PowerPlay – Das Klima und Wir.

Ein Abend, drei Theaterstücke und die Gewissheit: Wir sind nicht alleine in einer mit der Klimakrise konfrontierten Welt. SpectACT, der Verein für politisches und soziales Theater, organisierte gemeinsam mit Global2000 und dem Paulo Freire Zentrum am 15. September die Forumtheater-Aufführung für Klimagerechtigkeit „Powerplay – Das Klima und Wir“. Freiwillige Darsteller*innen hatten dafür eine Woche lang gemeinsam mit dem kanadischen Theatermacher David Diamond ein dreiteiliges, interaktives Forumtheater erarbeitet. Im Mittelpunkt der drei Sequenzen stand die Frage, wie wir angesichts der Realität des Klimawandels Verbindungen zueinander aufbauen und erkennen können, dass wir verantwortlich sind für diesen Planeten.

Ein zentrales Merkmal des Forumtheaters ist die Einbeziehung der Zuseher*innen in Form eines aktiven Eingreifens in die Handlung. Zunächst wird die Szene ein erstes Mal vollständig vorgeführt; im zweiten Schritt dürfen die Zuseher*innen an jenen Punkten „Stopp“ schreien, an denen sie glauben, dass die Situation durch verändertes Handeln eines spezifischen Charakters besser gelöst werden könnte. Die Herausforderung besteht darin, diesen Charakter dann selbst zu spielen und zu erkennen, ob die Intervention tatsächlich eine emanzipatorische Veränderung hervorgerufen hat – denn die anderen Charaktere verbleiben in ihren Rollen.

Die Klimakrise ist Realität und dient als Hintergrund für das PowerPlay. Dieser Sommer 2023 war der weltweit wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, und viele Regionen der Welt kämpfen mit Dürren, Überschwemmungen, Wirbelstürmen und Artensterben. Die damit verbundenen Ängste beeinflussen mittlerweile viele Menschen in ihrem täglichen Leben, sie verändern uns und unsere soziale Umwelt.

Alles um uns herum ist wichtiger.

 Während die Schauspieler*innen im ersten Stück eine Szene verkörpern, in der sie sich in ihrer Rolle als Klimaaktivist*innen für den weltweiten Klimastreik vorbereiten, scheint die Aufgabe jeder einzelnen aktiven Person die wichtigste zu sein. Die Zuseher*innen spüren die gereizte Atmosphäre, erkennen die schier endlos wirkenden Aufgabenlisten und werden Teil eines individuellen Ringens um Aufmerksamkeit –nach Anerkennung, Unterstützung und Leistung. Die Überforderung der Charaktere kann dabei von zwei Seiten aus betrachtet werden: Während die Individuen einerseits von den Vorbereitungen für den Klimastreik eingenommen werden und dabei so wirken, als könnten sie diese nicht mehr schaffen, kann diese individuelle Ebene andererseits auch interpretiert werden als die Überarbeitung aller Klimaaktivist*innen in ihrem Kampf gegen die ignorant erscheinende Gesellschaft. Nach dem Eingreifen einiger Zuseher*innen wurde deutlich, dass wir als Individuen manchmal auf uns selbst hören müssen. Sind wir fähig, unbegrenzt Verantwortung zu übernehmen? Oder sollten wir selbst einfach mal den Stoppknopf drücken, selbst wenn es schwierig ist, eine Sache loszulassen, für die so lange gekämpft wurde? Wichtig ist, zu verstehen: Wir sind nicht alleine. Wir stecken alle in dieser „toxischen Suppe“. Wenn wir uns selbst bis zum Ausbrennen überarbeiten, ist keine Kraft für zukünftiges Handeln mehr da. Wir sollten uns also auch mal auf Andere verlassen und Verantwortung teilen.

Wie viel bist Du bereit, aufzugeben?

 Im zweiten Stück des Abends ging es um die Frage, ob es überhaupt möglich ist, dass wir uns untereinander verstehen. Denn wir sind alle unterschiedlich, und haben unterschiedliche Hintergründe und Motivationen für unser klimafreundliches oder -feindliches Handeln. Gleichzeitig kann die Klimakrise aber nicht gelöst werden, wenn wir nicht zusammenarbeiten und alleine sind in unserem Kampf. Diese Unterschiede führen zu Erschöpfung: Aktivist*innen erscheinen müde davon, ständig zu erklären, zu argumentieren und zu diskutieren für einen Kampf, der doch zum Überleben aller Menschen notwendig ist. Gleichzeitig fühlen sich andere von den mit dem Engagement der Aktivist*innen verbundenen Aktionen angegriffen – und das, obwohl nicht übereinstimmend zu sein ja nicht bedeutet, respektlos zu sein. Macht es also Sinn, in festgefahrenen und aussichtslos erscheinenden Situationen einen Schritt zurück zu gehen und an einem vorherigen Punkt anzusetzen, um Dinge zu erklären? Wie schaffen wir es, den gegenseitigen Respekt zu erhalten und auf einer gesunden Basis miteinander ins Gespräch zu kommen?

Die Ruhe hier im Raum ist die gleiche wie draußen.

Der dritte Akt dreht sich um die Frage, wie gesunde Familie gelebt und hergestellt werden kann. Dabei scheinen vor allem Transparenz und Zuhören ein wichtiger Punkt zu sein. Denn viele junge Menschen leiden an ‚Klimaangst‘. Diese Angst resultiert aus der wachsenden Erkenntnis, dass die Klimakatastrophe eine der größten Herausforderungen für ihre Zukunft darstellt. Die Sorge um die Erderwärmung, die Zunahme von Naturkatastrophen und die Bedrohung der Ökosysteme beeinflusst ihr tägliches Leben und ihre Zukunftspläne. Klimaangst zeigt sich in verschiedenen Formen, von einem allgemeinen Unbehagen bis hin zu tiefer Verzweiflung und Ängsten um die persönliche Sicherheit. Das wiederum kann sich auswirken auf verschiedene Lebensbereiche, wie Bildung, Karriere und Lebensentscheidungen. Junge Menschen fühlen sich von den politischen Entscheidungsträger*innen und älteren Generationen im Stich gelassen und fordern dringende Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise. Genau so geht es auch der im PowerPlay dargestellten Schülerin Joanna, die sich betrogen fühlt von ihrer Tante, weil diese statt „vor der eigenen Haustüre zu kehren“ lieber nach Südamerika fliegen möchte, um sich dort am Kampf zum Erhalt des Regenwalds zu beteiligen. Dabei wird die Frustration deutlich, dass das eigene aktive Handeln vor Ort nicht sichtbar sei. Allerdings ist auch jeder kleinste Schritt notwendig, um die Klimakrise als solche zu bekämpfen und als dringliches Problem im Mittelpunkt der Gesellschaft ankommen zu lassen. Es scheint, als laste ein riesiger Druck auf jungen Menschen und Aktivist*innen, die sich dem Kampf gegen die Klimakrise verschrieben haben. Dabei sollten auch kleinste Schritte als Erfolg gefeiert werden – denn wir müssen die Erderhitzung so weit wie nur möglich begrenzen. Vielleicht war der Grund dafür, dass in dieser Sequenz am wenigsten durch die Zuseher*innen eingegriffen wurde, der, dass wir uns mit den Schauspielenden identifizieren können. Aber was, wenn schon in so einem geschützten Raum niemand die Initiative ergreift, etwas zu verändern? Dann ist die Ruhe im Raum dieselbe, die draußen herrscht.

Gemeinsam gegen die Klimaangst.

Der Abend hat gezeigt, dass es in der Klimakrise ganz viel um soziale Beziehungen geht. Denn unter den veränderten klimatischen Bedingungen leidet nicht nur die Natur, sondern eben auch die Beziehungen zwischen den Menschen. Wir sollten uns fragen, was unseren täglichen Kampf für Klimagerechtigkeit behindert und was wir dagegen tun können, während wir gleichzeitig unsere mentale Gesundheit nicht gefährden dürfen. Und vielleicht ist ein interaktiver Abend mit Menschen, denen wir uns nah fühlen und die wie jede*r die Bedrohlichkeit der sich abzeichnenden Klimaszenarien spüren, förderlich, um uns wieder in den Sinn zu rufen: Wir sind nicht alleine. Wir sind alle Bewohner*innen dieser Erde und wir können die Klimakrise nur gemeinsam bekämpfen.

Die Autorin ist Mitglied des Redaktionsteams. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

Weiterführende Links:

SpectACT – Verein für politisches und soziales Theater
David Diamond: Theatre for Living

Titelbild © SpectACT: Die Schauspieler*innen des Projektes Powerplay

Veröffentlicht in Paulo Freire, Gutes Leben für Alle.