Frauenrechte in Eritrea – Kampf aus der Diaspora.

Die problematische Menschenrechtssituation in Eritrea betrifft ganz besonders Frauen. Da sie in ihrem Herkunftsland nicht unterstützt werden, vernetzen sich Eritreerinnen in der Diaspora und kämpfen für ihre Rechte.

Gemeinsamer Kampf für Sicherheit und soziale Gerechtigkeit.

Frauenrechte in Eritrea sind keine Selbstverständlichkeit. Eine Lesung und Diskussion, organisiert von Ishraga Mustafa Hamid in Kooperation mit dem Komitee Writer in Prison – P.E.N Club Austria und der Frauen*Solidarität widmete sich am 9. November 2018 im International Institute for Peace (dt.: Institut für Frieden) in Wien dieser Thematik. Unter den Vortragenden waren im Exil lebende Eritreerinnen. Die in Australien lebende Manal Younus eröffnete den Abend. Die feministische Spoken Word (dt.: Gesprochenes Wort) Poetin ist als Künstlerin und Aktivistin international bekannt und engagiert sich für Menschenrechte von Frauen in Eritrea. Khedijah Ali Mohammed-Nur ist Gründungsmitglied des Network of Eritrean Women (dt.: Netzwerk eritreischer Frauen), sowie Mitglied der UK Women’s International League for Peace and Freedom (dt.: Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit) und Teil der Voices of African Women (dt.: Stimmen afrikanischer Frauen) Kampagne. Die dritte Diskutantin, Helen Kidan, ebenfalls Mitglied im Network of Eritrean Women, berichtete von ihren Erfahrungen als Menschenrechtsaktivistin und über die aktuelle Situation in Eritrea.

Stimmen von Menschenrechtsaktivistinnen aus der Diaspora.

Auf Grund der prekären Lage in Eritrea seien Bemühungen vor Ort kaum möglich, weshalb sich Frauen außerhalb ihrer Herkunftsländer zusammenschließen und so aus der Diaspora heraus für die Verbesserung der Situation von Frauen in Eritrea einstehen. Die Regierung unterstütze Frauen nicht und erschwere somit den Kampf für die Anerkennung von Grundrechten. Dieses Schicksal teilen zahlreiche eritreische Frauen, viele von ihnen verlassen das Land und vernetzen sich in der Diaspora. Manal Younus thematisierte in ihren Gedichten genau dieses Leben in der Diaspora und dem im Gegensatz dazu bestehenden Gefühl der Verbundenheit zur bekannten und zugleich unbekannten Heimat Eritrea. „Dieses Gefühl von Zerwürfnis teilen viele Eritreer*innen “, so Younus.

Internationale Vernetzung als entscheidende Maßnahme.

Der thematische Fokus des Abends lag vor allem auf dem Aspekt der Vernetzung. In diesem Zusammenhang berichtete Khedija Mohammed-Nur über die Gründung sowie die Ziele des Network of Eritrean Women. Der in der Diaspora entstandene Zusammenschluss spielte eine entscheidende Rolle während des Strebens nach der Unabhängigkeit Eritreas, so Mohammed-Nur. Zentral war der Traum von Befreiung von der Diktatur im Land sowie die marginalisierte Situation von Frauen zu verbessern, fasste sie zusammen. Im Jahr 2013 etablierte sich mit Hilfe sozialer Medienplattformen das Netzwerk eritreischer Frauen. Hauptprinzipien der Vereinigung seien die Ermächtigung von Frauen durch Bildung, die Bekämpfung von sexualisierter Gewalt und Missbrauch sowie das Ziel der Vernetzung von Eritreer*innen, aber auch von Menschen aus anderen Teilen Afrikas sowie auf internationaler Ebene. „We want to ensure a society for all of us free from violence, we want women to be empowered and our mission is to connect“, erläuterte die Aktivistin. In Kollaboration mit zahlreichen Partnerorganisationen setzen sie sich für eine nachhaltige Verbesserung der Situation von Frauen ein. Die Menschenrechtsaktivistin Helen Kidan vertrat 2016 und 2017 das Netzwerk eritreischer Frauen im UN-Menschenrechtsrat in Genf. Auf diese Weise wollen sie den Stimmen von Frauen aus afrikanischen Ländern auf internationaler Ebene Gehör verschaffen und sich gemeinsam mit anderen Organisationen für die Menschenrechtssituation in Eritrea einsetzen.

Human Rights are Women Right.

Seit Erlangung der Unabhängigkeit Eritreas werden Frauen, trotz ihrer integralen Rolle während des Prozesses, von der Regierung weiterhin von gesamtgesellschaftlichen Kernfragen ausgegrenzt, verdeutlichte Kidan. Die fortwährende Exklusion von Frauen aus öffentlichen Bereichen fördere Korruption und Gewalt im Land. Insbesondere werde der Schutz marginalisierter Gruppen sowie die Reduzierung von Gewalt und Missbrauch an Frauen vernachlässigt, so Kidan. Diese Ängste tragen die Frauen mit in die Diaspora. Der Erhalt von Frieden und Menschenrechten kann nur durch die Beteiligung von Frauen erreicht werden, schlussfolgerte die Aktivistin. „Human Rights are Women Rights“, fügte Kidan hinzu. Werde Frauen geholfen, könne Armut drastisch reduziert werden.

Partizipation von Frauen als Lösungsstrategie.

Neben genderbasierter und sexueller Gewalt an Frauen spielen außerdem ethnische Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent eine zentrale Rolle. So kämen Initiativen von Frauen auch bei Friedensverhandlungen mit anderen Staaten, wie z.B. Eritreas Nachbarland Äthiopien, eine entscheidende Funktion zu. Der jahrelange Konflikt zwischen den Ländern basierte vor allem auf Grenzstreitigkeiten. Als Leidtragende von gender-basierter Gewalt plädieren die Frauen dafür, dass Männer nicht nur Probleme ausmachen, sondern Teil des Lösungsweges sein müssten. „As women we promote peace through dialogue“, erklärte Mohammed-Nur.

Nachhaltige Verbesserung der Frauen- und Menschenrechte.

Für eine nachhaltige Umgestaltung Eritreas sei es daher unerlässlich, Frauen in politische und gesamtgesellschaftliche Prozesse miteinzubeziehen und auf ihre entscheidende Rolle hinzuweisen. Aktivistische Stimmen fordern demnach ein gendersensibles Bewusstsein politischer und militärischer Systeme. Es brauche Unterstützung auf internationaler Ebene sowie die Öffnung der Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft, um die Stimmen von Frauen unterschiedlicher afrikanischer Länder hörbar zu machen. Die Aktivistinnen plädieren für eine intensive Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Netzwerken sowie mehr Aufmerksamkeit auf internationaler Ebene, um den Einsatz für Frauen- bzw. Menschenrechte in Eritrea zu ermöglichen.

Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und ist Mitglied im Online-Redaktionsteam. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


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Veröffentlicht in Entwicklungspolitik, Genderungerechtigkeit.