Yo sí puedo! Die Bildungsagenda der ALBA-TCP

Zeit: Montag, 21. Oktober 2013, 18.00 Uhr

Ort: Alois Wagner Saal im C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, 1090 Wien

Diskussionsveranstaltung mit Thomas Muhr (Universität Linz) und Daniel Görgl (Universität Wien)

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Hintergrund

Im Rahmen der Bolivarianischen Allianz für Lateinamerika (ALBA) wird neben anderen Politikfeldern auch im Bereich Bildung nach Zusammenarbeit gesucht. Aus einem 2004 zwischen Venezuela und Kuba unterzeichneten Kooperationsvertrag entstanden, wurde ALBA 2006 durch den Beitritt Boliviens um den Tratado de Commercio de los Pueblos (TCP), den „Handelsvertrag der Völker“ ergänzt und heißt nun mit ganzen Namen ALBA-TCP (Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América – Tratado de Comercio de los Pueblos). Damit sollte eine Fair-Trade Alternative zu den bisherigen Freihandelsverträgen geschaffen werden. Heute gehören acht lateinamerikanische Staaten der ALBA an.

Ein integraler Teil der regionalen Zusammenarbeit der ALBA-Gemeinschaft ist der Bildungsbereich, als dessen Ziel formuliert wurde: „Develop a humanistic, critical and socially inclusive education through training processes, intellectual creation and social connections which are consubstantial with the needs and cultural diversity of our peoples and also with the promotion of a multi-polar world.“ (https://www.alba-tcp.org/en/contenido/alba-education).

Ziele der Veranstaltung

Diese Agenda gilt es im Rahmen der Veranstaltung vorzustellen und kritisch zu diskutieren. Kann aus der ALBA-Initiative etwas für den Norden oder für andere Regionen des Südens gelernt werden? Eingegangen wird dabei zunächst auf das Beispiel Nicaragua: Im Rahmen der ALBA-TCP hat das Bildungsprogramm „Yo sí puedo“ („Ja, ich kann“) interregionale Verbreitung gefunden. War es zunächst eine kubanische Entwicklung, so wurde das Programm nach und nach in Nicaragua, Bolivien und in weiteren 18 karibischen und lateinamerikanischen Länder durchgeführt. In der zweiten Amtszeit von Präsident Daniel Ortega wurden ab 2006 an die 125.000 NicaraguanerInnen alphabetisiert. Galten 2005 noch 23,2% der Bevölkerung als AnalphabetInnen, so hat die UNECO Nicaragua 2009 für „frei vom Analphabetismus“ erklärt.

Ein ebenfalls interessantes Beispiel stellt der Andenstaat Bolivien dar. 2001 waren noch 13,3% der Bevölkerung AnalphabetInnen; 2008 wurde der Analphabetismus für überwunden erklärt. Auch dort gelang dies mit dem Bildungsprogramm „Yo sí puedo„. Innerhalb von drei Jahren nahmen 820.000 BolivianerInnen das Angebot in Anspruch, in Kleingruppen und unterstützt durch audio-visuelle Techniken Lesen und Schreiben zu lernen. Finanziert wurde das Programm von Venezuela, während Kuba die methodischen Erfahrungen der kubanischen Bildungskampagne der 1960er Jahre sowie etwa 200 BeraterInnen zur Verfügung stellte.

Hier zeigt sich die Bedeutung der Kooperation innerhalb der ALBA-Staaten. Die Veranstaltung wird weniger die methodischen Aspekte der Alphabetisierungskampagnen beleuchten, als vielmehr die sozialen Kontexte, in denen solche Programme erfolgreich laufen können. Es soll darüber nachgedacht werden, was von den lateinamerikanischen Beispielen für die Bildungsdiskussion in Europa gelernt werden kann und welche Konsequenzen demnach für die globale Bildungsdebatte wünschenswert wären (z.B. im Rahmen der Millennium Development Goals, Education for All Goals oder der Global Campaign for Education).

Der Referent

Thomas Muhr beschäftigt sich mit den Themen Globalisierung, Politökonomie, internationale Entwicklung, Demokratie, Recht, Sicherheit und Bildung mit Fokus auf Lateinamerika und die Karibik und dessen internationale und globale Beziehungen. Er ist Autor des Buches „Venezuela and the ALBA: Counter-Hegemony, Geographies of Integration and Development, and Higher Education For All“ und Mitwirkender von „Counter-Globalization and Socialism in the 21st Century: The Bolivarian Alliance for the Peoples of Our America“. In den letzten 20 Jahren hat Thomas Muhr als Lehrer, Forscher, Vortragender und Berater zum Thema Lateinamerika und Europa gearbeitet. Er ist Mitglied des International Academic Board of Poetics of Resistance. Zur Zeit lehrt er am Institut für Soziologie der Universität Linz. 

Eine Veranstaltung des Paulo Freire Zentrums in Kooperation mit dem Institut für Internationale Entwicklung und der Dreikönigsaktion.

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Veröffentlicht in Bildungsungerechtigkeit, Aktivitäten.