Sommerakademie Burg Schlaining

Die Internationale Sommerakademie des Friedenszentrums Burg Schlaining stellte dieses Jahr zur Debatte, inwieweit wir weltweit mit einer neuen Form des Krieges konfrontiert sind und wie wir damit umgehen können. Am Donnerstag, den 9. Juli wurde diskutiert, was wir diesbezüglich von den alten Kriegen lernen können.Neue Kriege neue Lösungen?

Liest man in den Zeitungen von den zahlreichen globalen Kriegen und Konflikten, verliert man schnell den Überblick: Wer kämpft eigentlich gegen wen? Was sind die Ziele, was die Beweggründe der Konfliktparteien? Es scheint, als verändere sich die grundsätzliche Logik des Krieges und entstünde eine neue, komplexere Form der kriegerischen Konfliktaustragung. Diesem Thema widmete sich die diesjährige Internationale Sommerakademie des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) auf der Burg Schlaining im südlichen Burgenland. Die größte und besucherreichste Veranstaltung der privaten und unabhängigen Friedensinstitution fand bereits zum 26. Mal von 5.-10. Juli 2009 statt und lief unter dem Titel Söldner, Schurken, Seepiraten Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der neuen Kriege. Dabei stellten sich die TeilnehmerInnen die Frage, ob man weltweit von einem Trend der veränderten Kriegsführung sprechen kann und wie wir mit den damit verbundenen Herausforderungen wie Unmenschlichkeit und Gesetzlosigkeit umgehen können.

Was lernen wir?

Am fünften Tag der Sommerakademie referierten Sabine Kurtenbach vom German Institute for Global and Area Studies in Hamburg und Margret Johannsen vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg über politische und ökonomische Instabilitäten in Lateinamerika und dem Nahen Osten. Beide Beispiele zeigten lang andauernde Konflikte, deren Formen sich im Laufe der Zeit veränderten. Sowohl in Lateinamerika als auch im Nahen Osten haben die aktuellen Kriege deshalb kaum mehr etwas mit den ursprünglichen Motiven zu tun. Jedoch stellten sich die Referentinnen die Frage, was wir aus der Geschichte für die Bearbeitung der gegenwärtigen Konflikte lernen können. Sabine Kurtenbach zweifelte in ihrem Vortrag an der Sinnhaftigkeit der Kategorien alt und neu im lateinamerikanischen Zusammenhang und stellte das Problem der Vergleichbarkeit in den Raum. Durch die Konfliktdynamiken und ihren prozesshaften Charakter verschwimmen die Trennlinien und machen eine Einordnung schwierig. Die Referentin betonte, dass direkte sowie strukturelle Gewalt in erster Linie von internen und externen Rahmenbedingungen abhängig und daher der Kontext und nicht die Ursachen für ihre Formen entscheidend sei.

Auch Johannsen kritisierte die Bezeichnung neu, da dies ihrer Meinung nach eine Frage der Perspektive sei. Neue Lösungsansätze hingegen seien im unlösbar scheinenden Gaza-Krieg dringend erforderlich. Die Referentin betonte die Mitschuld des Westens am Krieg, weshalb dieser dazu aufgerufen sei, aktiv an einer politischen Lösung zu arbeiten. Die Europäische Union solle beispielsweise die Versöhnungsgespräche der PalästinenserInnen fördern, um sie dabei zu unterstützen, durch eine Einheitsregierung wieder handlungs- und verhandlungsfähig zu werden. Gleichzeitig sei es notwendig, auf israelischer Seite einen sofortigen Stopp des Siedlungsbaus zu fordern. Die Friedensforscherin zweifelte jedoch, dass die EU zu solchen Tabu-Brüchen fähig sei. Nichts desto trotz betonte sie, dass der Bearbeitung des Konflikts im Nahen Osten absolute Priorität eingeräumt werden müsse, da viele andere Kriege in der Region davon abhängen.



Umstrittene Kooperation

An den Nachmittagen hatten die TeilnehmerInnen der Akademie die Möglichkeit, Workshops zu besuchen und sich intensiver mit spezifischen Themen aus der Praxis zu beschäftigen. In einer dieser Arbeitsgruppen wurde beispielsweise über die Herausforderungen für humanitäre Organisationen durch neue Kriege diskutiert. Andreas Papp (Ärzte ohne Grenzen), Thomas Preindl (Caritas) und Martina Schloffer (Rotes Kreuz) berichteten von ihrer konkreten Arbeit und persönlichen Erfahrungen in Kriegsgebieten wie Afghanistan oder dem Irak. Dabei wurde klar, welch entscheidende Rolle zivil-militärische Kooperation dabei spielt und gleichzeitig, welch massive Probleme sie in Zusammenhang mit den Grundsätzen humanitärer Hilfe mit sich bringt. So wird es für die Hilfsorganisationen immer schwieriger, ihre Neutralität zu wahren und sich insbesondere gegenüber der Bevölkerung klar von der militärischen Besatzungsmacht abzugrenzen. Durch die fehlende Unterscheidbarkeit und mitunter auch den Missbrauch von Logos verliert die Bevölkerung das Vertrauen in die Organisationen, was ihre Arbeit längerfristig entscheidend beeinträchtigt und ihre Sicherheit gefährdet. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob in einer guten Zusammenarbeit die Ressourcen und auch der Schutz des Militärs eine bessere und schnellere Hilfe für Menschen in Not gewährleisten. Die persönlichen Erlebnisse der Vortragenden zeigten einerseits, dass diese schwierigen Entscheidungen zwischen kurz- und langfristigen Auswirkungen tagtäglich getroffen und ständig Kompromisse gefunden werden müssen. Andererseits wurde deutlich, wie wichtig ein intensiver Austausch zwischen Militärs und humanitären Organisationen sowie die kritische Auseinandersetzung mit den jeweiligen Zielen und Prinzipien ist.

Bereits ein Tag der Sommerakademie in Schlaining ermöglichte einen umfangreichen Einblick in die Problematik der neuen Kriege. Die Vorträge am Vormittag in Verbindung mit den vertiefenden Workshops am Nachmittag stellten eine ausgewogene und lösungsorientierte Kombination aus Theorie und Praxis dar.


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Die Autorin ist Mitglied des online-Redaktionsteams des Freire Zentrums.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.