Welche nationalen Handlungsmöglichkeiten gibt es zur Umsetzung einer globalen Nachhaltigkeit? Und welche Herausforderungen stellen sich dabei? Zur Diskussion dieser Fragen lud das „Austrian Chapter des Club of Rome“ am 12. Oktober 2016.
Die Veranstaltung fand in der Österreichischen Nationalbank statt und widmete sich insbesondere den Klima- und Entwicklungszielen. In den Begrüßungsworten von Peter Mooslechner (Österreichische Nationalbank, Club of Rome) machte dieser deutlich, dass mit den nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) und dem Weltklimaabkommen konkrete Rahmenbedingungen festgelegt wurden, die nun vom Papier in die Realität umgesetzt werden müssten – keine einfache Aufgabe.
Welche nationalen Handlungsmöglichkeiten es zur Umsetzung der SDGs und des Weltklimaabkommens gibt, legte Dirk Messner (Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik und Ko-Vorsitzender des Beirats für Globale Umweltfragen der deutschen Bundesregierung) in seinem anschließenden Vortrag dar. Am Ende wurde in einer Podiums- und Publikumsdiskussion darüber diskutiert, wie globale Nachhaltigkeit in Österreich umgesetzt werden kann.
Nachhaltige Entwicklungsziele und Weltklimaabkommen – Zwei Säulen eines globalen Gesellschaftsvertrags.
Zu Beginn seines Vortrags stellte Herr Messner seine „Leseart“ der SDGs vor: Wie bei den Millennium Development Goals (MDGs) sei auch bei den nachhaltigen Entwicklungszielen die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit – insbesondere in Ländern des globalen Südens – weiterhin wichtig. Gleichzeitig betonte er aber, dass es sich nun um eine universelle Agenda handele, die durch globale Kooperationen, aber auch im Rahmen der nationalen Politik in Ländern des globalen Südens wie Nordens umgesetzt werden müsse. Dabei müsse der bisherige Fokus auf Wachstum durch eine Wohlstandsperspektive ersetzt werden, die einerseits Wachstum nur innerhalb der planetaren Grenzen des Erdsystems sowie soziale Aspekte (wie zum Beispiel der Zugang zu Bildung und Gesundheit) berücksichtigt.
Messner meinte außerdem, dass die SDGs nicht als „Strichliste zum Abhaken“, sondern ganzheitlich und in Verbindung mit dem Klimaabkommen gesehen werden müssten, als zwei zentrale Säulen eines neuen globalen Gesellschaftsvertrags. Dabei könne die Umsetzung beider Ziele nicht alleine durch Technologien erreicht werden, sondern bedürfe einer weitreichenden Transformation von der Industrie- hin zu einer Nachhaltigkeitsgesellschaft. Ein zentrales Element sei dabei die drastische Verringerung von Treibhausgasemissionen, beispielsweise durch den Ausbau erneuerbarer Energien. Denn die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal +2° Celsius erfordere, dass die Kohlenstoffdioxid-Emission bis spätestens 2070 auf null abgesenkt werden müsse. Deshalb sei eine massive und schnelle Veränderung unerlässlich – hier appellierte Messner an eine zügige Weichenstellung von EntscheidungsträgerInnen.
Gegentransformation berücksichtigen.
Entgegengesetzt zu einer nachhaltigen globalen Veränderung sah der Vortragende ein wesentliches Problem darin, dass in Europa derzeit eine Gegentransformation beobachtbar sei: Eine Radikalisierung des politischen Systems in Form nationalistischer, autoritärer Dynamiken gemäß dem Gedanken „our country first (dt.: unser Land zuerst)“. Dahinter stehe, so Messner, vor allem Unsicherheit und die Angst vor Fremden, einem sozialen Abstieg und Kontrollverlust. Messner vertrat die Ansicht, dass diese Gegentransformation unbedingt berücksichtig werden müsse. Das impliziere, dass ökologische und soziale Nachhaltigkeit zusammengedacht werden müssten, um die Nachhaltigkeitstransformation als Modernisierungs-, Gerechtigkeits- und Friedensprojekt zu gestalten.
Umsetzung von Klima- und nachhaltigen Entwicklungszielen in Österreich.
In der anschließenden Diskussion mit Dirk Messner, Angela Köppl (Wirtschaftsforschungsinstitut Wien), Friedrich Hinterberger (Sustainable Europe Research Institute Wien) und Erich Fenninger (Österreichische Volkshilfe), moderiert von Sigrid Stagl, waren sich alle DiskutantInnen darin einig, dass globale Nachhaltigkeit nationale Aktionen bedürfe.
Hinterberger befand eine Bestandsaufnahme darüber, wie nachhaltig Österreich derzeit ist, als wichtig. Fenniger fügte hinzu, dass als Grundlage der Gegentransformation in Österreich die extreme Ungleichheit zwischen Arm und Reich zu sehen sei, die nur durch Chancengleichheit bekämpft werden könne. Daran anschließend merkte ein Veranstaltungsteilnehmer an, dass die verständliche Information für BürgerInnen über die Klima- und nachhaltigen Entwicklungsziele in Österreich ausgebaut werden müsse, um eine breite Bevölkerung für deren Umsetzung zu gewinnen. Auch Angela Köppl unterstrich die Relevanz politischen Handelns für die Entscheidungen von Privatpersonen und Unternehmen.
Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung hatten die etwa 80 TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich bei Erfrischungen informell auszutauschen.
Die Autorin ist Mitglied im Redaktionsteam des Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at
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Veranstalter: Austrian Chapter of Club of Rome