Der für Entwicklungszusammenarbeit zuständige Landesrat und Mitglied der Oberösterreichischen Landesregierung, Josef Stockinger, nahm an der Auftaktpressekonferenz zur Dritten Österreichischen Entwicklungstagung am 17. November 2005 teil.
Anlässlich der Dritten Österreichischen Entwicklungstagung, vom 18. bis 20. November 2005 in Linz, betonte der für Entwicklungszusammenarbeit zuständige Landesrat Josef Stockinger: "Ohne Gerechtigkeit und Entwicklungszusammenarbeit gibt es keinen dauerhaften Frieden. Deshalb ist das bewusste Engagement der oberösterreichischen Landespolitik für die Entwicklungszusammenarbeit auch ein Stück aktive Friedenspolitik." Innerhalb von Österreich setze das Bundesland Oberösterreich im Vergleich zu anderen Bundesländern die kräftigsten Akzente in Richtung Entwicklungshilfe. Mit einem Entwicklungszusammenarbeitsbudget von einer Million Euro im Jahr 2005 habe das Land Oberösterreich beispielsweise heuer bisher 98 konkrete Projekte unterstützt.
Kraftanstrengung aller Länder: Global-Marshall-Plan
Gerade im zu Ende gehenden Jahr der Republiksjubiläen in Österreich weist Landesrat Stockinger auf den gesellschaftlichen Grundauftrag im Engagement um Entwicklungshilfe hin. "Österreich war im Jahr 1945 selbst ein Hungerland und auf der Stufe eines Entwicklungslandes. Uns wurde über den Marshall-Plan beim Wiederaufbau großartig geholfen und so zählt Österreich heute zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Es braucht jetzt eine weltweite Kraftanstrengung aller Länder für einen neuen so genannten Global-Marshall-Plan", argumentiert Stockinger. Die Ideen und Impulse dazu könnten von Österreich ausgehen. Österreich könne damit seinen Beitrag leisten, um die sogenannten UN-Millenniumsziele zu erreichen, nach denen der Hunger sowie die Armut auf der Welt bis zum Jahr 2015 zumindest halbiert werden sollen.
Gegen Liberalisierung des Welthandels im Bereich Landwirtschaft
900 Millionen Menschen der insgesamt 1,2 Milliarden Menschen, die weltweit weniger als 1 Dollar/Tag zur Verfügung haben, lebten in ländlichen Gebieten. In Afrika lebten mehr als 70 % der Armen auf dem Land und verrichteten Tätigkeiten in der Landwirtschaft, betonte Stockinger: "Ländliche Entwicklungschancen sind somit der Schlüssel zum Kampf gegen Armut und spielen eine zentrale Rolle bei der Erreichung der Millenniumsziele". Aus diesem Grund ist Stockinger entschieden gegen das Konzept der in den laufenden WTO-Verhandlungen vorgeschlagenen Liberalisierung des Welthandels im Bereich der Landwirtschaft. Die geplanten Schritte brächten nicht die versprochenen Verbesserungen für die Menschen in den Entwicklungsländern, sondern wären ein weiterer Schritt zur Zerstörung menschlicher und natürlicher Lebensgrundlagen.
Konkrete Schritte für ein gerechtes Miteinander
"Konkrete Schritte für ein gerechtes Miteinander und für faire Lebensbedingungen kann jeder Konsument in seiner täglichen Kaufentscheidung treffen", so Stockinger, und verweist auf das Beispiel Fair-Trade-Kaffee: "10 Kaffee-Trinker sichern mit ihrem Jahreskonsum ein menschenwürdiges Leben einer ganzen Kleinbauernfamilie in den so genannten Entwicklungsländern". Fair-Trade unterstütze weltweit fünf Millionen Menschen in 52 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Im System von Fair-Trade erhielten die ProduzentInnen für ihre Ware faire Mindestpreise, unabhängig von den Weltmarktpreisen. Sie könnten eigenverantwortlich wirtschaften, ihre Existenz weitgehend sichern und menschenwürdigere Lebens- und Arbeitsbedingungen schaffen. "So wird jede Kaufentscheidung", argumentiert Stockinger, "für Produkte mit dem Fair-Trade-Gütesiegel zu einem aktiven Beitrag für eine faire Welt und eine Entwicklungszusammenarbeit". Das Land Oberösterreich sei der erste und größte Betrieb im Land, der in den Dienststellen durchgehend auf Fair-Trade-Kaffee umgestellt habe. Auch im Wareneinkauf der Landesküchen werde in jenen Bereichen, wo es heimische Ware nicht gebe, auf Fair-Trade-Produkte zurückgegriffen. "Diese Grundeinstellung sichert eine hohe Qualität der Lebensmittel sowie den Fortbestand naturnaher Landwirtschaft", betont Stockinger.