Utopie als Lebenswerk

Brian Ashley ist politischer Aktivist und Direktor des Alternative Information and Development Center (AIDC) in Kapstadt, Südafrika. Er wird als einer der ReferentInnen bei der 6. Entwicklungstagung „umbruch.aufbruch“ über die Post 2015 Agenda für Nachhaltigkeit und ein gutes Leben für alle sprechen.Als Direktor des AIDC beschäfigt sich Brian Ashley mit alternativen Strategien, um Wandel in die südafrikanische Politik zu bringen. Durch die Bereitstellung von alternativen Konzepten und Analysen versucht das AIDC, die Grundlage für eine neue Gesellschaftsordnung in dem lange von Apartheid geprägten Land zu bilden. Nachhaltigkeit, soziale, ökologische und ökonomische Gerechtigkeit und die Wertschätzung von Diversität in der Gesellschaft stellen die Grundpfeiler dieses neuen Gesellschaftsentwurfes dar. Gegründet wurde das Zentrum 1996 in Zusammenhang mit der demokratischen Wende in Südafrika nach Abdanken des Apartheidregimes. Kampagnen des AIDC gab es beispielsweise zum „Recht auf Arbeit“ (Right to Work Campaign). Ziel ist es, die Zivilgesellschaft zu stärken und Instrumente in Form von Analysen und Konzepten bereitzustellen, die nachhaltige Transformation in Politik und Gesellschaft unterstützen können.

Wissenschaftliche Analysen und politischer Aktivismus

amandla_issue_no_35.jpgNeben seiner Tätigkeit am AIDC ist Brian Ashley Mitherausgeber von Amandla! – ein südafrikanisches Website-Projekt und gleichnamiges Magazin. Seit 2008 arbeitet das AIDC direkt mit den HerausgeberInnen von Amandla! zusammen, wodurch der Fokus des Zentrums auf Kommunikation und Wissensproduktion gerichtet wurde. Amandla! möchte Raum für Diskussion und Debatten für antikapitalistische und linke Politikpraktiken schaffen. Die HerausgeberInnen sprechen sich für eine politische Neuausrichtung aus, in Südafrika selbst sowie in der gesamten Region des südlichen Afrika. Aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Prozesse werden in dem alle zwei Monate erscheinenden Magazin kritisch hinterfragt und analysiert. Der Titel des Magazins „Amandla! Taking Power seriously“ und der dazugehörige Untertitel „standing for social justice“ verdeutlichen die aktivistische Zielrichtung des Projekts. Die Themenbereiche, zu denen Artikel und Analysen erscheinen, sind sehr weit. Neben Artikeln über Politik und Gesellschaft des afrikanischen Kontinents umfassen die Inhalte des Magazins unter anderem Debatten über Klimafragen, Stellungnahmen zum Konflikt im Nahen Osten und Analysen der globalen Finanzkrise. Amandla! versteht sich als offenes Projekt, das politisch links verorteten Perspektiven und Stimmen eine Plattform bieten möchte.

One Million Climate Jobs

Brian Ashleys aktivistisches Engagement zeigt sich außerdem in seiner Mitarbeit an der One Million Climate Jobs Campaign. Die Kampagne möchte den Kampf gegen den Klimawandel und die anhaltende ökonomische Krise zusammendenken, um nachhaltige Lösungen für beide Problemfelder zu finden. One Million Climate Jobs vereint Arbeitsorganisationen, soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Organisationen in Südafrika.

Um Umweltbelastungen zu reduzieren, die zum Klimawandel beitragen, sei es wichtig, die Ursachen in ihrer Komplexität zu erfassen und nicht mit einseitigen Modellen zu arbeiten. Extraktivismus spielt dabei eine wichtige Rolle. Der exzessive Abbau von Rohstoffen als Art der Akkumulation stellt laut Brian Ashley eine der zentralen Ursachen der Umwelt- und Klimakrise dar. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen gipfelt in seinen Augen in vermeintlichen Lösungsansätzen wie beispielsweise Fracking. Die Probleme im Umweltbereich setzt Ashley in Beziehung zum Wirtschaftssystem unserer Zeit, das auf Wettbewerbsfähigkeit und dem ständigen Streben nach Wachstum beruht. Stetiges wirtschaftliches Wachstum muss jedoch über kurz oder lang an die Belastungsgrenzen des Planeten stoßen oder diese sogar überschreiten. Wirtschaftskrise und Umweltproblematik müssen laut Ashley also zusammengedacht werden, da einseitige Lösungsansätze nicht nachhaltig sein könnten.

Gelebte Utopie

Brian Ashley plädiert daher für eine komplette Transformation der Ökonomie, weg vom Wachstumsorientierten neoliberalen Modell, hin zu einer lohnorientierten, nachhaltigen und kohlenstoffarmen Wirtschaftsform. Eine solche Umwälzung erfordert unter anderem den Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln, um Schadstoffe durch Autos zu reduzieren, die Etablierung von erneuerbarer Energiegewinnung sowie biologische und nachhaltige Lebensmittelproduktion. Das klingt nach einer Utopie? Das muss es nicht sein, meint Ashley.  Klar ist, dass eine solche ökonomische und ökologische Transformation jede Menge Arbeit bedeutet. Jobs in diesem Bereich definiert Ashley als „climate jobs“. Zu diesen Jobs zählen vor allem Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor, die einerseits Umweltschäden reduzieren und andererseits die Resilienz der Gesellschaft stärken sollen. Die Kampagne fordert daher eine Million solcher „climate jobs“ in Südafrika.

Peak-Oil, Peak-Everything und die Post 2015 Agenda

Bei der 6. Entwicklungstagung in Salzburg hat Brian Ashley die jüngsten Veränderungen in den Bereichen „Klima, Energie und Ökologie“ diskutiert. Ausgehend von globalen Herausforderungen wie dem immer näher rückenden  Peak-Oil bzw. Peak-Everything hat Ashley Zusammenhänge zwischen ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeit aufgezeigt. Im Forum 1 am zweiten Tag der Entwicklungstagung hat er sich gemeinsam mit Jens Martens, Elfi A. More, Pablo Solon, Petra Bayr und den TeilnehmerInnen mit der Post 2015 Agenda auseinandergesetzt.

Weiterführende Links:

https://www.climatejobs.org.za/


https://www.aidc.org.za/


Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.  Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

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