Partizipation, Nachhaltigkeit, Armutsreduktion, Verteilungsgerechtigkeit, Ownership… – zahlreiche Schlagwörter der Entwicklungszusammenarbeit treffen sich im Klimadschungel. Hohe finanzielle Mittel werden investiert, um die Auswirkungen einer nicht-nachhaltigen Lebensweise andernorts durch Ausgleichszahlungen zu kompensieren.
Was ist CO2 Kompensation?
Wo auf der Welt Treibhausgase (THG) in die Atmosphäre emittiert werden und wo sie reduziert werden, ist für die Veränderungen des Weltklima an sich unerheblich. Die Gesamtmenge der THG Emissionen macht den Klimawandel! THG Emissionen, die auf einem Teil der Erde verursacht wurden, können auf einem völlig anderen Teil der Erde kompensiert werden. CO2 Kompensation von Flugreisen ist eine Möglichkeit dies zu tun. Sie bietet die Möglichkeit, die durch das Fliegen verursachten Emissionen auf anderer Art und Weise einzusparen. In den letzten Jahren sind CO2 Kompensationssysteme unterschiedlichster Qualität entstanden. Dafür werden verschiedene Klimaschutzprojekte und CO2 Berechnungsstandards angewandt.
Die vielen Gesichter des ,Freikaufs‘
CO2 Kompensation hat allerdings viele Gesichter. Die Bandbreite reicht vom Versuch sich ein reines Gewissen erkaufen zu wollen, indem man möglichst großflächige Plantagen schnellwüchsiger Baumarten in südlichen Ländern anlegt, bis zu sozial und ökologisch verantwortlichen Klimaschutzprojekten. Letztere versuchen die Mittel zu verwenden, um in langwierigen Prozessen Land zu rehabilitieren, das einerseits der lokalen Bevölkerung Nutzen bringen soll, anderseits auch die Biodiversität und die Waldbedeckung erhöhen soll. Teils werden in solchen Projekten auch direkt Gelder an die betroffene Bevölkerung bezahlt, die Land für die Aufforstungen aufgeben musste oder sonstige Nachteile durch die Wiederbewaldung hat; beispielsweise durch Nutzungsaufgabe für Beweidung oder Holzentnahme.
Das BOKU CO2 – Kompensationssystem
An der BOKU werden seit 2013 – aufbauend auf Erfahrungen mit erfolgreichen Forschungsprojekten mit Klimaschutzbezug – innovative und partizipative BOKU Klimaschutzprojekte geplant, finanziert, umgesetzt und betreut. Das Ziel ist es, durch Pilot-Klimaschutzprojekte und begleitender Forschung, strukturelle und nachhaltige ökologische und soziale Verbesserungen vor Ort zu etablieren. Für die Anerkennung als CDM (Clean Development Mechanism) oder VCM (Voluntary Carbon Market) registriertes Klimaschutzprojekt müssen anerkannte und geprüfte Berechnungsmethoden angewandt werden. Diese basieren meist auf den Standards des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Die Berechnung des gebundenen CO2 im Rahmen des BOKU Systems findet unter Anwendung der Methoden der entsprechenden Klimarahmenkonvention (Clean Development Mechanism – CDM) und in Anlehnung an den Climate, Community & Biodiversity Alliance (CCBA) Standard statt.
Partizipation in Ambober
Das Centre for Development Research (CDR) setzt in Nord Gondar (Äthiopien) ein Klimaschutzprojekt im Auftrag des CO2-Kompensationssystems der Universität für Bodenkultur (BOKU) gemeinsam mit dem lokalen Partner Amhara Region Agricultural Research Institute (ARARI) um. In Ambober, einem langjährigen Partnergebiet von BOKU und ARARI, wurde im Juni 2013 ein partizipativer Prozess mit der lokalen Bevölkerung in zwei betroffenen Dörfern gestartet. Zunächst sollten die BewohnerInnen bestimmen, ob das Projekt überhaupt stattfinden sollte. Nach der Zustimmung wurde die detaillierte Umsetzung gemeinsam mit der Bevölkerung geplant. Dabei ging es um die Bestimmung der Größe und Lage der Flächen, die Baumartenzusammensetzung, die Regelung der Überwachung und späteren Nutzung der Flächen und auch um Entscheidungen über die nachhaltige Nutzung der ins Projektgebiet fließenden Kompensationsgelder. Dabei gab es nur eine Bedingung: Eine direkte monetäre Auszahlung wurde vorab ausgeschlossen, das Geld musste in nachhaltige Maßnahmen zur Verbesserung der Einkommenslage der jungen, großteils landlosen Generationen verwendet werden. Dieser Planungsprozess wurde von den BäuerInnen vor Ort mit Hilfe eines Begleiters und einer Begleiterin von ARARI über die Dauer eines Jahres fortgeführt. Der Prozess wurde auch wissenschaftlich begleitet und dokumentiert um für Folgeprojekte nützliche Lernprozesse zu erfassen.
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Birgit Habermann (Ökologie, Agroforstwirtschaft und Entwicklungsforschung mit Schwerpunkt Wissenschaftsforschung) und Florian Peloschek (Agrarökologie und Entwicklungsforschung mit Schwerpunkt Kapazitätsentwicklung) arbeiten am Centre for Development Research (CDR) der Universität für Bodenkultur, Wien. Ihre PartnerInnen in Äthiopien, der Agrarsozioökonom Yonas Worku (Sozioökonomie, Partizipation und Umwelt) und die Soziologin Helen Teklu (Partizipation, Gender), sind für das Amhara Agricultural Research Institute (ARARI) in Gondar tätig. Sie arbeiten gemeinsam in den Projekten COPE-NG und Carbo-Part (Kohlenstoffspeicherung und Bodenbiodiversität in Äthiopien: Knowledge base und participatory management).
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