Zunehmend werden die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise auf unsere Umwelt, Gesellschaften und Wirtschaften spürbar. Um innovative Lösungen im Kampf gegen die Klimakrise zu entwickeln, kann eine Zusammenarbeit zwischen Klimaaktivist*innen, entwicklungspolitischen Organisationen und der Zivilgesellschaft von entscheidender Bedeutung sein. Welche gemeinsamen Aktivitäten im Kampf gegen die Klimakrise sind denkbar? Dieser Beitrag basiert auf dem Vernetzungsworkshop „Globaler Aktivismus in Zeiten der Klimakrise“ am 23. Jänner 2024 im Centrum für Internationale Entwicklung (C3) in Wien und wurde auf der Website des VIDC veröffentlicht.
Ziel war es, Klimaaktivist*innen, entwicklungspolitische NGOs und afrikanische Diaspora miteinander in Kontakt zu bringen, um sich zu Erfolgen und Herausforderungen auszutauschen, voneinander zu lernen und Möglichkeiten für zukünftige Kooperationen zu erkunden. Der Workshop wurde durch das Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) in Kooperation mit der AG Globale Verantwortung veranstaltet und von Téclaire Ngo Tam von Südwind moderiert. Dabei sollte ein globaler Aktivismus in Zeiten der Klimakrise mit der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) zusammengedacht werden, der aktuell oft noch in einer traditionellen Geber*innen- und Nehmer*innen-Rolle des Globalen Nordens und Globalen Südens verankert bleibt. Ein weiteres Thema stellte die fehlende Sichtbarkeit von Aktivitäten der afrikanischen Diaspora dar.
Caritas im Wandel.
Silvia Holzer von Caritas Österreich berichtete, dass ihre Agenda und somit die Inhalte der transnationalen Tätigkeiten von Caritas von den Bedürfnissen ihrer Partner*innenorganisationen im Globalen Süden abhängig sind. Für 2025 sind außerdem Klimathemen als ein Schwerpunkt in der Caritas Strategie vorgesehen, wobei sie vor allem im Bereich des Klimamainstreamings aktiv sein wollen. Da Caritas Österreich keine dezidierte Umweltorganisation ist, werde oftmals diskutiert, ob Themen im Zusammenhang mit der Klimakrise überhaupt von ihr aufgegriffen werden sollen. Silvia Holzer sagte hierzu jedoch, dass es durchaus die Aufgabe der Caritas ist, besonders auf die sozialen Auswirkungen der Klimakrise aufmerksam zu machen und diese zu bearbeiten. Beispiele sind die humanitäre Arbeit und die Unterstützung bei Anpassungsmaßnahmen durch die Caritas.
Afrikanische Diaspora im Klimaschutz.
Youssouf Diakité erzählte in seinem Beitrag vom African Diaspora Youth Forum Europe, bei dem Klimathemen an Bedeutung gewonnen haben. Als Beispiel erwähnte Youssouf Diakité das „One-Forest-Youth-Forum“. Das von Frankreich finanzierte Freiwilligen-Programm wird unter anderem in Gabun und der DR Kongo umgesetzt. Es soll jungen Menschen ermöglicht werden, sich über die Klimakrise und die mit ihr verbundenen Problematiken zu informieren und mehr über nachhaltige Waldnutzung lernen.
Einen zentralen Aspekt stellte die Sichtbarkeit der Aktivitäten der afrikanischen Diaspora dar. Oft werden diese nicht als Teil der europäischen Klimabewegung wahrgenommen. Youssouf Diakité betonte, wie wichtig es wäre, dass alle Länder mit der jeweiligen Diaspora zusammenarbeiten und es zu Wissensaustausch und einem gegenseitigen Lernen kommt. Diaspora sollte auch bei den COPs vertreten sein.
Lessons learned (dt.: Gewonnene Erkenntnisse) von der COP28.
Als Jugenddelegierte bei der UN-Klimakonferenz 2023 (COP28) berichtete Jasmin Lang zu einem der wichtigsten Beschlüsse der Konferenz, dem „loss and damage fund“. Länder des Globalen Nordens, darunter Österreich, verpflichteten sich dazu in diesen Fonds Geld einzuzahlen, um in Ländern des Globalen Südens Schäden und Verluste zu kompensieren. Dieser Beschluss wurde als großer Erfolg auch in Hinblick auf Klimagerechtigkeit gefeiert, wirft aber viele Fragen auf. Aktuell wurde noch kein Geld ausgezahlt. Die Kontrolle liegt bei der Weltbank und die Schwelle für Akteur*innen des Globalen Südens, auf dieses Geld zuzugreifen, ist enorm hoch. Gleichzeitig ist auch nicht klar definiert, ob die Gelder zusätzlich vom Globalen Norden eingezahlt werden oder diese Mittel einfach innerhalb bestehender EZA umgeschichtet werden. Zuletzt muss die betroffene Zivilgesellschaft in Entscheidungen miteinbezogen werden, um sicherzustellen, dass die Gelder auch dort verwendet werden, wo sie gebraucht werden. Jasmin Lang hält trotzdem fest, dass es ein wichtiger Schritt ist, eine eigene Säule zu Schäden und Verlusten zu etablieren. Für solche Veränderungen sind auch besonders zivilgesellschaftlicher Aktivismus und dadurch entstehender Druck essentiell. Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass ein transnationaler Klimaaktivismus Sinn macht und Auswirkungen hat.
Partnerschaft und Selbstreflexion.
Im Rahmen der COP 2022 entstanden Kontakte zu afrikanischen Aktivist*innen, einige wurden im Rahmen der Gegenkonferenz zur European Gas Conference Ende März 2023 nach Wien eingeladen. Während ihres Aufenthalts traten sie unter anderem als Sprecher*innen an Demonstrationen auf, so Max Hollweg von Attac Österreich. Eine langfristige Kooperation entstand dabei noch nicht. Es ist allerdings geplant, dass erneut eine afrikanische Delegation zum People’s Summit vom 22. bis 24. März 2024 nach Österreich kommt. Das VIDC plant eine Vorveranstaltung am 21. März. Bei der Gegenkonferenz wird u.a. ein sofortiger Stopp aller Infrastrukturprojekte in Afrika gefordert, die die Gasproduktion dort ermöglichen sollen. Die Energieversorgung von Ländern muss innerhalb eigener Communities ermöglicht werden, anstatt auf der Ausbeutung anderer aufzubauen. Zuletzt führt Max Hollweg selbstkritisch an, dass die Klimabewegung in Österreich aktuell sehr weiß ist.
Fazit.
Im Anschluss an die vier Inputs tauschten sich die Teilnehmenden in drei Weltcafé-Gruppen intensiver miteinander aus. Die Gruppen setzen sich mit dem Zusammenspiel zwischen Klima und EZA, Partner*innenschaften und Ressourcenzugang und dem People’s Summit auseinander. Als zentrale Ergebnisse des Vernetzungsworkshops ergaben sich vier Aspekte.
Erstens braucht es Fonds, die für die Förderung kleinstrukturierter Projekte vorgesehen sind. Diese Gelder müssen mit einem Minimum an Kontrolle und Bürokratie, auch für Partner*innen im Globalen Süden, zugänglich sein, um eine Beziehung auf gegenseitigem Vertrauen und Augenhöhe zu schaffen, anstelle von kategorischem Mistrauen, wie es oft in der aktuellen EZA der Fall ist. Zweitens soll die Sichtbarkeit von Diaspora in der Klimabewegung erhöht werden. Hierbei wurden verschiedene Möglichkeiten für Kooperationen erkundet, wobei immer der gegenseitige Wissensaustausch und das voneinander Lernen im Zentrum stehen. Drittens ist die Stärkung lokaler Zivilgesellschaften, sowohl im Globalen Norden als auch Globalen Süden zentral. Zivilgesellschaften sollen maßgeblich bei Entscheidungen miteinbezogen werden und dazu ermächtigt werden, diese selbst zu entwickeln und umzusetzen. Die Ideen und Anträge für transnationale Zusammenarbeit sollen direkt von lokalen Personen aus dem Globalen Süden kommen, wobei die Diaspora eventuell als Brücke zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden fungieren kann. Viertens ist es die Aufgabe etablierter und bekannter Organisationen, sowohl die Klimabewegung an sich, als auch die afrikanische Diaspora sichtbar zu machen und zu unterstützen, da diese Organisationen bereits Ansehen und Aufmerksamkeit in breiten Teilen der Gesellschaft erlangt haben.
Die Autorin ist Mitglied des Redaktionsteams. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at
Weitere Informationen zum Vernetzungsworkshop
Das Titelbild zeigt eines der Plakate, das während des Workshops entstanden ist.