SDGs (c) SDG Watch Austria

SDG-Forum: Die Agenda 2030 als Kompass aus der COVID-19 Krise.

Am 27. Mai, dem Tag der Veröffentlichung des Fortschrittsberichts über die Umsetzung der „Agenda 2030“ in Österreich, lud „SDG Watch Austria“ zu einer Online-Konferenz, in der diskutiert wurde, wie die SDGs (Nachhaltige Entwicklungsziele) in der Zeit während und im Zuge der Corona-Krise umgesetzt werden könnten.

Nach Eröffnungsworten von Annelies Vilim von „SDG Watch Austria“ und Geschäftsführerin von „Globale Verantwortung“, sowie Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler, folgten drei Impulsvorträge zum Thema. Am Nachmittag wurde die Konferenz mit einer Podiumsdiskussion beendet. Heinz Nusser führte durch die Online-Konferenz und moderierte die Diskussion.

SDGs als nachhaltige Antwort auf die Corona-Krise.

Annelies Vilim begann das Symposium mit einem Appell. Sie wies daraufhin, dass es mit der „Agenda 2030“ schon eine Lösung der drohenden globalen Krise gebe. Eine Umsetzung der SDGs würde nachhaltige Wirtschaftsweisen, lokale Wertschöpfungsketten und der Klimaschutz bewirken. „Ein gutes Leben für alle, auch für die Zeit nach Covid-19“ soll das gemeinsame Ziel aus der Krise sein. Leonore Gewessler richtete sich anschließend in einer Videobotschaft an die Teilnehmenden der Konferenz. Gewessler bekräftigte, dass die Klimakrise und soziale Ungleichheiten auch während der Corona-Krise „keine Pause machen“ würden. Die SDGs sollen daher als Orientierung für politische Reformen und als Kompass aus der Krise dienen.

„Corona ist ein Ungleichheitsvirus.“

Im ersten Impulsvortrag erklärte die Soziologin Karin Fischer von der Johannes Kepler Universität Linz, wieso der globale Süden viel härter von der Krise betroffen ist, als der globale Norden. Der Rückgang von Rohstoffpreisen, Währungsverfall, Kapitalflucht und Preisanstiege bei Lebensmitteln betreffen vor allem Länder des globalen Südens und offenbaren die strukturellen Probleme der Weltwirtschaft. Die SDGs seien eine Möglichkeit, strukturelle Ungleichheiten in unterschiedlichen Bereichen zu bekämpfen. Als konkreten Lösungsvorschlag nannte Fischer die Reformierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Durch weniger Abhängigkeit von privaten Spender*innen und der Anerkennung von Gesundheit als ein Menschenrecht soll die internationale Organisation demokratisiert werden.

Corona-Krise als Chance im Kampf gegen den Klimawandel.

Die Ökonomin Angela Köppl vom Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), sah in der Corona-Krise ebenfalls eine Gelegenheit, die SDGs umzusetzen. Sie verwies vor allem auf die Wechselwirkungen der SDGs: Bei wirtschaftlichen Reformen müssten auch immer soziale Auswirkungen mitbedacht werden. Konjunkturprogramme im Rahmen der Corona-Krise müssten daher immer eine „Systemperspektive“ beinhalten, an der Kreislaufwirtschaft orientierte Reformen unterstützen und Auswirkungen auf die Umwelt mitbedenken.

Im Gesundheitsbereich können SDGs für mehr Gerechtigkeit sorgen.

Clemens Auer, Sonderbeauftragter für Gesundheit und Teil des Krisen-Managements der österreichischen Regierung während der Corona-Krise, konzentrierte sich in seinem Impulsvortrag auf das Gesundheitssystem. Von den Zuseher*innen wurde die Frage gestellt, was Auer jetzt im Nachhinein im Corona-Krisenmanagement anders machen würde. Auer antwortete, dass Menschen die in prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten müssen, beispielsweise Leiharbeiter*innen in Postverteilerzentren, nun als eigene Risikogruppe identifiziert wurden. Diese prekär Arbeitenden, müssten eigentlich ein wichtiger Fokus in der Pandemiebekämpfung sein. Deshalb sind auch die SDGs so wichtig, führte Auer weiter aus, da diese auch faire Arbeitsbedingungen als Ziel hätten.

Eine nachhaltige Transformation Österreichs.

In der Podiumsdiskussion wurde die Umsetzung der SDGs im Kontext der Corona-Krise diskutiert. Nusser moderierte das Gespräch und gab Fragen der Zuseher*innen an die Teilnehmenden der Diskussion weiter. Die SPÖ-Nationalratsabgeordnete Petra Bayr sah die Corona-Krise als „Vergrößerungsglas für Ungleichheiten.“ Die Umsetzung der SDGs sei aber schwierig, da oft das Wissen über die „Agenda 2030“ fehle und die Politik oft nur im zeitlichen Rahmen der Legislaturperiode gemachte werde. Der Biodiversitätsforscher Franz Essl beschrieb die Agenda 2030 als „Regenschirm, über einer globalen Transformation.“ Als konkretes Beispiel für nachhaltige Veränderung nannte Essel unter anderem die Investition in nachhaltige Landwirtschaft und das Einrichten eines Biodiversitätsfonds auf Bundesebene, um das Überleben der Artenvielfalt und der Landwirt*innen in Österreich zu sichern. Klaus Schwertner, Geschäftsführer der Caritas Wien, sah in den SDGs eine „unglaubliche Kraft“ für mehr soziale Gerechtigkeit. Er betonte aber, dass die Krise „nicht nationalstaatlich, sondern auf europäischer Ebene“ gelöst werden müsse.

Innovation und „SDG-Check“ zur Umsetzung der „Agenda 2030“.

Die ÖVP-Nationalratsabgeordnete Carmen Jeitler-Cincelli forderte einen „ideologiebefreiten Dialog“, um die SDGs parteiübergreifend umsetzen zu können. Sie wünschte sich, dass Politik und Wirtschaft die SDGs „als Instrument“ zu nutzen beginnen. Die Leiterin der Nachhaltigkeitsabteilung der OECD, Irene Janisch, sprach sich für mehr Innovation aus, die zu der Umsetzung der SDGs beitragen soll. Außerdem sei es notwendig, dass Nachfrage nachhaltig sinnvoll gestillt werde, etwa im Wohnbau. Da jetzt getroffene politische Entscheidungen „Maßstäbe für Dekaden“ setzen würden, sei die Orientierung an den SDGs besonders wichtig, fand Thomas Alge von „SDG-Watch Austria“. Eine Nachhaltigkeitsprüfung, beziehungsweise ein „SDG-Check“, wäre eine Möglichkeit die SDGs in Österreich erfolgreich umsetzen zu können.

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

Weiterführende Links:

Video-Grußbotschaft von Leonore Gewessler

SDG-Watch Austria

Foto: SDGs © SDG Watch Austria.

Veröffentlicht in Sozial-ökologische Transformationen, Gutes Leben für Alle, Themen.