OXIMUN Treffen für IdealistInnen von Morgen?

Lasst uns doch die Welt retten! Ende Oktober 2010 wurde bei der achten „Oxford International Model United Nations“ StudentInnen aus allen Ländern die Möglichkeit gegeben, einmal selbst dabei zu sein, wenn eine Resolution wie bei den Vereinten Nationen erarbeitet wird.

MUNs (Model United Nations), wie auch die OXIMUN eine ist, zielen darauf ab, eine möglichst authentische Simulation der Vereinten Nationen mit StudentInnen aus allen Ländern der Welt nach zu stellen. Genauso wie in der Realität gibt es auch bei den MUNs verschiedene Komitees, wie z.B. der Security Council, die General Assembly“ und noch viele weitere Unterkomitees. Jedes Jahr sind weltweit um die 200.000 StudentInnen bei der internationalen Veranstaltung anzutreffen.

Ein Traum wird fast wahr?

Ist es nicht der heimliche Traum vieler StudentInnen, nachhaltig in internationalen Entscheidungsprozessen mitwirken zu können? Die von der Oxford Universität veranstaltete Konferenz gab nun die Chance, in das Prozedere der UN hinein zu schnuppern und kennen zu lernen, wie eine offizielle Resolution entsteht.

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Die Qual der Wahl in den Komitees

Augen zu und durch

Hört sich doch interessant an, dachte ich mir noch vor einigen Monaten, als mich MitstudentInnen aufforderten mitzufahren. Nicht viel kam mir in den Sinn und noch weniger Vorstellungen hatte ich, wie das Ganze wohl ablaufen würde. Einen Monat vor der OXIMUN begannen dann unsere Vorbereitungen. Die Wiener Delegation bekam die Länder Kuba und Kenia und verschiedene Sitze in den Komitees zugewiesen. Nachdem mir mitgeteilt wurde, dass ich im Komitee der „African Union“ als Vertreterin Kenias sitze, begann ich, mich in die Thematik einzulesen. Zusätzlich wurden zwei Themen angegeben, die vorbereitet werden mussten. Zum einen die Frage Westsahara als ein nicht-selbstregierendes Territorium und zum anderen die Frage Ressourcenmanagement in der demokratischen Republik Kongo. Beide Themen schienen für mich sehr interessant und anspruchsvoll. Nun war es meine Aufgabe, die Position Kenias zu diesen Themen zu recherchieren, um diese auch realitätsgetreu nachstellen zu können. Denn die StudentInnen, die es schaffen, die Position ihres Landes überzeugend und diplomatisch darzustellen, konnten sich auf einen „Oximun Award“ freuen.

Debatte! Los gehts!

So schnell konnte ich gar nicht sehen und ich saß bereits in meinem „African Union“-Komitee. Man drückte mir eine Plakette mit „Kenya“ beschriftet in die Hand und schon ging es auch los. Jedes Land sollte anfangs seine Position präsentieren, um festzustellen, welche Länder ähnliche Interessen und Positionen haben und somit gemeinsam eine Resolution erarbeiten könnten. Schon bald merkte ich, dass manche der anderen StudentInnen bereits Routine in diesen Abläufen entwickelt hatten und sowohl rhetorisch und als auch fachlich versiert waren. Besonders auffallend waren hier die Studenten der US amerikanischen Militär Universität in West Point. Als Vertreter von Südafrika gab ein Student schon von Anfang an den Ton an. Er wusste bestens Bescheid über das Prozedere und hatte keine Probleme, makellose Spontanreden zu halten.

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Debattieren und Floskeln schwingen in den Komitees

Übung macht den Meister

In Gesprächen mit anderen StudentInnen stellte sich bald heraus, dass diese regelmäßig in Debattierclubs solche Szenarien üben und sich daher auch schon bestens vorbereitet hatten. Zusätzlich waren einige dabei, die schon mehr als fünf Mal so einem „Model United Nations“ beigewohnt hatten. Neben dem starken US-amerikanischen Studenten stellten auch VertreterInnen aus Indien, Belgien und Holland ihr Wissen und rhetorisches Können unter Beweis. All diese waren Teil einer „Students Association“, mit jeweils gleichen Uniformen, Krawatten, Tüchern und Visitenkarten ausgestattet. Das Auftreten alleine irritierte mich schon leicht, vor allem als mir einer der Studenten eine extra angefertigte Visitenkarte für OXIMUN mit dem Land, das er vertrat, in die Hand drückte. Manche der TeilnehmerInnen nahmen die Veranstaltung wohl wirklich sehr ernst und wirkten auf mich wie „Roboter“, die von ihren MentorInnen ständig in den Komitees überwacht wurden. Viele der TeilnehmerInnen waren gerade mal 18 Jahre alt und hatten sich bereits voll und ganz in die Handlunsgabläufe eingelebt und ihr selbstständiges Denken hinten angestellt. So musste ich mich wirklich fragen, wofür diese StudentInnen herangezogen werden. Dass Sie eines Tages einen tollen Job in einer multilateralen Organisation bekommen, liegt auf der Hand. Ob sie dann jedoch noch Eigenständigkeit in ihrem Denken vorweisen können, ist eventuell zu bezweifeln.

Die Ja-Sager

Im normalen Leben würden sich diese Verhandlungen noch einige Tage mehr hinausziehen. Eine Einigkeit zwischen all den afrikanischen Ländern herzustellen, ist in Realität natürlich um einiges schwieriger. Viele Länderpositionen wurden von den StudentInnen milder dargestellt. Der Abgeordnete von Marokko stimmte schlussendlich einer Resolution zu, die die Unabhängigkeit von Westsahara akzeptierte. Im wirklichen Leben bestehen diese Konflikte und Unstimmigkeiten schon seit 1974, als Marokkos König Hassan II den Anschluss der Westsahara an Marokko forderte. Bisher gibt es noch keine Lösung des Konflikts. Am letzten Verhandlungstag war schon allen beteiligten StudentInnen die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Die verschiedenen Positionen erwiesen sich als zu kontrovers und dennoch wollten wir unbedingt eine „Resolution“ zustande bringen bzw. „erzwingen“. Schlussendlich stimmten alle der erarbeiteten Resolution zu. Schade eigentlich, dass sich diese mehrtägigen Debatten kaum um die Interessen der Menschen in den Konfliktregionen drehten. Stattdessen achtete jedeR darauf, diplomatisch richtig zu handeln, um einen „Award“ zu bekommen.

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Abschlusszeremonie in der Oxford Town Hall

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert internationale Entwicklung und Bildungswissenschaften an der Universität Wien.

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Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.