Die Equipa Técnica de Assessoria, Pesquisa e Ação Social (Arbeitsgruppe für Beratung, Forschung und soziales Handeln) ist seit 1982 im Raum Recife und Umgebung aktiv. Die NGO wurde im Rahmen der ersten Re-Demokratisierungstendenzen nach der Militärdiktatur in Brasilien als Massnahme ziviler Selbsthilfe in Zeiten politischer Unterdrückung gegründet. Seit dieser Zeit konzentrierte sich die Organisation auf die Zusammenarbeit mit anderen lokalen Organisationen (wie z.B. BürgerInnenräten oder federações de bairro) sowie auf die Schaffung kollektiver Räume für den Dialog zwischen verschiedenen Interessenvertretungen. Das Personal der ETAPAS hatte hinsichtlich dieser Ziele bereits vor den Gründungsjahren in der Comunidade de Coque (einer Favela bei Recife) sowie gemeinsam mit der Erzdiözese Olinda und Recife (unter Dom Hélder Câmara) Erfahrungen gesammelt.
Die Arbeit der ETAPAS umfasst zwei Programme, das erste betrifft Lobbying in zivilgesellschaftlichen Interessenverbänden (gestão urbana/controle social), die eigenen Ziele werden dabei durch ausgeprägtes „networking“ eingebracht. Beispielhaft hierfür ist die Mitarbeit der ETAPAS an der Plataforma Eleitoral para o Estado de Pernambuco (WählerInnenplattform des Bundesstaates Pernambuco) in der Zeit vor den brasilianischen Wahlen im Herbst 2006. Gemeinsam mit etwa 40 anderen NGOs wurde hier ein Forum geschaffen. Eine Vielfalt sozialer Probleme des Bundesstaates Pernambuco sollten durch diesen Zusammenschluss adressiert werden. Die ETAPAS setzte sich in diesem Rahmen speziell für einem gerechteren Zugang zu Wohnraum für arme Bevölkerungsgruppen in Recife und Umgebung ein.
Das zweite Programm der ETAPAS trägt den Namen juventude/ação politica (Jugend/politische Aktion) und umfasst den Bereich formação continuada d.h. kontinuierliche Fortbildung Jugendlicher, beispielweise in den Bereichen politische Bildung, Informatikunterricht u.a. Die TeilnehmerInnen des Programmes formação continuada befinden sich zum grössten Teil auf Arbeitssuche, einzelne von ihnen besuchen noch die Pflichschule. Nachmittagsblöcke des Programmes finden viermal wöchentlich statt, jede Einheit beginnt mit einer Reflexion über die jeweils vorhergehende Einheit. Nach einer Einführung zu einem jeweils neuen Aspekt folgt die Arbeit in Kleingruppen.
Politische Bildung als Dialog.
Die Autorin hat im August 2006 einen der Nachmittagsblöcke aus dem Programm formação continuada besucht. Die TeilnehmerInnen wurden dazu angehalten, via Internet für die bevorstehenden Wahlen Informationen über KandidatInnen des Bundesstaates Pernambuco für das Oberhaus des brasilianischen Kongresses zu suchen. Ein wichtiger Reflexionsprozess kam so zustande, schnell wurde bemerkt, dass bei der Internetrecherche zu politischen Fragestellungen die Suche nach „zuverlässigen“ Informationen eine Herausforderung ist.
Anstatt sich nur selbst befragen zu lassen, fragten die SchülerInnen in der anschliessenden Diskussion bei der Vortragenden selbst nochmals genauer nach, z.B. über die „Wichtigkeit“ verschiedener politischer Ämter auf föderaler und zentraler Ebene. Die TeilnehmerInnen wurden also zu eigener Aktivität angeregt und nicht nur im Frontalunterricht mit politischen Hierarchien und Entscheidungsfindungsprozessen „gelangweilt“, es wurde also reflektiert und nicht nur gepaukt.
Fremdanreiz oder eigener Impuls?
Das Thema „Bildung“ als politischer Faktor.
Bemerkenswert ist also, dass die ETAPAS als zivilgesellschaftliche Organisation breitgefächerte Bildungsmaßnahmen übernimmt wie etwa die Fortbildung arbeitsloser Jugendlicher. Die ETAPAS finanziert sich aus Geldern der französischen Organisation Fréres des Hommes und der holländischen Cordaid und erhält außerdem zu einem geringen Anteil Unterstützung von der Stadt Recife.
Im Zusammenhang mit dem Bildungsthema ist außerdem interessant, dass vor den Wahlen im Herbst 2006 alle drei Senator-Kandidaten eine allgemeine Anhebung des staatlichen (Aus-)Bildungsniveaus in Pernambuco zu einem wichtigen inhaltlichen Ziel erklärten. Es bleibt nun abzuwarten, wie staatliche Bildungsmaßnahmen in Zukunft gestaltet werden – der Nordosten Brasiliens weist im Vergleich zum Süden seit jeher ein schlechtes Bildungsniveau auf.
Weitere Informationen zur Organisation: https://www.etapas.org.br
Die Autorin studiert Internationale Entwicklung in Wien und hat die ETAPAS im Rahmen eines Projekts des Paulo Freire Zentrums im August 2006 besucht.