Workshop 6: Genderansätze in der Entwicklungs- und Umweltpolitik

Die Berücksichtigung von Geschlechterverhältnissen in der Umwelt- und Entwicklungspolitik ist zumindest theoretisch mittlerweile Standard. Behandelt wurden, welche theoretischen Konzepte diesbezüglich wichtig sind und welche Probleme nach wie vor bestehen.Der Workshop wurde von Gertrude Eigelsreiter-Jashari (Südwind NÖ), Sabine Hilbert (Amt der NÖ Landesregierung), Brigitte Holzner (ADA) und Gottfried Krasa (Abt. Umweltrecht im Amt der NÖ Landesregierung) gestaltet. Zu Beginn warfen die ReferentInnen die Frage auf, was überhaupt unter dem Begriff Gender zu verstehen ist und in welchem Zusammenhang jener überhaupt verwendet wird bzw. werden kann. Nur allzu oft kommt es dabei zu Missverständnissen, da der Begriff heute im Alltagsleben  seht häufig auftaucht. Unter Gender wird das soziale Geschlecht, nicht das biologische Geschlecht verstanden. Es gehe primär um Unrechtserfahrungen, welche immer noch in großem Ausmaße vorhanden sind. Frauen verdienen heute global gesehen immer noch deutlich weniger als Männer. Es gibt aber durchaus auch auf globaler Ebene Ansätze diese Ungerechtigkeit auf allen Ebenen zu bekämpfen (Weltfrauenkonferenzen, Programme von politischen Institutionen wie z.B. der EU, aber auch auf nationalstaatlicher Ebene).

Der Begriff Gender

Angemerkt wurde, dass der Begriff Gender eigentlich unübersetzbar ist, sowohl im Deutschen als auch im Französischen (genre) ist die Übersetzung nicht in der Lage, all die Facetten des Begriffes Gender mit zu transportieren. Somit stand die Frage im Raum, ob die Annäherung an die Gender-Thematik nur auf einer wissenschaftlichen Ebene möglich sei?

Das Problem bei vielen Analysen über Gender in der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) ist, dass diese häufig auf dichotome Schemata zurückgreifen.  Es stecke noch viel Arbeit dahinter, in den Wissenschaften über dieses Konzept genauer zu reflektieren. Die dichotome  Herangehensweise sei zu vereinfachend und reduziere die Vielfalt der Identitäten. Wen bezeichnet denn der Begriff „die Frau“? Kann eine chinesische Fabriksarbeiterin mit einer französischen Hochschulabgängerin gleichgesetzt werden?



Vielfalt der Genderansätze

Hervorgehoben wurde auch das Problem der Instrumentalisierung der Geschlechtergleichstellung für und durch die Wirtschaft: „Gehts den Frauen gut, gehts der Wirtschaft gut.“ Dieses Problem ist bei fast allen bisherigen theoretischen Konzepten vorhanden. Diese Gefahr der Instrumentalisierung muss ständig mitbedacht werden. So stellte sich auch die Frage, inwiefern die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen in westlichen Gesellschaften auf emanzipatorische Prozesse oder doch eher wirtschaftliche Notwendigkeiten zurückzuführen ist. Reicht in vielen Fällen das Gehalt eines Familienmitgliedes einfach nicht mehr aus? Der Ansatz „Women in Development“ (WID) zielte vor allem auf die Einbeziehung von Frauen in Entwicklungsprozesse ab und argumentierte auch mit der angeblichen Effizienz, die dadurch erreicht werden könne. Diese Instrumentalisierung wurde vielfach kritisiert und der WID-Ansatz verlor zunehmend an Bedeutung. Im Rahmen eines neueren Konzeptes – „Gender and Development“ (GAD) ist der zentrale Begriff Empowerment, also die Ermächtigung von Frauen. Außerdem müsse betont werden, dass niemand ganz ohnmächtig ist und das Bild der armen, unterdrückten, Brennholz tragenden Frau des Südens verabschiedet werden.

„Men and Development“ (MAD) ist ein ähnlicher Ansatz für Männer, welcher versucht, weg vom Bild des Rambos zu kommen und eine Änderung der Geschlechterstereotypen zu bewirken. Er stellt die Männer sogar als vulnerable group dar, da diese im Schnitt zwölf Jahre früher sterben als Frauen.

Der Ansatz „Women, Environment and Development“ (WED) stellt das besondere Interesse von Frauen an einer gesunden Umwelt und der Bewahrung von Biodiversität dar, da diese näher an der Natur seien. Männer werden als Zerstörer der Natur betrachtet, Frauen als live giver und als Erhalter der Natur, sie schützen das Saatgut. Die VertreterInnen von „Gender, Environment and Development“ (GED) argumentieren wider diese Stereotype (dass Frauen näher bei der Natur seien als Männer) und legen den Fokus auf die Geschlechterbeziehungen. Hier stellt sich vor allem die Frage des nach dem Zugang zu Ressourcen und Frauenrechten.

Die abschließende Diskussion kreiste unter anderem um die aktuelle Frage, warum Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen unterrepräsentiert sind. Welche Rolle spielen dabei Sozialisation und strukturelle Hindernisse? Letztlich wurden auch Verbesserungsvorschläge thematisiert und Gender Mainstreaming als eine mögliche Strategie, um „gender equality“ zu erreichen, eingebracht.

Der Autor ist Student der Universität Innsbruck.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik, Genderungerechtigkeit.