Kleinbauern und -bäuerinnen gerieten seit den 1960er Jahren zunehmend in die Abhängigkeit von multinationalen Konzernen. Am Beispiel Brasilien zeigt die Autorin Probleme auf, die entstehen, wenn kleinbäuerliche Produktion auf den internationalen Markt trifft. Zwischen den 1960er und 1980er Jahren verloren in Brasilien viele Kleinbauern und -bäuerinnen ihre Unabhängigkeit, da sich kapitalistische Arbeitsverhältnisse am Land durchsetzten. Sie wurden zunehmend zu ZuliefererInnen von multinationalen Konzernen. Die Weltmarktproduktion führte in Form von großen Bergbau-, Energie- und Infrastrukturprojekten vielerorts zu Verdrängung und Anpassung sowohl der kleinbäuerlichen, als auch der indigenen Produktionsweisen. Diese zeichnen sich in der Regel durch einen besonderen Naturbezug und kenntnisreiche Bewirtschaftung der jeweiligen Region aus. Durch externe Einflüsse wurde diese Art von nachhaltiger Bewirtschaftung in ganzen Regionen zerstört. Das Resultat war, dass die Bevölkerung in Städte abgewandert ist und ökologisch sensible Regionen erodierten und verwüstet wurden. Das Beispiel Brasilien steht hier nur stellvertretend für ähnliche Entwicklungen in vielen anderen Ländern.
Unterstützung kleinbäuerlicher Produktionsweisen
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit setzt seit jeher einen Schwerpunkt auf ländliche Entwicklung. Seit Mitte der 1990er werden umfassende Programmstrategien erarbeitet, die mit nationalen Strategien und lokalen Prozessen abgestimmt werden. Maßnahmen zur Erhaltung und zum Schutz der Biodiversität, zur Sicherung von Grund und Boden, sowie zu dessen dauerhafter Nutzung als Produktionsfaktor werden finanziell unterstützt. Dabei steht ein nutzenorientiertes Umweltmanagement im Vordergrund. Dieses zielt darauf ab, dass Landbau im Sinne der Nachhaltigkeit organisch und standortangepasst betrieben werden soll. Besonders wichtig sind die Maßnahmen, die zur lokalen und nationalen Ernährungssicherheit gegenüber der großflächigen Produktion, der so genannten „Cash Crops“ (monokulturelle Herstellung von Rohstoffen, z.B. Kokosöl oder Soja, für den Export), ergriffen werden. Es werden ausschließlich kleinbäuerliche Betriebe gefördert und besonders Frauen unterstützt, die oft Kleinfarmen allein betreiben. In allem spielt die Partizipation der lokalen Bevölkerung eine bedeutende Rolle. Doch wie sehen Projekte, die solche Vorhaben fördern sollen, konkret aus?
Beispiel „Projekt Austria“
Ein bereits abgeschlossenes Entwicklungsprojekt ist das so genannte „Projekt Austria“ in Brasilien, das von 1993 bis 1997 mit Unterstützung der österreichischen Regierung durchgeführt wurde. Es entstand aus einer Initiative der landwirtschaftlichen Genossenschaft von Xapuri im Sammelreservat „Chico Mendes“ und des Instituts für Raumplanung und Regionalentwicklung der WU Wien. Das Projekt hatte zum Ziel, die Lebensgrundlagen von Kautschuksammler-Familien im Sammelreservat „Chico Mendes“ im Bundesstaat Acre im Nordwesten Brasiliens zu verbessern und dabei die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung des Regenwaldes zu fördern.
Die betroffene nicht-indianische Bevölkerung hatte sich ursprünglich im 19. Jahrhundert in Folge des Kautschukbooms in Acre angesiedelt. Der Kautschuk wurde von den im Regenwald wachsenden Kautschukbäumen entnommen, Nahrungsmittel wurden zum Teil gesammelt und zum Teil angebaut. Die Lebensweise der Kautschuksammler entsprach den Kriterien der Nachhaltigkeit, da sie den Regenwald nicht zerstörte.
Spätestens in den 1970er Jahren begann jedoch die Zeit der großen Ausbeutung. Die brasilianische Regierung förderte die Ansiedlung großer Unternehmen in der Region, unter anderem deswegen, weil sich die Kautschukproduktion aufgrund der gesunkenen Gummipreise nicht mehr gelohnt hatte. Unternehmen erwarben große Teile des Regenwaldes zum Zweck der Bodenspekulation. Doch der Boden war weniger wert, wenn Menschen darauf wohnten. So wurden die KautschuksammlerInnen gewaltsam aus dem Regenwald vertrieben. Große Mengen an Wald wurden für die Holzwirtschaft gerodet und brach gewordene Flächen gingen in die Viehzucht über. Da diese Nutzungsform bald zu Bodenerosionen führte, wurde immer mehr Regenwald gerodet. Nachhaltige Nutzung wurde in immer größer werdenden Bereichen unmöglich und das Vordringen der Holzwirtschaft und der Viehzucht bedrohte die Existenz der verbliebenen KautschuksammlerInnen, die nicht in Städte gezogen waren.
Ab den 1990ern wurden Sammelreservate gegründet, in denen die RegenwaldbewohnerInnen das Nutzungsrecht nicht aber das Eigentumsrecht zugesprochen bekamen. Zwischen 1993 und 1997 versuchte das „Projekt Austria“ die genannten Ziele über eine Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Paranussproduktion zu erreichen. Zusätzlich zur Paranuss, die ebenfalls ein natürlicher Rohstoff des Regenwaldes ist, wurden auch neue landwirtschaftliche Produkte eingeführt. Man setzte auf Subsistenzwirtschaft, um eine Unabhängigkeit von Weltmarktpreisschwankungen zu erreichen und langfristig Lebensgrundlagen zu sichern. Bisher wurden die Ziele, soweit dies in der Kürze der Projektdauer möglich war, erreicht.
Kleine Schritte in die richtige Richtung
Durch die Stärkung kleinbäuerlicher Aktivitäten und Bewegungen kann eine nachhaltige Nutzung des Regenwaldes vorangetrieben werden. Wenn es sich auch, angesichts der stetig weiter durchgeführten Rodung von Waldflächen an anderen Stellen, nur um kleine Schritte handelt, so ist es doch ein Schritt in die richtige Richtung. Soll die Natur bewahrt werden, kann dies nur mit Hilfe jener erreicht werden, die eng mit ihr verbunden sind.
Quellen
Andreas Novy (1997): Über die Nachhaltigkeit von Herrschaft: Eine selbstkritische Analyse eines Entwicklungsprojektes in Acre/Brasilien, In: Werner Raza und Andreas Novy (Hg.): Nachhaltig reich, nachhaltig arm? Frankfurt/Main, S. 70-88.
Werner Raza (Hg.) (2000): Recht auf Umwelt oder Umwelt ohne Recht? Frankfurt/Main.
Die Autorin ist Studentin der Internationalen Entwicklung.