Humanitarian aid under fire

Die Organisationen Global Responsibility, Ärzte ohne Grenzen, Caritas und das Österreichische Rote Kreuz luden am Freitag, 6. März zum Third Humanitarian Congress in Wien ein. Etwa 500 Gäste diskutierten dort über die zukünftigen Herausforderungen der Humanitären Hilfe.

Es geht um Menschenrechte, nicht um Wohltätigkeit

Einen ganzen Tag lauschte das Publikum verschiedensten Vorträgen von Engagierten der Humanitären Hilfe. Diese sprachen zum Spannungsfeld Humanitärer Aktionen und internationaler Politik, dem Einfluss Sozialer Medien auf die Effektivität Humanitärer Handlungen, der Frage, ob Humanitäre Hilfe Krieg verlängere und der Bedrohung des „Humanitären Raumes“. Humanitärer Raum wurde von den Veranstaltenden so definiert, dass in Krisenregionen Internationales Humanitäres Recht respektiert werde, humanitäre ArbeiterInnen relativ sicher seien und ihnen Zugang zur gefährdeten Bevölkerung zugestanden werde. Der regionale Schwerpunkt lag auf Lampedusa und dem Mittleren Osten.

Auch die Rolle Österreichs wurde von den VeranstalterInnen und anwesenden PolitikerInnen wie Rudolf Hundstorfer und Peter Launsky-Tieffenthal erörtert: Österreich gebe wenig Geld für Humanitäre Hilfe aus, obwohl das Land reich sei. Hier fehle es an politischem Willen. Die VeranstalterInnen forderten die anwesenden PolitikerInnen direkt auf, Gelder in Höhe von 20 Millionen Euro zu investieren.

Humanitäre HelferInnen sind nicht mehr sicher

Kyung-Wha Kang (UN) betonte, die Humanitäre Hilfe sei in einer Existenzkrise, da Humanitäre HelferInnen auf Einsätzen vermehrt bedroht, gekidnappt und sogar getötet würden. Außerdem werde der Druck von Seiten der GeldgeberInnen erhöht, in weniger Zeit mehr zu leisten.

Yves Daccord (Rotes Kreuz) forderte die Humanitären Organisationen auf, ihre Prioritäten zu klären und sich die Frage zu stellen, was der Mehrwert der Humanitären Hilfe sei. Der Zugang von humanitären Organisationen zu Krisengebieten solle nicht nur dazu genützt werden, Menschen akut beizustehen. Zusätzlich sollen Informationen nach außen getragen werden, wo es für Journalisten zu gefährlich sei. Weiters müssten sich die Organisationen fragen, welche Risiken sie für ihre MitarbeiterInnen tolerieren.

Imam und Erzbischof gemeinsam für Frieden in der Zentralafrikanischen Republik

In Dörfern der Zentralafrikanischen Republik setzen sich geistliche Vertreter der christlichen und der muslimischen Glaubensgemeinschaft für ein friedliches Miteinander ein. Imam Kobine und Erzbischof Nzapalainga erzählten am Kongress von ihren Bemühungen, die kämpfenden Bevölkerungsgruppen zu versöhnen.

Auch die Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen Amsterdam, Karline Klejer, berichtete von ihren Erlebnissen in der Zentralafrikanischen Republik. Sie machte deutlich, dass Humanitärer Raum nicht selbstverständlich sei, sondern oft mit Risiken für Mitglieder ziviler humanitärer Organisationen verbunden sei. Menschen hätten ein Recht auf Humanitäre Hilfe und diese dürfe nicht zugunsten ökonomischer und politischer Interessen missbraucht werden.

Kathrin Schick (Voice) warnte, dass Humanitäre AkteurInnen zwar helfen sollten, jedoch nicht als Regierung auftreten dürften. Außerdem wünschte sie mehr Kooperation zwischen den Organisationen.

„Wie viele Opfer wollt ihr noch, bis ihr beginnt, etwas zu tun?“

Tareke Brhane flüchtete einst selbst aus Eritrea und erreichte über das Mittelmeer Lampedusa. Er arbeitet nun mit der Hilfsorganisation Save the Children, um ankommenden MigrantInnen beizustehen. „Rechte sind heute wie ein Roman“ rief er dem Publikum zu, „nett zu lesen, aber in Wirklichkeit existieren sie nicht!“ Die vielen Menschen, die die Überfahrt nach Italien nicht überlebten, würden anonym bleiben. Das nehme ihnen ihre Würde als Menschen und es sei leichter, sie unsichtbar zu machen. Die EU solle sich endlich auf eine gemeinsame Migrationspolitik einigen und Italien nicht im Stich lassen.

Alles in Allem war der Tag geprägt von einer Vielfalt an TeilnehmerInnen aus Politik, Humanitären Organisationen, Zivilgesellschaft und Diplomatie aus verschiedenen Ländern, sowie Appellen an die Bundesregierung, mehr finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen – weil es eben nicht um Wohltätigkeit gehe, sondern um Menschenrechte.

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at



Weiterführende Links:


– Kongresswebseite: https://www.humanitariancongress.at/

Global Responsibility: https://globalresponsibility.org/

– Ärzte ohne Grenzen: https://www.aerzte-ohne-grenzen.at/

– Caritas Österreich: https://www.caritas.at/

– Rotes Kreuz International: https://www.icrc.org/en

Voice: https://www.ngovoice.org/

Save the Children: https://www.savethechildren.de/

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik, Themen.