Pferde und ReiterInnen

Claude G. Mararike wird am Freitag, 9. September 2005, als Referent am
Workshop Partnership and Ownership teilnehmen. Katharina Fussi
und Daniela Hermetinger sprachen mit dem Professor für Soziologie der
Universität Harare, Simbabwe.
Partnership und ownership, zwei Konzepte, die in der Entwicklungszusammenarbeit der letzten Jahre eine immer größere Rolle spielen, sind der Ausgangspunkt im Gespräch mit Claude Mararike. Es sei ihm ein besonderes Anliegen, auf die Wichtigkeit des Kontextes hinzuweisen, aus dem diese Konzepte betrachtet würden. Je nachdem wie sich der Kontext abhängig von politischen, religiösen, ökonomischen, kulturellen und historischen Faktoren gestalte, differierten die Zugänge und Erwartungen zu den beiden Begriffen.

Ownership: You are because we are

Um ownership zu definieren stellt Claude Mararike die Frage in den Mittelpunkt, was ein Mensch überhaupt besitzen könne bzw. welcher Besitz den größten Wert darstelle. Während diese Frage in Europa mit dem Verweis auf Menschenrechte beantwortet werde, stehe in Afrika das Leben an sich sowie der eigene Körper im Vordergrund. Es gehe also in erster Linie um das Recht, das Leben selbst zu bestimmen. Jedoch dürfe trotz dieser Selbstbestimmung die Verbindung zu anderen Menschen nicht aus den Augen verloren werden in diesem Sinne "you are because we are". Im Hinblick auf ein gleichberechtigtes Miteinander, könnten Menschen nur im gemeinschaftlichen Leben ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen ausloten.

Eine besondere Dimension erhalte das Konzept ownership im Zusammenhang mit Landbesitz. Vorstellungen, nach denen das Land allen Menschen zustehe, konkurrierten mit der tendenziell "nördlichen" Auffassung, Landbesitz von ökonomischen Mitteln abhängig zu machen. Dieselbe Situation gebe es beim Wissen. Zwar könnten Individuen im Besitz von speziellem Wissen sein, doch gebe es Bereiche wie Moral, Ethik, Philosophie, Musik, Erfahrungen der älteren Generation, die Individuen nicht ausschließlich für sich beanspruchen könnten.

Partnership: ReiterIn und Pferd

Eine Möglichkeit Erfahrungs- und Informationswerte auszutauschen, bestehe in Form von partnership. Sie setze ein gemeinsames Projekt mit gleichberechtigter Partnerschaft, geteilter Verantwortung, gemeinsamen Regeln und Übereinkünften voraus. Diese Definition von partnership solle verhindern, dass die Beziehung zwischen den PartnerInnen auf einem einseitigen Dominanzverhältnis beruhe. Für die Beschreibung der gegenwärtigen Ausgestaltung der Entwicklungszusammenarbeit greift Claude Mararike auf die Metapher horse and rider zurück. So wie einE ReiterIn ein Pferd lenke, so verfüge auch der "Norden" in vielen Fällen über eine unangemessen große Machtposition gegenüber den Ländern des Südens.

"One cannot monopolize the truth"

Um den allgemeinen Begriff partnership auf Ebene der Entwicklungszusammenarbeit zu betrachten, könnten drei Dimensionen herangezogen werden:

  • Theoretische Dimension
    Auf theoretischer Ebene sind bereits einige Ideen zur Umsetzung von Partnerschaft angesiedelt. Jedoch handle es sich dabei um Konzepte nach dem Modell horse and rider, die universalen Geltungsanspruch erhöben. Dies erscheine angesichts der Tatsache, dass nur wenige Menschen aus kulturell ähnlichem Umfeld am Entstehungsprozess dieser Theorien beteiligt seien, besonders grotesk.
  • Praktische Dimension
    Partnership funktioniere nur dann, wenn das Bewusstsein vorhanden sei, dass theoretische Konzepte in unterschiedlichen Ländern unterschiedlicher Umsetzung bedürfen könnten bzw. wenn untersucht werde, ob eine Umsetzung in dem jeweiligen Kontext sinnvoll sei.
  • Moralische Dimension
    Damit die Partnerschaft von allen Beteiligten akzeptiert werde, müssten bestimmte moralische Leitlinien eingehalten werden.

Es hängt von den einzelnen Menschen ab

Claude Mararike räumt den Konzepten partnership und ownership durchaus Zukunftsfähigkeit ein. Jedoch müssten sich die Beteiligten bewusst sein, dass die Gleichberechtigung aller PartnerInnen eine Grundvoraussetzung für das Gelingen von Projekten darstelle.
Während dieses Bewusstsein bei Kooperationen zwischen Ländern des Südens aufgrund der kolonialen Vergangenheit ausgeprägter sei, fehle es in Nord-Süd-Partnerschaften noch häufig. Exemplarisch dafür sei, dass sich einige NGOs vermeintlicher "ExpertInnen" bediene, die oft sehr wenig über das Partnerland wüssten.
Ein Bereich, in dem die Zusammenarbeit zwischen "Nord" und "Süd" gut funktioniere, sei die akademische Ebene. Dies drücke sich am deutlichsten in universitären Austauschprogrammen aus.

Mararike wies abschließend darauf hin, dass eine erfolgreiche Partnerschaft in erster Linie vom Engagement, der Lernfähigkeit und dem Problembewusstsein der einzelnen Menschen abhinge. Eine Organisation, die sich mit Entwicklungsfragen beschäftige, sei nur dann gut, wenn sie von Menschen getragen werde, die mitdächten, voraus planten und sich der Relevanz ihrer Rolle bewusst seien.

Die Autorinnen studieren Politikwissenschaft an der Universität Wien und sind Praktikantinnen am Paulo Freire Zentrum.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.