zu globalen Herausforderungen in der internationalen Bildungsentwicklung mit Fallbeispielen aus Pakistan, Äthiopien und Papua Neuguinea.

Gemeinsam mit der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) organisierte das Paulo Freire Zentrum am 10. Dezember 2018 einen Workshop für Wissenschaftler*innen und praktizierende Forscher*innen zum Thema „Raising the levels of literacy – challenges in educational development globally” (dt.: Die Alphabetisierungsrate anheben – Herausforderungen in der globalen Bildungsentwicklung). Der Workshop bot Raum für Austausch von Wissenschafter*innen, die zum Thema arbeiten. Susana Melo (unabhängige Forscherin) und Thomas Muhr (Universität Nottingham), Stephanie Bengtsson (IIEP – UNESCO), Margarita Langthaler (ÖFSE) und Peter Pober-Lawatsch (Horizont3000) stellten ihre Forschungsarbeiten und Überlegungen vor, die im Anschluß gemeinsam diskutiert wurden. Gerald Faschingeder (Paulo Freire Zentrum) führte durch den Workshop.

Handlungsbedarf im Bildungssektor weltweit.

Die präsentierten Projekte umfassten „Erklärungsversuche für das Fortbestehen einer niedrigen Alphabetisierungsrate von Erwachsenen in Pakistan“, „Alphabetisierungsraten für Erwachsene und Flüchtlingsbildung in Äthiopien“, „Berufsbildung und Industrialisierung im Oman“, sowie „Chancen und Herausforderungen für technische Unterstützung von Schulverwaltungen in Papua Neuguinea“. Die Heterogenität der Projekte und die unterschiedlichen geografischen Schwerpunkte der einzelnen Forschungsarbeiten zeigten die globale Relevanz des Themas sowie den Handlungsbedarf im Bildungsbereich auf. In einem Punkt waren sich alle Anwesenden einig: Der Zugang zu Bildung und deren Qualität müssen, gemäß des 4. Ziels für nachhaltige Entwicklung (SDG4), weltweit verbessert werden.

Dezentralisierte Verwaltung statt global governance in Pakistan.

Nach einer kurzen Erklärung der Idee des Workshops von Gerald Faschingeder und einer Vorstellungsrunde aller Teilnehmer*innen ergriffen Thomas Muhr und Susana Melo das Wort. Sie fassten die Ergebnisse ihres Projekts in Pakistan zusammen. Sie untersuchten die Ursachen für die anhaltenden Analphabetisierungsraten bei Erwachsenen in Pakistan und stellten die Frage, weshalb diese trotz staatlicher Bemühungen bisher nicht signifikant reduziert werden konnten. Einen wesentlichen Grund hierfür sahen Muhr und Melo in der globalen Steuerung des Bildungswesens in Pakistan. Muhr betonte in diesem Zusammenhang, dass zwischen Bildungsansätzen und deren Verwaltung auf lokaler und globaler Ebene unterschieden werden müsse. Sogenannte global governance (dt.: globale Regierungsführung) sei kein idealer Ansatz in der Etablierung nachhaltiger Bildung. Förderlich seien beispielsweise eine dezentralisierte Verwaltung des Bildungssystems, Public Private Partnerships (PPP) (dt.: öffentlich, private Partnerschaften), sowie die Zusammenarbeit mit lokalen, unabhängigen Nichtregierungsorganisationen.

Bildung für Geflüchtete als Integrationsstrategie Äthiopiens.

Stephanie Bengtsson wirkte in einem Pilotprojekt des International Institute for Educational Planning (IIEP) und Educational Development Trust (EDP) in Äthiopien mit. Das von multilateralen Akteur*innen durchgeführte Programm widmete sich der Frage, welche Umsetzungsstrategien und Herangehensweisen von Lehrenden in der Arbeit mit Geflüchteten existieren und ob, beziehungsweise wie, sie diese Erfolge erzielen. Äthiopien beheimatet aktuell die höchste Anzahl an Geflüchteten auf dem afrikanischen Kontinent. Die Regierung versucht mit Hilfe des Umfassenden Rahmenplans für Flüchtlingsmaßnahmen (CRRF) des UNHCR (Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen) Geflüchtete in die Gesellschaft zu integrieren. Im Rahmen der Forschung wurden erhebliche regionale Unterschiede des Bildungsstandes der Geflüchteten festgestellt, was einen homogenen Bildungsansatz unmöglich macht. Sprachliche Diskrepanzen sind in diesem Zusammenhang nur eine von mehreren Hürden. Es stellte sich heraus, dass sich die Bildungsbedürfnisse der geflüchteten Menschen sehr unterscheiden und im Bezug darauf weitere poltische Maßnahmen notwendig sein werden. Trotzdem sei Äthiopien ein Positivbeispiel für ein internationales und multilateral getragenes Integrations- und Bildungsprojekt.

Grassroot-Ansätz im Bildungssektor in Papua Neuguinea.

Zum Abschluss stellte Peter Pober-Lawatsch ein Entwicklungsprojekt der österreichischen Nichtregierungsorganisation Horizont3000 vor. Das Projekt zielt auf den Bildungssektor Papua Neuguineas ab. Es werde versucht, die Verwaltungs- und Finanzprozesse von Bildungseinrichtungen und Bildungsorganisationen zu verbessern. Hierfür setze Horizont3000 auf die Ausbildung von Verwaltungs- und Lehrpersonal, um die Kontrolle des Sektors auf lokaler Ebene zu belassen und eine Grassroot (dt.: Graswurzel) Strategie zu etablieren. Im Fokus stehe hierbei die Gemeinde- und Schuldirektion. Horizont3000 würde außerdem zwischen lokalen Institutionen, der Regierung, der Zivilgesellschaft, internationalen Partnern, Organisationen und Programmen vermitteln.

Unterschiedliche Bildungsbegriffe.

Allen Präsentationen lag ein ähnlicher Gedanke zu Grunde: Was unter Bildung verstanden wird, muss lokal unterschieden werden, der Zugang und die Sicherstellung der Qualität von Bildung müsse aber ein globales Ziel sein. Die internationale Gemeinschaft engagiert sich für die Erfüllung des 4. Ziels für nachhaltige Entwicklung und unterstützt auf Regierungs- und lokaler Ebene Länder, in denen es noch keine Garantie für ein funktionierenden Bildungssektor und dessen nachhaltige Arbeit gibt. Der im Workshop gewährleistete Austausch bot forschenden Akteur*innen die Möglichkeit Fortschritte, Rückschläge und unterschiedliche Herangehensweisen an die globale Bildungsentwicklung zu reflektieren und zu diskutieren.

 


Weiterführende Links:

Umfassender Rahmenplan für Flüchtlingshilfemaßnahmen des UNHCR

Alphabetisierungsraten für Erwachsene und Flüchtlingsbildung in Äthiopien


 

Veröffentlicht in Bildungsungerechtigkeit.