Ein Bericht vom Forum Ownership und Partnership. Zur Rolle von
Besitzerschaft und Partnerschaft in der Entwicklungszusammenarbeit der
Dritten Österreichischen Entwicklungstagung in Linz.Walter Schicho (Mattersburger Kreis, Projekt Internationale Entwicklung) eröffnet das Forum mit einem Impulsreferat, in dem er einige Verbindungslinien zwischen den Hauptreferaten der Tagung und dem Thema des Forums aufzeigt: Er zitiert Paul Singer, der mit seinem Vortrag deutlich machte, dass die Solidarökonomie als eine konkrete Form von Partnership und Ownership anzusehen sei. Für Darlina Tyawana wiederum stelle die Forderung nach Ownership eine Möglichkeit zur Sicherung der Grundbedürfnisse dar, während Andreas Novy darauf hinweise, dass Ownership ein Konzept sei, das Männer stark bevorzugt, da Frauen der Zugang zu Eigentum oft verwehrt bleibe.
Was ist nun Ownership und Partnership?
Die darauf folgende kontroverse Diskussion macht schnell deutlich, dass die beiden Begriffe viele Bedeutungsfacetten in sich tragen und somit im jeweiligen Kontext zu verstehen sind. Unabhängig davon, wie diese Begriffe definiert werden, wird klar, dass sie die Problematik der Fremd- und Selbstbestimmung in sich tragen. Wer hat die Macht zu bestimmen, was Ownership ist? Oder wird etwa ganz partnerschaftlich vom "Norden" bestimmt, wie Partnership im Nord-Süd-Dialog auszusehen hat?
Ein Teilnehmer versucht mit einem anschaulichen Beispiel zu verdeutlichen, was unter Partnership und Ownership zu verstehen sei: "Ownership bedeutet: Ich habe die Melone und das Messer. Wenn ich dir von der Melone was abtrete, egal wieviel, nennt sich das Partnership."
Die EZA muss sich selbst überflüssig machen
Einerseits teilen viele TeilnehmerInnen die Meinung, dass Begriffe wie Partnership die real existierenden asymmetrischen Machtverhältnisse auf globaler Ebene verschleiern. Die vormals üblichen Bezeichnungen als "GeberInnen" und "NehmerInnen" seien diesbezüglich zumindest ehrlicher, da sie auf sprachlicher Ebene die Kluft zwischen "Norden" und "Süden" zum Ausdruck brächten. Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass Partnership in erster Linie Akzeptanz bedeute und nicht das Aufgeben von Werten und Interessen impliziere: "Wenn wir unseren Partnern in der Entwicklungszusammenarbeit immer recht geben, ist das nicht partnerschaftlich", so eine Teilnehmerin. Vielmehr solle das Konzept als Grundlage für einen sinnvollen Dialog zwischen "Norden" und "Süden" dienen und dürfe nicht als falsch verstandene political correctness praktiziert werden. Darüber hinaus wird kritisiert, dass Partnership ein romantisierendes Konzept zu Grunde liege, das die verschiedenen Machtpositionen nicht aufhebe, sondern nur auf diskursiver Ebene schwieriger erkennbar mache. Einig ist sich das Forum allerdings darin, dass es Aufgabe und oberstes Ziel der Entwicklungszusammenarbeit sein müsse, eine Partnerin, nämlich sich selbst, überflüssig zu machen. Aber wird es soweit kommen, angesichts der Tatsache, dass die Länder des "Südens" im internationalen Handel immer noch und immer wieder stark benachteiligt werden?
Die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit (EZA)
Nach einer kurzen Pause referiert Margit Scherb (Austrian Development Agency) zum Thema, wobei sie gleich zu Beginn feststellt, dass die Existenz und Popularität des Begriffspaars Ownership und Partnership zumindest auf diskursiver Ebene deutlich mache, dass die traditionelle Form der EZA als gescheitert betrachtet werden müsse und die Verwendung der Begriffe auf einen Lernprozess zurückzuführen seien. Doch auf der Ebene der EZA-Praxis komme es zu einschneidenden Veränderungen: Die Forcierung von Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP), welche die Länder des "Südens" als Voraussetzung für Finanzhilfen vorlegen müssten, stärke zum Beispiel die Ownership der Staaten im Entwicklungsprozess. Ebenso ziele die Koordination der GeberInnen darauf ab, Entwicklung besser zu planen und als "Partnerprojekte" koordinierter und effizienter umzusetzen. Als Voraussetzung für Ownership bediene sich die OECD neuer Vokabeln: Sie spreche von Harmonisierung (harmonisation) zwischen GeberInnen und einer Ausrichtung (alignment) zwischen PartnerInnen. Dies bringe mit sich, dass zwischen den PartnerInnen Verträge formuliert würden, die klare Konditionalitäten beinhielten. Unklar bliebe jedoch, wie etwa eine Vertragsverletzung festgestellt werden könne. Dieser Richtungswechsel in der EZA bringe ein neues Anforderungsprofil mit sich. In Zukunft würden verstärkt Leute mit ausgeprägtem Finanzwissen gebraucht werden.
"Eigentümerschaft" und Privatisierungen
In der Diskussion werden aber auch auf die Schattenseite dieser Veränderungen augenscheinlich. "Alle sagen, die NGOs müssten sich professionalisieren, aber dann bleibt keine Zeit mehr für Grundlagenarbeit", gibt eine Teilnehmerin zu bedenken. Weiters wird auf einen Widerspruch in der Arbeit der EZA hingewiesen: Während im "Norden" der Staat durch Privatisierungen abgebaut werde, werde im "Süden" von der EZA eine Stärkung des Staates vorangetrieben. Und darüber hinaus sei es auch fragwürdig, wessen Ownership im Falle der PRSP gestärkt werde. Werden durch die PRSP die Eliten des Staates und der Wirtschaft zu "Eigentümerinnen" ihrer Entwicklung oder empfindet sich die breite Masse als owner of development?
Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Respekt
Petra Gruber (Institut für Umwelt, Frieden und Entwicklung) schließt das Forum mit einer kritischen Reflexion ab. Aus ihrer Sicht ist es unumgänglich, das unnachhaltige Wirtschaftssystem, in dem wir leben, und auch das System der Entwicklungszusammenarbeit grundsätzlich zu überdenken. "Solange wir uns als GeberInnen begreifen, akzeptieren wir die Machtasymmetrie", so Gruber. Entwicklung und damit zusammenhängend Ownership und Partnership müsse in einem umfassenden Sinn verstanden und mit Umwelt- und Friedensthemen verknüpft werden. Darüber hinaus plädiert sie für ein gegenseitiges Lernen und für eine Bewusstseinsbildung auf individueller und kollektiver Ebene als Voraussetzung für Partnership.
Was jedoch offen blieb und über das Forum hinaus noch zu angeregten Diskussion führte, ist die Frage, ob Ownership und Partnership die Hoffnung auf Entwicklung und auf eine substantielle Verbesserung der materiellen Situation von allen erfüllen kann. Also die Hoffnung, dass es Messer und Melonen für alle geben kann …
Der Autor studiert Internationale Entwicklung in Wien