C3-Award 2022: spannende Forschungsarbeiten zu Internationaler Entwicklung.

Mit dem jährlich vergebenen C3-Award werden Schüler*innen für vorwissenschaftliche Arbeiten mit besonderem entwicklungspolitischen Engagement ausgezeichnet. Die nunmehr siebte Preisverleihung wurde am 31. Mai 2022 abgehalten und war nach zwei Jahren strenger Corona-Maßnahmen ein frohes Zusammentreffen. Die gute besuchte Veranstaltung wurde von drei der Hausorganisationen des C3 – Centrum für internationale Entwicklung organisiert, nämlich BAOBAB, ÖFSE und der Frauen*solidarität. Musikalisch begleitet wurde sie von der Band Paradisco. Die Moderation der C3-Awards übernahmen die Journalist*innen Anastasia Lopez und Nada El-Azar-Chekh.

Von 139 eingereichten Arbeiten haben es zehn auf die Shortlist  geschafft, von denen wiederum drei eine besondere Auszeichnung bekommen sollten. Die eingereichten Arbeiten beschäftigten sich mit einer großen Bandbreite an Themen, von globalen Wirtschafts- und Ressourcenpolitiken über ausgewählte Nachhaltigkeitsziele bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit strukturellen Ungleichheiten in komplexen Feldern wie dem Bildungssystem. Eine Auswahl der Arbeiten wurde schließlich vom transdisziplinären wissenschaftlichen Beirat begutachtet. Dieser beurteilte die Arbeiten anhand verschiedener Kriterien, wobei insbesondere der entwicklungspolitischen Relevanz und dem kritischen Zugang zum Thema ein besonderer Stellenwert zukam.

Der C3-Award unter dem Stern multipler Krisen.

Die Veranstaltung wurde von Ulrike Lunacek (Frauen*solidarität) eröffnet, die zunächst die Teilnehmerinnen begrüßte und das C3-Centrum vorstellte. Mit der größten österreichischen Fachbibliothek zu internationaler Entwicklung schaffe das Haus einen Raum zur kritischen Reflexion, so die langjährige Kennerin der österreichischen und internationalen Entwicklungspolitik. Sie beglückwünschte auch die Frauensolidarität, die heuer ihr vierzigjähriges Jubiläum feiert. Nicht zuletzt betonte sie auch, dass sie von den eingereichten Arbeiten beeindruckt sei, weil sie das breite Spektrum an entwicklungspolitischer Arbeit widerspiegeln.

Nach einer allgemeinen Vorstellung der Arbeiten sprach Friedrich Stift (Geschäftsführer der Austrian Development Agency, ADA) zum Publikum und betonte, dass es angesichts der Vielzahl gegenwärtiger Krisen, über den Ukraine-Konflikt bis hin zur Klima-Krise, gelte, diese Probleme gemeinsam zu lösen. Dabei sei die entwicklungspolitische Förderung der Sustainable Development Goals (Ziele Nachhaltiger Entwicklung) von besonderer Bedeutung, ebenso wie es wichtig sei, die Jugendlichen als Zielgruppe anzusprechen. Wie auch die heurigen Arbeiten zeigten, seien dies für junge Menschen stets wichtige Themen. So habe jede Arbeit ihren eigenen Bezug zu den SDGs. Auch deswegen bedankte er sich sowohl bei den Schüler*innen als auch den Lehrer*innen für ihr gesellschaftspolitisches Engagement.

Neue Köpfe, neue Themen.

Die Preise wurden von Petra Bayr, Astrid Rössler und Henrike Brandstötter (alle Abgeordnete zum Nationalrat) überreicht, die zunächst auch Grußworte an die Teilnehmer*innen richteten. Petra Bayr (SPÖ) betonte, dass entwicklungspolitische Themen andauernd wichtig bleiben und politisches Engagement genauso wie einen globalen Dialog erfordern würden. Dabei seien „neue Köpfe“ wichtig, wie sie die Nachwuchsforscher*innen bezeichnete. „Bleiben Sie dran“, appellierte sie schließlich an alle Teilnehmer*innen. Astrid Rössler (Die Grünen) zeichnete ein Bild von der „wunderbaren, aber verletzlichen Erde“, die von globalen Krisen zerrüttet sei. Die Schüler*innen würden wichtige Fragen stellen, um diese Krise zu verstehen. So sprach sie beispielweise die Grenzen des Wachstums in Verbindung mit der virulenten Klimakrise an und stellte fest, dass die eingereichten Arbeiten schlussendlich alle miteinander vernetzt seien. Henrike Brandstötter (NEOS) differenzierte drei Ebenen, die sich in den eingereichten Arbeiten zeigen würden. Sie sprach von der politischen Ebene, welche die Rahmenbedingungen forme, der ideologischen Ebene, also den verschiedenen Sichtweisen auf die Welt, und der technologischen Ebene, wobei es in neue Technologien zu investieren gelte. In der Verbindung dieser Bereiche liege die Stärke der Arbeiten.

Herausforderungen migrantischer Jugendlicher im schulischen Kontext.

Schließlich wurden drei der zehn Arbeiten auf der Shortlist mit dem C3-Award ausgezeichnet. Die erste Arbeit trug den Titel „Herausforderungen in der Schule für Jugendliche mit Migrationshintergrund“ und wurde von Shayan Shamkhani verfasst. Mittels der Auswertung einer anonymen Umfrage beschreibt er die Auswirkungen der bildungssystemischen Ungleichheit auf Schüler*innen mit Migrationshintergrund und stellt Maßnahmen zur Erhöhung der Chancengerechtigkeit dar. Laudatorin Margarita Langthaler (ÖFSE) lobte nicht nur die dezidierte Herausarbeitung der strukturellen Benachteiligungen migrantischer Jugendlicher im schulischen Kontext, sondern auch, dass die persönlichen Erfahrungen den Mittelpunkt dieser Arbeit ausmachten. Es sei eine wichtige Perspektive in der Forschung, Betroffene in den Fokus zu rücken und als willensvolle Subjekte zu verstehen.

Der Kaschmir-Konflikt.

Die zweite prämierte Arbeit firmierte unter dem Titel „Der Kaschmirkonflikt: über die Genese des Konflikts und mögliche Perspektiven des Friedensprozesses“ und wurde von Preet Ghuman eingereicht. Der Kaschmirkonflikt stellt einen seit 1947 bestehenden Territorial- und Rohstoffkonflikt dar, der zwischen Indien, Pakistan und China ausgefochten wird. Dabei beleuchtet die Autorin aus einer historischen Perspektive insbesondere die Auswirkungen der britischen Kolonialherrschaft, beschäftigt sich jedoch ebenso mit den bisherigen Friedensprozessen und Lösungsszenarien für die Zukunft. Die Laudatio hielt Erwin Künzi (ADA). Er betonte, dass es sich hierbei um eine „traurige Arbeit“ handele, die ihn betroffen mache. So schildere sie einen historischen Konflikt mit großer gegenwärtiger Aktualität. Dabei werden sowohl ein demographischer wie auch ein geographischer Überblick geboten, der sich vom Beginn bis zum gegenwärtigen Stand des Konfliktes ziehe. Als zentrale Aussage nahm der Laudator mit, dass „ autokratische Regime kurze Beine haben“, und spielte damit auch auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine an.

Nachhaltiges Webdesign.

Mit der Thematik „Nachhaltiges Webdesign“ wurde schließlich die dritte Arbeit, verfasst von Magdalena Prettenthaler, ausgezeichnet. Darin setzt sich die Autorin mit dem Zusammenhang von Design und Nachhaltigkeit auseinander und stellt die Kernpunkte dieses Themenfeldes vor, die sie anhand einer eigens gestalteten Website und eines Handbuchs umzusetzen versucht. Da die Laudatorin Elfriede Moore verhindert war, trugen die Moderator*innen ihre schriftlich vorliegende Rede vor. Dabei lobte Elfriede Moore die klar verständliche Aufbereitung des Themas und den Aufgriff des Konzeptes der „gestalterischen Nachhaltigkeit“. Die Arbeit zeichne sich nicht nur durch eine gelungene definitorische Arbeit aus, sondern auch durch konkrete Vorschläge und praktische Beispiele. Dies geschehe sehr vielschichtig, beispielweise dann, wenn der Ressourcenverbrauch von digitalen Medien angesprochen wird. Besonders beeindruckt zeigte die Laudatorin sich von den Kapitelüberschriften, die mit dem Schriftdesign „Climate Crisis Font“ gestaltet wurden. Dabei werden Daten über das arktische Meereis verwendet, um das Schmelzen der Polkappen in im Textverlauf immer dünner werdenden Zwischenüberschriften darzustellen.

Ein gelungener Abend.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die C3-Awards auch in diesem Jahr wieder eine gelungene Veranstaltung darstellten, die sich durch durchweg spannende vorgestellte Arbeiten auszeichnete. Von historischen über genderpolitische bis hin zu agrarökologischen Aspekten wurde hier die große Bandbreite entwicklungspolitischer Themen abgedeckt. Die drei obig beschriebenen Arbeiten sollten einen Einblick geben, doch es lohnt sich, auch einen Blick in die anderen Werke zu werfen. Sie haben gezeigt, dass ungleiche globale Zusammenhänge in ihrer Komplexität beleuchtet werden müssen, auch über disziplinäre und universitäre Grenzen hinaus. Es ist schön, zu sehen, dass sich jedes Jahr mehr Maturant*innen diesen Themen widmen und neue Perspektiven eröffnen.

Der Autor ist Praktikant im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

Weiterführende Links:

Zur Aufzeichnung des C3-Awards 2022

Zum frei verfügbaren Schriftdesign Climate Crisis Font

Fotos © Philine Zech Photography

Veröffentlicht in Bildungsungerechtigkeit, Entwicklungspolitik, Entwicklungsforschung, Globale Ungleichheiten.