Ingrid Urizar (Landpastoral der Erzdiözese Quetzaltenango) und Liliana
Jimenez (Sozialarbeiterin in den Chorti Gemeinden) boten in einem
Workshop der Dritten Österreichischen Entwicklungstagung eine Überblick
über Lebensweisen, Problematiken und Hoffnungen in Guatemala.
"Begegnung mit Gästen" nennt sich die Initiative des Welthauses, die im Rahmen der Entwicklungstagung eine weitere Station nahm. Karin Weissensteiner (Welthaus Salzburg) und Luggi Frauenberger (Welthaus Linz) betreuten die Frauen und leiteten in das Thema ein. Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Luis Cordero durchgeführt.
Der Raum wird verdunkelt. Nacheinander leuchten vier Kerzen auf. Eine weiße Kerze, die die Schöpfung symbolisiert, im Süden die gelbe Kerze, die für die Arbeit von Mann und Frau steht. Die dritte Kerze im Osten ist rot. Sie stellt den Anfang des Lebens dar. Das Ende, die Dunkelheit des Lebens, wird durch die schwarze Kerze symbolisiert.
Mit einem Mayaritual beginnt der Workshop "Das dringlichste Problem. Die Landfrage in Guatemala. Landraub in Guatemala: Der Fall Finca La Perla". Die TeilnehmerInnen werden von zwei Frauen begrüßt. Ingrid Urizar und Liliana Jimenez kommen aus Guatemala und befassen sich in ihrer Arbeit mit der Landfrage. Ingrid Urizar ist Rechtsanwältin beim Landpastoral in Quetzaltenango und berät bei der Gründung von Gewerkschaften im Kaffeeanbaubereich. Lilian Jimenez ist Sozialpädagogin. Sie arbeitet mit benachteiligten indigenen Frauen. Beide Frauen arbeiten mit Bauern und Bäuerinnen zusammen, stellen Informationen bereit und führen Beratungen durch, wie die Umstellung auf biologische Anbauweise funktioniert oder wie Produkte über den Fairen Handel exportiert werden können. "Dies ist ein altes Maya Ritual", erklären die beiden Frauen, "so danken wir der Mutter Erde".
Guatemala
Guatemala. Das Land mit einem großen kulturellen Reichtum. Das frühere Mayareich prägt das Alltagsleben der Menschen noch heute. Alte Maya-Traditionen, die das Zusammenspiel von Mensch und Natur ehren und als gleichgewichtig betrachten, haben auch nach der Invasion der Spanier im 16. Jahrhundert, dem 30-jährigen Bürgerkrieg und der zunehmenden Internationalisierung Bedeutung.
Die politische und soziale Situation in Guatemala stellt sich schwierig dar. Das 19. und 20. Jahrhundert können als Ausgangspunkt der ungerechten Landverteilung gesehen werden. Die EuropäerInnen, die sich in Guatemala angesiedelt haben, stellten die Nahrungsmittelproduktion auf die drei Hauptexportgüter um: Kaffee, Bananen und Baumwolle. Ländereien wurden den Bauern und Bäuerinnen bzw. Gemeinden enteignet und gingen in den Besitz der Großgrundherren über. Auch der Einfluss der USA verändert das Land nachhaltig. Die United Fruit Company siedelte sich an und bestimmt noch heute den Export Guatemalas. Die ländliche Bevölkerung litt unter den Entwicklungen.
"Ein zentralistisches, paternalistisches, rassistisches und ausbeuterisches Modell wurde aufgebaut", erklärt Ingrid Urizar. Der Militärputsch gegen Präsident Jacobo Arbenz, der erste Präsident, der durch demokratische Wahlen hervor gegangen war, ist der Ausgangspunkt des 30- jährigen Bürgerkriegs. Der Krieg von 1960 bis 1996 führte zu keinen wesentlichen Veränderungen in der Landfrage, brachte jedoch Tote und Flüchtlinge. Ganze Volksgruppen wurden ausgerottet, ca. 200.000 Menschen wurden getötet und große Teile der Bevölkerung wurden zu Flüchtlingen. Auf internationalen Druck wurde zwischen der Guerilla und der Regierung ein Friedensvertrag ausgehandelt, der die Landfrage jedoch nicht wesentlich beeinflusste.
Verteilung
Der Unterschied zwischen Arm und Reich, Stadt und Land, Weißen und Indigenas ist groß. 70 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Frauen und Kinder stellen die größte Betroffenengruppe dar. Die Kaffeekrise und die Veränderungen des Klimas verschärften diese Tendenzen. Die Arbeitslosigkeit steigt. Auch die Auswirkungen von El Nino machen sich bemerkbar. Wirbelstürme und Hurricanes zerstörten ganze Dörfer und Plantagen. Infrastruktur, Märkte und Häuser fallen Naturkatastrophen zum Opfer und nehmen den Menschen die ohnehin geringe Lebensgrundlage.
Eine weitere Verschärfung der sozialen Bedingungen stellt das Freihandelsabkommen CAFTA dar, das im Mai 2004 zwischen den USA und Guatemala bzw. den anderen fünf mittelamerikanischen Staaten abgeschlossen wurde. Die billigen Maisimporte überfluten das Land und stören den lokalen Markt.
Zeichen der Hoffnung?
Die beiden Referentinnen lassen die ZuhörerInnen nicht mit diesem negativen Bild von Guatemala aus dem Workshop gehen. Es gebe Zeichen der Hoffnung in Guatemala. Die Zivilgesellschaft werde stärker und organisiere sich. Als Auslöser sehen Sie den Abschluss des Freihandelsabkommen, das Proteste in der Bevölkerung hervorrufe.



(Fotos:
Redaktion)
Der bunt gestaltete Vortrag der beiden Frauen gab einen Rundumblick über das Land Guatemala. Der Vortrag war gespickt mit Anschauungsmaterialien, die den ZuschauerInnen einen Einblick in das Leben der GuatemaltekInnen gewährte. Die Geschichte des Landes und die vielfältigen Ursachen der kritischen Umstände wurden angerissen und kurz diskutiert. Die Erfahrungen der Referentinnen vermittelten ein authentisches Bild und waren für "NeueinsteigerInnen eine Gelegenheit die Nöte der Bevölkerung kennen zu lernen.
Die Autorin ist Studentin der Internationalen Entwicklung.