Association Relais – Ein Bildungsprojekt in Mali

Mit der Schaffung eines neuen Bildungszentrums leistet Mamoutou Soumaré einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des malischen Schulwesens. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der LehrerInnenausbildung. Nur so können nachhaltig Gestaltungs- und Zugangsmöglichkeiten in Mali ausgebaut werden.

Mali gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Schwierige ökonomische Verhältnisse und eine galoppierende demographische Entwicklung prägen den afrikanischen Staat, unter dessen BewohnerInnen mehr als 50% jünger als 15 Jahre sind. Für viele davon gibt es wenig Hoffnung auf eine Ausbildung. Nur 28% der Männer und 19% der Frauen sind alphabetisiert, 80% der Beschäftigungsverhältnisse sind dem informellen Sektor zuzuschreiben. Es fehlt an einer verantwortungsbewussten und zukunftsorientierten Politik, die beim Schulsystem ansetzt, um die Lebensbedingungen für alle zu verbessern. Die öffentliche Hand verfügt über viel zu wenig Geld und Ressourcen, um eine flächendeckende für alle Kinder zugängliche schulische Infrastruktur zu schaffen. In vielen öffentlichen Schulen unterrichten aufgrund der mangelhaften LehrerInnenausbildung Menschen ohne jegliche pädagogische Ausbildung. Neben den öffentlichen Schulen gibt es sogenannte gemeinschaftliche Schulen, die von privaten TrägerInnen gegründet wurden, um die Mängel des Staates auszugleichen. Die Auswahl der Lehrenden in diesen écoles communautaires erfolgt sehr intransparent und obwohl diese Schulen kostenpflichtig sind, herrscht auch hier ein Mangel an pädagogischen Kräften. Deshalb sind es nicht selten Eltern oder sonstige Bekannte ohne Ausbildung, die unterrichten. Korruption oder Fördergeber aus dem Ausland, die bestimmte Konditionen verlangen, tragen zusätzlich dazu bei, dass die Interessen der ohnehin benachteiligten Bevölkerung kaum berücksichtigt werden und im Bildungssystem oft eine Logik verfolgt wird, die nicht an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist.



Hoffnungsschimmer Association Relais

Vor diesem Hintergrund wurde 1992 von jungen diplomierten PädagogInnen die Association Relais gegründet mit dem Ziel, Bildung und spezifische Ausbildung verschiedenen Gruppen zugänglich und möglich zu machen. Mamoutou Soumaré, seit vielen Jahren im Bildungsbereich tätig, ist der Präsident der Initiative. Er ist es, der die pädagogischen Richtlinien vorgibt, das didaktische Material konzipiert und die Lehrenden ausbildet. Die Vereinigung bemüht sich vor allem um das Schicksal der Jugendlichen in Bamako, die in den informellen Sektor abgerutscht sind. Ihnen soll im Bildungssystem eine letzte Chance eingeräumt und somit ein sinnvolles und sicheres Leben ermöglicht werden. Dafür muss erst das Bewusstsein geschaffen werden, dass diese jungen Menschen durchaus ihre Entwicklung und ihre Umgebung mitgestalten und beeinflussen können. Ein weiteres wichtiges Anliegen der Association Relais sind Mädchen und Frauen, denen mittels beruflicher Ausbildung und Mikrokrediten Unabhängigkeit ermöglicht werden soll. Die Association Relais versteht sich als Parallele zur nationalen Bildungspolitik, arbeitet aber mit sehr lokalen Initiativen zusammen, wodurch sie eine Brückenfunktion einnimmt. Durch Basisbildung wie Alphabetisierung oder fundierte berufliche Ausbildung haben hunderte von Menschen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) in der Zeit von 1992 bis 2008 bereits die angebotenen Abendkurse besucht und somit ihre Chancen am Arbeitsmarkt und ihr persönliches Fortkommen erheblich verbessern können.



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Zukunftsaussichten

Das Projekt finanziert sich einerseits durch von den SchülerInnen entrichtete Gebühren, andererseits durch fördergebende Organisationen wie die Cooperation Francaise, die UNESCO Paris und die Fondation Orange France.

Als nächsten Schritt möchte die Relais ein Zentrum schaffen, das die pädagogische Perfektionierung der Lehrenden in den écoles communautaires zum Ziel hat. Deren pädagogische Mittel und didaktische Materialien sollen weiterentwickelt und ihre Kapazitäten gestärkt werden. Außerdem werden Kurse für StudentInnen der Bildungswissenschaften geschaffen. In weiterer Folge soll dieses Zentrum Jugendlichen, die eine Ausbildung zum Lehrenden anstreben, Raum schaffen und ihre Ziele unterstützen.

Neues Schulverständnis



Die Idee, die hinter dem Wort Schule steckt, muss in der gesamten Gesellschaft neu Fuß fassen, so die Ansicht der Association. Lehrende müssen jedeN LernendeN mit seinen/ihren Eigenschaften und Eigenheiten verstehen und ihn/sie darin fördern. Das ist in einem Land wie Mali, in dem über 20 verschiedene ethnische Gruppierungen beheimatet sind, besonders wichtig. Angestrebt und gefördert wird auch die Zusammenarbeit des Bildungssektors mit anderen Bereichen der Gesellschaft. Denn Schule ist der beste Ort um Akzeptanz zwischen Einzelnen zu schaffen. Um diese Idee zu verwirklichen, möchte das Zentrum vor allem bei den Lehrenden ansetzen und ihnen die richtigen Methoden vermitteln.

Das Gebäude soll auf einem Grundstück in Zougoumé entstehen, ein Vorort von Bamako, 15 km vom Zentrum der Stadt entfernt. Bleibt noch eine wichtige Frage offen, nämlich die der Kosten. Die Association Relais kann zum jetzigen Zeitpunkt genau 18% der kalkulierten Kosten decken. Im März 2011 ist Baustart und spätestens zu diesem Zeitpunkt sollen auch alle finanziellen Zuwendungen und Förderungen bereitstehen.

Wenn das Zentrum erst einmal besteht, wird es fünf Tage die Woche geöffnet sein und sechs Stunden Unterricht pro Tag stattfinden. Die Lehrenden profitieren von der umfangreichen Ausbildung durch Mamoutou Soumaré und garantieren somit einen gewinnbringenden und produktiven Unterricht. Das Zentrum zögert aber nicht auf noch bestehende Mängel hinzuweisen und lässt uns wissen, dass es noch Bedarf an ExpertInnen hat. Gebraucht wird noch eine Person für den Kommunikationsbereich, die die Öffentlichkeitsarbeit koordiniert sowie eine pädagogische Fachperson für didaktische Fragen und eine Lehrkraft, die die ersten Monate unterstützend mitarbeitet.

Zum Originaltext auf Französisch: Association Relais.pdf  (453.23 KB) 



Die Autorin studiert Politikwissenschaften an der Universität Wien.

Veröffentlicht in Bildungsungerechtigkeit.