Von Hainburg bis zur dritten Piste – Kämpfe ums Klima in Österreich.

Die Kämpfe um Zwentendorf und aktuelle Widerstände gegen die dritte Piste rahmen den Einsatz für Klimagerechtigkeit in Österreich historisch ein. Die Auftaktveranstaltung der Reihe „Kämpfe ums Klima“ thematisierte das Gestern, Heute und Morgen österreichischer Ökologiebewegungen.

„Kämpfe ums Klima!“ – Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe.

Noch bis Dezember lädt die soziale Bewegung „System Change, not Climate Change“ (SCNCC) zur Veranstaltungsreihe „Kämpfe ums Klima! Brennpunkte sozial-ökologischen Wandels“ ein. An sechs Terminen wird mit VertreterInnen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft über Klimawandel und Klimagerechtigkeit diskutiert.

Unter dem Motto „Von Hainburg bis zur dritten Piste“ fand am 10. Oktober 2017 die Auftaktveranstaltung im Neuen Institutsgebäude der Universität Wien statt.

Der freie Journalist Peter Krobath hieß die über 50 Interessierten im Publikum willkommen und moderierte die Diskussion mit den vier AkteurInnen historischer und aktueller Klimakämpfe in Österreich. Die Kämpfe gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf, die Bewegungen gegen das Wasserkraftwerk in Hainburg und die aktuellen Bewegungen gegen das Murkraftwerk und gegen die dritte Piste am Wiener Flughafen bildeten die Schwerpunkte der Diskussion.

Zwentendorf: „Damals gewann die Basis gegen das System“.

Peter Weish vom Forum Wissenschaft und Umwelt ist seit vielen Jahren in Ökobewegungen in Österreich vertreten. Er erinnerte sich zurück an die 1960er und 70er Jahre, wo Kraftwerke eher positiv betrachtet wurden und „saubere Atomkraft“ angesehen war. Der Aktivismus rund um das Kernkraftwerk in Zwentendorf in den 1970er Jahren wird heute als Anbeginn der österreichischen Ökobewegungen gesehen. Das Kernkraftwerk wurde, unter anderem als Folge einer Volksabstimmung, nie in Betrieb genommen. Das Interesse am Mitwirken wurde durch die damalige Volksabstimmung erhöht und bildete eine bedeutende Grundlage für die Mobilisierung von Menschen. „Damals gewann die Basis gegen das System“ stellt Weish rückblickend fest. Jedoch, so erklärte der Aktivist weiter, brauche der Erfolg, damals wie heute, Mut. Basisdemokratische Gruppen, Kritik und Infragestellung von ExpertInnenverheißungen bildeten diese mutige Basisbewegung gegen das AKW Zwentendorf, erklärte er auf die Frage wie Mobilisierung, insbesondere in Anbetracht damals fehlender elektronischer Kommunikationskanäle, stattfand. Neben früheren Methoden, wie Kettenbriefen und Tür-zu-Tür Kommunikation zählte Weish engagierte Vernetzung und Austausch zu den bedeutenden Mitteln der Mobilisierung, die bis heute wichtig seien.

Hainburger Au: „Der Weg ist das Ziel“.

 Als zweiter Redner widmete sich auch Wolfgang Rehm als Vertreter des „Virus Umweltbureaus“ der Bewegung rund um das Kernkraftwerk in Zwentendorf sowie seinen persönlichen Erfahrungen in der Besetzung der Hainburger Au. Rehm erläuterte, dass zur Zwentendorf-Zeit klar wurde, dass Atomkraft „out“ sei und daher eine Alternative geschaffen werden musste. Daher sei der Mythos um Energie mit der Propaganda um Wasserkraft neu aufgeladen worden. Durch die damalige Besetzung der Hainburger Au wurde das geplante Wasserkraftwerk nie erbaut. Tatsächlich, so Rehm, wurde die Anzahl an Wasserkraft von 1955 in 1995 in Österreich jedoch auch nach den Erfolgen in Hainburg verfünffacht. Die gelungenen Bewegungen von Zwentendorf und Hainburg sehe er nicht als Erfolgsrezept für neue Ökobewegungen, jedoch erachte er eine vorantreibende „Der Weg ist das Ziel“-Mentalität im Umweltaktivismus weiterhin als wichtig.

Murkraftwerk: „Ein absolutes No-Go Projekt“.

Anna Guter war als Aktivistin der „Rettet die Mur“-Bewegung und Teilnehmerin des Murcamps gegen den Kraftwerkbau am Podium. Sie sehe den Bau des dortigen Wasserkraftwerks, einhergehend mit Rodungen und Grabungen, als „ein absolutes No-Go Projekt“. Besonders das bestehende Murcamp sei derzeit im aktiven Einsatz gegen die Rodung von tausenden Bäumen. Einen Fokus sehe die Bewegung in den Tagen nach der Nationalratswahl, rund um den 16. Oktober, da politische Entscheidungen die Zukunft der Mur und der Stadt Graz prägten, so Guter. Daher rief die Aktivistin zu vermehrter Unterstützung auf.

Die dritte Piste: „Das klimaschädigenste Bauprojekt Österreichs“.

Mira Kapfinger vertrat die VeranstalterInnenorganisation System Change, not Climate Change. Ein Kernthema der Bewegung sei der globale Flugverkehr und der lokale Widerstand gegen die dritte Piste am Flughafen Wien Schwechat. Kapfinger erklärte, dass SCNCC in der Bekämpfung des Klimawandels beim System ansetzen wolle. Sie beschreibt das Bauvorhaben der dritten Piste als „das klimaschädigenste Bauprojekt Österreichs“. Der Klimawandel zeige die Vernetzung der Welt, nicht nur in der Symbolkraft des Flugverkehrs, sondern auch in der Tatsache, dass jene Länder, die am wenigsten zu klimabedingten Problemen beitragen, sehr schnell unter den Folgen leiden und wenig Solidarität erfahren. Im ersten Gesetzesentwurf, im Februar 2017, wurde die dritte Piste verboten. Kapfinger sah dies als historisches Urteil, welches jedoch später gekippt wurde. Zu den geschichtlichen Ereignissen des Klimakampfes in Österreich sagt sie, dass diese historischen Erfolge wichtig seien und für sie als Aktivistin motivierend, für jetzt und in Zukunft.

„Wie kann ich aktiv werden?“

Der Aufruf der PodiumsteilnehmerInnen zu Mobilisierung und Aktivismus leitet die Abschlussdiskussion mit dem Publikum ein. Wie Mobilisierung stattfinden kann und wie Bewegungen gestärkt werden, war zentraler Bestandteil. Auch an den weiteren Veranstaltungsabenden der Reihe kann sich das Publikum in die Podiumsdiskussion einbringen und gemeinsam über die Frage „Wie kann ich aktiv werden?“ diskutieren.

Die Autorin ist Mitglied im Redaktionsteam des Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


 

Weiterführende Links:

– Link der Veranstaltungsreihe:

https://systemchange-not-climatechange.at/de/kaempfe-ums-klima/

– Homepage des Forum Wissenschaft und Umwelt:

https://www.fwu.at/

-Buchempfehlung durch Peter Weish, zur Geschichte von Ökologiebewegungen:

https://www.chbeck.de/radkau-aera-oekologie/product/865351

– Homepage des VIRUS Umweltbureaus (derzeit im Umbau):

https://virus.wuk.at/

– Homepage des Murcamps:

https://www.murcamp.at/

-Mobilisierung im Widerstand gegen die dritte Piste, eine Empfehlung von Mira Kapfinger (SCNCC):

https://drittepiste.org/

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