Entwicklungsmacht Bildung

Kontroverse zwischen Bildungsoptimismus und -pessimismus

  • Wolfgang Lutz (Gründungsdirektor des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital (IIASA, VID/ÖAW, WU), Leiter des „World Population Program“, International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA)
  • Xavier Bonal (Leiter der Forschungsgruppe „Globalisation, Education and Social Policies“ am Institut für Soziologie der Universidad Autónoma de Barcelona, Spanien, Professor für Bildung und internationale Entwicklung an der University of Amsterdam)
  • Moderation: Margarita Langthaler (ÖFSE)

Zeit: Donnerstag, 26. September 2013, 17.00-20.00 Uhr

Ort: Alois-Wagner-Saal im C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, 1090 Wien

Das Programm finden Sie hier…



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Hintergrund

Ohne Bildung, keine Entwicklung – so wird oft argumentiert: Bildung sei der Schlüssel zu Armutsminderung, wirtschaftlicher Entwicklung, Gleichberechtigung der Frau, demokratischen Gesellschaftsstrukturen, Friedenssicherung und Konfliktprävention sowie zum sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft.

Hinter diesen durch die öffentliche Meinung selten angezweifelten Annahmen verbirgt sich eine durchaus kontrovers geführte wissenschaftliche Diskussion um die Wirkmächtigkeit von Bildung. Einerseits wird die positive Gestaltungskraft von Bildung seit Jahrzehnten mit statistischen Untersuchungen untermauert, wenn es etwa um Einkommensentwicklung, Kindersterblichkeit oder die Kriminalitätsrate geht. Andererseits gibt es die skeptischen Stimmen, welche eine per se positive Wirkung von Bildung anzweifeln. Sie begreifen Bildung vielmehr als gesellschaftliches Verhältnis, das positive wie negative Auswirkungen hat, die soziale Realität festigen, aber auch aufbrechen kann.  

Im Entwicklungsdiskurs spiegelt sich diese Kontroverse wider. Auf der einen Seite steht eine jahrzehntealte bildungsoptimistische Sichtweise, die vorrangig Investitionen in Bildung fordert, um Entwicklungseffekte zu erzielen. Auf der anderen Seite legt eine ebenso alte Geschichte von Bildungsmisserfolgen nahe, dass gerade postkoloniale Bildungssysteme problematische und keineswegs automatisch entwicklungsfördernde Institutionen darstellen.

In einem Fachgespräch soll der Zusammenhang zwischen Bildung und Entwicklung kritisch diskutiert und der Frage nachgegangen werden, unter welchen Voraussetzungen Bildung tatsächlich zu Entwicklung beitragen kann. Dabei soll der Kontroverse zwischen Bildungsoptimismus und skeptischen Haltungen Raum gegeben werden.  

Zentrale Fragestellungen

  • Kann von einer automatischen Wirkung von Bildungsinvestitionen auf Entwicklung (Armutsminderung, Wirtschaftsentwicklung, Demokratisierung) ausgegangen werden oder braucht es dazu gewisse Voraussetzungen
  • Sind Bildungssysteme neutrale Institutionen zur Herstellung gesellschaftlicher Arbeitskraft oder eher soziale Allokationssysteme, in denen gesellschaftliche Rangordnungen vermittelt (bzw. neu gemischt) werden?
  • Spielt Bildung in Entwicklungsländern eine spezifische Rolle? Sind hier Investitionen in Bildung besonders wichtig, um eine nachholende Entwicklung in Gang zu bringen und breitenwirksamen Prozesse der Armutsminderung und Partizipation zu ermöglichen? Oder ist eher besondere Skepsis angesagt, angesichts des in den lokalen Bildungssystemen verankerten kolonialen Erbe, das nach innen stark sozial selektiert und nach außen die periphere Stellung der Entwicklungsländer in der globalen Arbeitsteilung perpetuiert?
  • Ist es möglich, allgemeine Voraussetzungen zu formulieren, unter denen Bildung zur Überwindung lokaler und globaler Asymmetrien beitragen kann?


Veranstalter: C3 – Centrum für Internationale Entwicklung

durchführend: Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) und Paulo Freire Zentrum im Kooperation mit der Dreikönigsaktion der KJSÖ.

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Veröffentlicht in Allgemein.