Workshop 9: Fairness & Gerechtigkeit in der internationalen Ressourcenpolitik.

Freihandelsabkommen, Rohstoffmonopole, Supply Chains – Die internationale Ressourcenpolitik beinhaltet weitreichende moralische Fragen, die bei der 7. Entwicklungstagung von 25 TeilnehmerInnen im Workshop 9 am 18. Nov. 2017 diskutiert wurden. 

Im Zentrum der Debatten über anhaltende Probleme durch die Ökonomisierung der Umwelt standen dabei Fragen nach Ungerechtigkeiten, Ungleichheiten und Unmöglichkeiten im internationalen Handel mit Rohstoffen, die von den Veranstaltern des Workshops, dem „Netzwerk Globale Ressourcen-Fairness“, aufgeworfen wurden.

Analyserahmen für multiple Krisen.

Multipel auftretende Krisen in Verbindung mit der imperialen Lebensweise des Westens werfen Fragen nach der Verteilung von Ressourcen auf und wie gesellschaftliche Veränderung aussehen müsste, um eine Verbesserung in diesem Bereich herbeizuführen. Aber wie lassen sich die Probleme beim internationalen Rohstoffhandel überhaupt greifbar machen? Christina Plank vom Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt bot dafür zu Beginn einen Analyserahmen an. Die Klassifizierung von Problemen  in global/national/regional sei der erste Schritt um sich Klarheit darüber zu verschaffen, auf welcher Ebene eine Problematik bestehe und wo gehandelt werden müsse, um sozial-ökologische Transformationen bewirken zu können.

Dabei beschäftigen wir uns laut Christina Plank nicht mit einem neuen Phänomen, sondern einem Umstand, der bereits in den 60 und 70er Jahren besprochen wurde. Vor dem Hintergrund von Diskussionen über die Grenzen des Wachstums und deren möglichen Krisenszenarien wurde dabei ein besonderes Augenmerk auf das rapide zunehmende Bevölkerungswachstum gelegt. In den 80er Jahren folgte eine Periode der Intensivierung extraktivistischer Regime durch nationale Strukturanpassungsprogramme aufgrund hoher Staatsverschuldung. Mit dem Jahrtausendwechsel lasse sich der menschliche Einfluss auf die Umwelt am besten mithilfe des Begriffs „the great acceleration“ (dt. die große Beschleunigung) betrachten, mit der Entwicklung Chinas als deutlichste Beispiel für die steigende Belastung des Ökosystems, so Plank.

Fernando Ruiz Peyré von der Universität Innsbruck betonte in diesem Zusammenhang die Nord-Süd Ungleichheiten im global-extraktiven Produktionsnetzwerk. Die Klärung der Beziehungen zwischen Exporteuren und Konsumenten benötigen eine machtkritische Perspektive zur Erfassung der bestehenden Mechanismen im globalen Handel, um passende Lösungsansätze zu finden, schloss er.

Ressourcenfairness!?

Anschließend ging es in Gruppendiskussionen um feststellbare Formen der Unfairness. In bunt zusammengemischten Gruppen – Studierende, Forschende, NGO MitarbeiterInnen und BiobäuerInnen – wurden aus ganz unterschiedlichen Perspektiven Ungerechtigkeiten identifiziert, klassifiziert und mögliche Lösungen diskutiert. Dabei fanden auf globaler Ebene von internationalen Handelsverträgen bis hin zur lokalen Ebene mit Bioäpfeln bei Hofer viele Themenkomplexe Erwähnung. Die Zivilgesellschaft galt dabei als Triebmotor für soziale Veränderung, zum Beispiel durch das Herstellen eines direkten Austauschs zwischen EndkonsumentInnen und ProduzentInnen. Ein solcher verstärkter persönlicher Kontakt solle ein stärkeres Bewusstsein für die Produktionsweise und die wirtschaftliche Lage von BäuerInnen schaffen. Als weiterer Lösungsansatz galt die solidarische Ökonomie, bei der KonsumentInnen in die Produktion involviert werden, etwa durch den Kauf von Tieren, welche wiederum von den BäuerInnen gehalten werden und deren Produkte an die TierbesitzerInnen weitergegeben werden. Die heterogene Gruppenzusammensetzung erlaubte es den TeilnehmerInnen, solch ein Modell der solidarischen Ökonomie tatsächlich aus Sicht einer Biobäuerin erklärt zu bekommen.

Stärkerer Austausch von Wissenschaft & Praxis.

Als interessanter Abschluss stellte sich die letzte Diskussion heraus. Dabei sollte die Rolle der Wissenschaft und Praxis bei sozial-ökologischen Transformationen kritisch diskutiert werden und nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht werden. In Richtung der VertreterInnen von Wissenschaft wurde der Wunsch geäußert, alle Studien für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und diese nicht nur in einer starren Wissenschaftssprache wiederzugeben, damit diese auch für ein breiteres Publikum verständlich sind. Einig waren sich beide Gruppen über den Wunsch nach einer stärkeren Verschmelzung von Wissenschaft und Praxis. Eine Biobäuerin berichtete über ihre positiven Erfahrungen mit der wissenschaftlichen Begleitung in ihrem landwirtschaftlichen Betrieb und wünschte sich, noch mehr solcher Kontakte zu haben, da diese einen starken Motivationsschub für andauernde Veränderung im Betrieb geben.

In der abschließenden Reflexionsrunde zeigte sich, dass für die TeilnehmerInnen vor allem die Einblicke in andere Perspektiven auf die Formen der Unfairness in der internationalen Ressourcenpolitik von Bedeutung waren. Als Anschlussstatement einer Teilnehmerin wurde die Bedeutung eines solchen Workshops für das Verhältnis von Wissenschaft & Praxis hervorgehoben, bevor es mit einer ausgeteilten Tafel „The Change Chocolate“ zum nächsten Workshop ging.

 

Der Autor studiert Internationale Entwicklung, Politikwissenschaft und Philosophie. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at  

 


 

Weiterführende Links:

– Zur Seite der Entwicklungstagung: www.entwicklungstagung.at

– Zu weiteren Artikeln über die Tagung: https://www.pfz.at/list193.htm

   


 

Fotos: Michael Eigner ©Paulo Freire Zentrum

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik, Dokumentation, Entwicklungstagung 2017.