Der aktuelle Diskurs über Ressourcen wir durch den Begriff Peak geprägt, der als Maß für deren Verknappung das Fördermaximum von Rohstoffen beschreibt. Was ist an diesem Begriff problematisch? Wie kann eine differenzierte Diskussion über den Umgang mit materiellen Ressourcen geführt werden? Peak oil, peak everything – aber welche Ressourcen sind wirklich knapp?Dass materielle Ressourcen wie Erdöl bei dem hohen Ressourcenverbrauch von Industrieländern weniger werden, ist nicht neu. Die Frage, die die Menscheit jedoch beschäftigt ist, wann diese letztendlich aufgebraucht sind. Im Jahr 1956 wurde der Peak für die US-amerikanische Rohölförderung auf das Jahr 2000 und 13 Milliarden Faß prognostiziert (Hubbert, 1956). Tatsächlich wurde in diesem Jahr die doppelte Menge dessen gefördert (IEA, 2000). Nun könnte dies zur Schlussfolgerung verleiten, es gäbe aktuell gar keine Knappheit im Zusammenhang mit fossilen Energieträgern. Das Phänomen Klimawandel zeigt jedoch das Gegenteil. Die knappe Ressource ist in diesem Fall nicht das Erdöl, sondern die Atmosphäre, welche das durch die Verbrennung fossiler Energieträger entstehende CO2 aufnimmt. Ressourcenknappheit betrifft also nicht nur Materialien wie Erdöl, sondern ebenso Abfälle aufnehmende Umweltmedien wie Luft, Wasser und Boden.
Peak everything for everybody?
Der Peak Begriff suggeriert, dass die gesamte Menschheit von Ressourcenknappheit gleichermaßen betroffen ist. Anhand des unterschiedlichen Ressourcenverbrauchs von Industrie- und Entwicklungsländern wird jedoch klar, dass dies nicht der Fall ist. Zwar sind Prognosen zu regionalen Auswirkungen schwierig, jedoch scheint es naheliegend, dass Länder mit hohem Ressourcenverbrauch auch stärker von einer Knappheit direkt betroffen sein werden. Das Gegenteil gilt jedoch für die knappe Ressource Atmosphäre als Senke für CO2. Die Auswirkungen ihrer Übernutzung durch Verbrennung fossiler Energieträger, sprich der Klimawandel, trifft Entwicklungsländer überproportional (Solomon, 2007).

Abbildung 1: Vulnerabilität verschiedener Weltregionen bezüglich Klimawandel (Solomon, 2007)
Können anthropogene Ressourcen einem Peak entgegenwirken?
Es besteht große Hoffnung, durch Recycling oder Urban Mining natürliche durch von Menschenhand geschaffene (= anthropogene) Ressourcen zu ersetzen. Zwar ist dies teilweise möglich, jedoch zeigen Untersuchung am Beispiel Phosphor (P) in Österreich auch die Grenzen dieser Ambitionen. Einerseits könnten durch konsequentes Recycling aktueller Abfallströme an die 85% mineralischer P-Dünger ersetzt werden (Egle et al., 2014). Andererseits sind nur 10% der bisher aufgebauten anthropogenen P-Lagerstätten theoretisch rückgewinnbar (Lederer et al., in press).

Abbildung 2: Nur 100 t (10%) der in Ö seit 1960 von Menschen abgelagerten Phosphate sind theoretisch rückgewinnbar.
Ressourcenstrategien von Fall zu Fall entwickeln: das Beispiel Phosphor
P ist auch eine der populärsten Ressourcen im aktuellen Peak-Diskurs, da er als Düngemittel und Nahrungsbestandteil nicht ersetzbar ist (Cordell et al., 2009). An seinem Beispiel kann jedoch auch gut dargestellt werden, welche Ressourcenbedrohungsszenarien und Lösungsansätze für unterschiedliche Länder bestehen.
Österreich besitzt kaum natürliche P-Lagerstätten und importiert 3 kg P pro EinwohnerIn und Jahr (kg/EW/a) als Dünge-, Nahrungs- und Futtermittel. Nach Düngung, Verarbeitung und Konsum landen 15% des P in Gewässer, 40% in der Abfallwirtschaft und 15% im landwirtschaftlichen Boden, ohne vollständig von den Pflanzen aufgenommen zu werden. Dies zeigt einen problematischen Umgang sowohl mit der Ressource Phosphor, als auch den Ressourcen Boden (Überdüngung) und Gewässern (verstärktes Algenwachstum durch P) (Egle et al., 2014).
Im Gegensatz dazu besitzt Uganda derzeit nicht genutzte natürliche P-Lagerstätten von rund 370 kg/EW. Der Import von Dünge-, Nahrungs- und Futtermittel ist nur 10% dessen von Österreich, weswegen keine Überdüngung, sondern einen Nettoentzug an P stattfindet, was sich langfristig nachteilig auf die Erträge auswirkt. Auch in die Gewässer gelangt eine weit geringere Menge. Zwar ist auch die Menge im in Abfällen kleiner, jedoch ist dieser Fluss aufgrund des geringen P-Einsatzes in der Landwirtschaft relativ gesehen wichtiger (Lederer et al., 2014).


Abbildungen 3a und 3b: P-Flüsse in Österreich (oben) und Uganda (unten) im Vergleich (Egle et al., 2014; Lederer et al., 2014)
Ein sorgsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen in Bezug auf Phosphor bedeutet in den EU15 daher 1) weniger P-Dünger aufzubringen, um natürliche P-Vorkommen, Gewässer und Böden zu schonen und 2) den notwendigen Dünger so weit wie möglich aus anthropogenen Quellen zu gewinnen. Für Uganda hat die Nutzung vorhandener anthropogener und anschließend natürlicher P-Vorkommen oberste Priorität, um die wachsende Bevölkerung ernähren zu können, ohne dabei, wie in den EU15, die Ressourcen Boden und Gewässer zu gefährden.
Der schonende und effektive Umgang mit verschiedenen Ressourcen ist eine der größten Aufgaben heutiger Gesellschaften. Welche Ressourcen dabei jeweils von Bedeutung sind, muss von Fall zu Fall untersucht werden. Der dafür notwendigen Differenzierung sollte sich die Entwicklungsforschung annehmen, um den Ressourcendiskurs und somit auch die Praxis gesellschaftlichen Handelns dementsprechend gestalten zu können.
Der Autor studierte Bauingenieurwesen (TU Wien) und Internationale Entwicklung (Uni Wien) und machte sein Doktorat der Technischen Wissenschaften an der TU Wien. Derzeit arbeitet er als Post Doc am CD-Labor für Anthropogene Ressourcen, Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft an der TU Wien. Er ist in Forschung und Lehre mit den Schwerpunkten Abfallwirtschaftssysteme sowie Bewertung anthropogener und natürlicher Ressourcen tätig; regionale Schwerpunkte: Europa, Ostafrika, Südostasien. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at .
Quellen:
Cordell, D., Drangert, J.-O., White, S., 2009. The story of phosphorus: Global food security and food for thought. Global Environmental Change 19, 292-305.
Egle, L., Zoboli, O., Thaler, S., Rechberger, H., Zessner, M., 2014. The Austrian P budget as a basis for resource optimization. Resources, Conservation and Recycling 83, 152-162.
Hubbert, M.K., 1956. Nuclear energy and the fossil fuel. Drilling and production practice.
IEA, 2000. Oil market report December 2000. International Energy Agency, Paris.
Lederer, J., Karungi, J., Ogwang, F., 2014. Nährstoffflüsse in Uganda: Eine Fallstudie aus dem Busia District. Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft 66/1-2, 40-50.
Lederer, J., Laner, D., Fellner, J., in press. A framework for the evaluation of anthropogenic resources: The case study of phosphorus stocks in Austria. Journal of Cleaner Production.
Solomon, S., 2007. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. IPCC, Cambridge.