Das Freire-Zentrum unterstützt Vortrag, Diskussion und den Workshop von und mit dem bekannten indischen sozialpolitischen Theatermacher, der kommende Woche bereits das zweite Mal in Österreich zu Gast ist.
Sanjoy Ganguly ist sozialpolitischer Theatermacher und Begründer des Theatergruppennetzwerkes Jana Sanskriti,
das in zehn indischen Bundesstaaten tätig ist und über tausend
Mitglieder zählt. Die Beteiligten sind Bauern und Bäuerinnen, Frauen,
Unberührbare, SlumbewohnerInnen, Hindus und Muslime, die durch das
Medium des Theaters eine Methode gefunden haben, ihre Probleme zu
diskutieren und ihre Situation zu verbessern.
Theater der Unterdrückten: Sprache und Handlungsfähigkeit
Die meisten SchauspielerInnen dieses Netzwerks sind von
vornherein aus jeder gesellschaftspolitischen Diskussion
ausgeschlossen, haben nichts zu sagen, werden verheiratet, müssen
arbeiten um ihre Familien zu versorgen, haben in den meisten
Lebenssituationen keine Wahl.
In diese Welt der Notwendigkeiten bringt die Arbeit von Jana Sanskriti
Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten. Die Menschen beginnen zu
reden und handeln, eine kollektive Sprache zu entwickeln und ihre
Realität aktiv zu gestalten. Über die Theaterarbeit hinaus gründete Jana Sanskriti
Menschenrechtskomitees und sogar Schulen, die in der Zusammenarbeit mit
dem Publikum gefundenen Beschlüsse umsetzen. Um die aktiven 1.000
SchauspielerInnen von Jana Sanskriti gibt es noch ein Netzwerk von einigen tausend MitarbeiterInnen mehr.
Politische Theaterarbeit: Mittel sozialer Veränderung
Sanjoy
Ganguly hat ein Mittel für soziale Veränderung entwickelt, das in eine
kulturelle Bewegung mündete, die weit über die übliche politische
Theaterarbeit hinausreicht. Themen wie Alkoholismus, familiäre Gewalt,
gleicher Lohn für gleiche Arbeit von Frauen, Menschenrechtsarbeit,
Frauengesundheitsvorsorge, Korruption und das Recht der BürgerInnen auf
Information werden vor den Augen aller und mit allen bearbeitet (durch
Forumtheateraufführungen an denen sich jedeR beteiligen kann) und
gefundene Handlungsvarianten und Lösungsvorschläge werden tatsächlich
umgesetzt.
Während seines Aufenthalts in Österreich wird Sanjoy Ganguly mit den
VeranstaltungsteilnehmerInnen über die Umsetzung seiner Methoden in
verschiedenen (trans)kulturellen Kontexten arbeiten. Anhand von den
TeilnehmerInnen eingebrachter Problemstellungen werden Szenen
erarbeitet, anhand derer in Folge Lösungswege gefunden werden. Wie kann
einer Methode die in Österreich ebenfalls angewandt wird, wieder ihre
politische Schlagkraft zurückgegeben werden, so dass sie nicht nur eine
Selbsterfahrungsmöglichkeit bleibt.
Wien ist nicht die Welt, aber die Welt ist in Wien
Wie
können jene, die in global komplexen Berufsfeldern tätig sind, den
Kräften entgegenwirken, die nach wie vor teilen um zu herrschen,
Menschen in legal und illegal einteilen, in gut und böse, in brauchbar
und unbrauchbar? Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit Sanjoy
Ganguly persönlich kennen zu lernen und von ihm zu lernen, auch
darüber, wie sich Menschen Gehör verschaffen, denen es scheinbar an
nichts mangelt und die alle Möglichkeiten haben.
Vortrag mit Videopräsentation und anschließender Diskussion (freier Eintritt):
Montag, 12.12. 2005, 19:00
Institut für Afrikanistik, Seminarraum 1, Universität Wien, Campus Altes Akh, Hof 5
Workshop: 8. bis 11.12. 2005, jeweils von 10:00 bis 15:00 Uhr im WUK
Am 11.12. 2005 ist eine öffentliche Aufführung der Workshopergebnisse
(Forumtheaterszenen) in der Galerie Kaffee Kandinsky vorgesehen.
Kosten: 120/85 Euro
Anmeldung: tdu-workshop@gmx.at
Details: Birgit Fritz 0699 1 820 59 26