Workshop 1: HDP Nexus short dip.

Krisen verlaufen heute selten in getrennten Bahnen. Humanitäre Not, strukturelle Armut und politische Instabilität greifen ineinander, verstärken sich und lassen sich immer weniger mit isolierten Maßnahmen bewältigen. Der „Humanitarian-Development-Peace-Nexus“ rückt deshalb ins Zentrum internationaler Debatten. Sein Anspruch ist es, die Stärken der Humanitären Hilfe (Humanitarian), der Entwicklungszusammenarbeit (Development) und der Friedensförderung (Peace) gleichzeitig nutzbar zu machen, statt sie voneinander getrennt ablaufen zu lassen. Ziel ist eine langfristige Verringerung von Risiken und Verwundbarkeiten und nicht nur die Reaktion auf akute Notlagen.

Diese Grundidee bildete den Ausgangspunkt eines Workshops der AG Globale Verantwortung im Rahmen der Entwicklungstagung. Moderiert von Birgit Anna Mayerhofer, die seit vielen Jahren Organisationen in Afrika zum HDP-Nexus berät, gab der Workshop einen lebendigen Einblick in die reale Komplexität von Krisensituationen. Er bot den Teilnehmenden nicht nur neue Einblicke, sondern vor allem Raum für praktische Erfahrung, Austausch und kontroverse Diskussionen.

Lernen durch Perspektivwechsel und Diskussion.

Das Herzstück der Veranstaltung war ein fiktives Fallbeispiel, das die Teilnehmenden dazu einlud, selbst in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen: Als humanitäre Helfer*innen, die rasch und neutral handeln müssen; als Entwicklungsexpert*innen, die langfristige Strukturen aufbauen; als Friedensstifter*innen, die Konflikte analysieren; und als Geber*innen, die Kohärenz und Wirkung einfordern. Mit jeder Rolle änderten sich Prioritäten und Wahrnehmungen, was die Spannungen zwischen kurzfristigen und langfristigen Ansätzen sichtbar machte.

Der Workshop war stark interaktiv gestaltet. Im Plenum wurde intensiv diskutiert, welche Herausforderungen im HDP-Nexus immer wieder auftreten. Ein zentrales Thema war die Absprache mit politischen Akteur*innen im jeweiligen Land. Besonders oft fiel das Beispiel Uganda, wo sich die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behörden, Ministerien und internationalen Organisationen als schwierig erweist. Die Teilnehmenden betonten, wie stark politische Dynamiken über Erfolg oder Misserfolg gemeinsamer Strategien entscheiden können.

Während der Übungen wurden zudem verschiedene Organisationen entlang des Nexus eingeordnet. Die Arbeit des International Rescue Committee wurde eher im Entwicklungsbereich verortet, während das Rote Kreuz als klar humanitäre Organisation gilt. UNICEF wurde als Beispiel genannt, das alle drei Bereiche verbindet und im Sinne des Nexus zwischen kurzfristiger Nothilfe, struktureller Stärkung und friedensfördernden Maßnahmen agiert. Diese Einteilung machte sichtbar, wie unterschiedlich Mandate, Logiken und Arbeitsweisen sind und wie notwendig Koordination wird, wenn sie sinnvoll ineinandergreifen sollen.

Ein Ansatz für komplexe Krisen.

Die Diskussionen zeigten eindrücklich, dass der HDP-Nexus kein starres Instrument ist, sondern ein kontextabhängiger Ansatz, der beständige Abstimmung erfordert. Humanitäre Organisationen müssen ihre Neutralität wahren, während Entwicklungsprogramme oft direkt mit staatlichen Stellen kooperieren. Friedensfördernde Maßnahmen bewegen sich wiederum in unmittelbarer Nähe zu politischen Prozessen. Diese Unterschiede machen gemeinsame Planungen anspruchsvoll, aber auch potenziell wirkmächtig, wenn sie gelingen.

Am Ende nahmen die Teilnehmenden nicht nur theoretische Grundlagen mit, sondern auch konkrete Impulse: Ein besseres Verständnis für die Arbeitslogiken anderer Sektoren, neue Ideen für gemeinsame Analysen und ein Bewusstsein dafür, wie wichtig flexible und längerfristige Strategien geworden sind. Der Workshop machte deutlich, dass der HDP-Nexus nicht nur ein globaler Trend ist, sondern eine praktische Notwendigkeit in einer Welt, deren Krisen enger miteinander verwoben sind als je zuvor.

 

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Bilder © Maike Schönwolff, Vreni Oswald

Die Veranstaltung war Teil der 9. Österreichischen Entwicklungstagung in Innsbruck. Alle Infos dazu gibt es hier.

Veröffentlicht in Entwicklungstagung 2025, Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen.