Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) und die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) luden am 11. Juni 2013 zur zweifachen Würdigung von Herta Pammer ein. Einerseits wurde in ihrem Namen bereits zum neunten Male ein Preis für Frauenarbeit in der Entwicklungsförderung vergeben. Andererseits heißt nun der Weg neben dem C3 – Centrum für Internationale Entwicklung „Herta Pammer-Weg“.
Professorin Herta Pammer, geboren 1905 und verstorben 1995 in Wien, engagierte sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Aufbau einer gesamtösterreichischen katholischen Frauenbewegung. 1957 wurde sie als Diözesanleiterin der Katholischen Frauenbewegung Wiens zur Vorsitzenden der Katholischen Frauenbewegung Österreichs gewählt und übte dieses Amt bis 1978 aus. Daneben war sie ab 1974 ordentliches Mitglied des Kuratoriums der ÖFSE. Dem Engagement Herta Pammers ist es zu verdanken, dass die kfbö seit 1958 mit der Aktion „Familienfasttag“ Spenden sammelt, um Hunger und Not im globalen Süden entgegenzutreten. Diese wurde zur europaweit ersten großen kirchlichen Kampagne der Nachkriegszeit gegen Hunger in der Welt. Neben der Spendenakquise möchte die Kirche mit der Aktion im Norden Bewusstsein für empfundene Nöte des Südens wecken. Die Kampagne wird ergänzt durch ein Stipendienprogramm, das jungen Menschen ein Grundstudium in ihrer Heimat ermöglicht und qualifizierten AkademikerInnen des Südens einen Aufbaustudienplatz in Österreich finanziert.
In Erinnerung an Herta Pammer und ihr außergewöhnliches entwicklungspolitisches Engagement wurde nun am 11. Juni 2013 der Weg, der von der Sensengasse am C3 – Centrum für Internationale Entwicklung entlang in den Arne-Carlsson-Park führt, unter dem Namen „Herta Pammer-Weg“ eingeweiht. Zu diesem Anlass wurde auch der Herta Pammer-Preis für Frauen, die sich entwicklungs- und medienpolitisch engagieren, vergeben. Wir haben das Ereignis für Sie in Bildern festgehalten:

Heinz Hödl (Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission sowie stellvertretender Vorsitzender des ÖFSE-Kuratoriums) und Ruth Anker (stellvertretende Vorsitzende der kfbö) weihen den Herta Pammer-Weg ein.

Familie, FreundInnen und KollegInnen der Namensgeberin vor der Informationstafel des frisch benannten Weges.

Gundi Dick (rechts) bedankt sich für ihre Auszeichnung in der Kategorie Wissenschaft. Mit ihrer Master-Thesis zu weiblichen Flüchtlingen im oft vergessenen Konflikt der Westsahara habe sie ein lebendiges Zeugnis geschaffen, in dem betroffene und marginalisierte Frauen direkt zu Wort kommen, so Karin Schönpflug (Mitte, Ökonomin am Institut für Höhere Studien Wien), die die Laudatio hielt.

Barbara Gärber (rechts) warf mit ihrer Diplomarbeit zur Unsicherheit der Landrechte vieler Frauen in Uganda eine feministische Perspektive auf die grundlegende soziale Ressource des Landzugangs. Ihre Laudatorin Petra Dannecker (links) freut sich als Leiterin des Instituts für Internationale Entwicklung der Universität Wien über diese ausgezeichnete Arbeit, die sich in eine ganze Reihe hervorstechender Leistungen der Studierenden der Internationalen Entwicklung einreihen lasse. Barbara Haas (Mitte), Vorsitzende der kfbö, gratuliert der Preisträgerin.

Mit ihrem Ö1-Hörspiel „Ein Platz in der Welt“ über die Erfahrungen einer gefolterten Kurdin hat Patricia Otuka-Karner (rechts) für ihre Laudatorin Maria Katharina Moser (links) „Mut zur Sendung“ bewiesen. Gerade dadurch, dass der Beitrag gegen jede journalistische Regel verstößt, gelinge ihr, das Radiopublikum für eine oft vernachlässigte Perspektive aufhorchen zu lassen, was einen Sonderpreis in der Kategorie Medien verdiene.

Elisabeth Putz gelang mit ihrer vierteiligen Artikelreihe eine Süd-Süd-Perspektive auf die Vielfalt der Rollen und Alltagswelten von Frauen in Uganda. Insbesondere das vollständige Eintauchen in die dargelegten Geschichten ist für ihre Laudatorin Brigitte Handlos vom ORF eine seltene und auszeichnungswerte JournalistInnengabe.

Die Preisträgerinnen 2013 (v.l.n.r.) Barbara Gärber, Patricia Otuka-Karner, Gundi Dick und Elisabeth Putz mit der kfbö-Vorsitzenden Barbara Haas (Mitte), vor dem Bild von Herta Pammer.

Das Foyer der C3 – Bibliothek für Entwicklungspolitik war anlässlich der Preisverleihung bis in die letzten Sitzreihen mit Interessierten, FreundInnen und Familien von Herta Pammer und den Preisträgerinnen gefüllt. Für musikalische Untermalung sorgten Swantje Lampert und Barbara Rektenwald von The FeMale Jazz Art.

Auch für eine Vielfalt an leckerer vegetarischer Verköstigungen war gesorgt und so klang der Abend in informellen Begegnungen aus.
Der Autor und Fotograf ist Praktikant im Paulo Freire Zentrum und studiert Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.