Workshop Transdisziplinarität Theorie.Forschung.Lehre

Im Zuge der offiziellen Eröffnung des neuen Instituts für Internationale Entwicklung am 7. Oktober fand ein Workshop zum Thema Transdisziplinarität statt. Vier Vortragende gaben neben theoretischen Inputs auch interessante Einblicke in ihre Erfahrungen aus Forschung und Lehre. 

Das Thema Transdisziplinarität ist für Lehrende und Studierende der Internationalen Entwicklung von großer Bedeutung, da das Hauptziel des Studiengangs eine transdisziplinäre Herangehensweise an den Gegenstand der Entwicklungsforschung darstellt.  



Erfahrungen aus der Lehre

Barbara Smetschka und Willi Haas berichteten über ihre Lehrerfahrungen am Institut für soziale Ökologie, wo sie seit genau zehn Jahren das Seminar Interdisziplinäre Forschung von Projektplanung bis Evaluation mit Studierenden verschiedener Studienrichtungen leiten.

Anfangs wurde der Unterschied zwischen einem interdisziplinären und einem transdisziplinären Ansatz erläutert. Bei interdisziplinärer Herangehensweise würden Probleme zwar aus verschiedenen Disziplinen beleuchtet, das Problemverständnis und die Bearbeitung blieben jedoch wissenschaftsintern. Bei einem transdisziplinären Ansatz hingegen müsse ein Problemverständnis sowohl von interdisziplinären Teams als auch von AkteurInnen der Praxis in einem interaktiven Prozess erarbeitet werden.

Als nächstes stellte sich die Frage, wie solch ein Prozess in der Lehre gewährleistet werden kann. Ein bewährtes Instrument sei laut Smetschka „team-teaching“, da man zu zweit immer ein breiteres Spektrum an Kompetenzen aufweise. Auch Prozessorientierung sei ein wichtiges Element, das in der Lehre berücksichtigt werden sollte. Smetschka brachte dazu Vorschläge aus der Praxis, wie zum Beispiel das gemeinsame Erstellen von transdisziplinären Projektanträgen.

Schließlich erläuterte Haas noch konkrete Beispiele aus der Praxis. Am Anfang jedes Seminars ginge es erstmal um die Wahrnehmung der eigenen Disziplin, darum, Gemeinsamkeiten mit anderen Disziplinen zu entdecken und Missverständnisse und Stereotypen zu dekonstruieren. Auch die Integration bei der Teamaufstellung sei ein ausschlaggebender Aspekt im transdisziplinären Forschungsprozess. Das Ziel müsse sein, im Forschungsteam schon von Anfang an ein gemeinsames Bild vor Augen zu haben. Dies würde oft durch Dominanz von bestimmten Disziplinen oder durch zu starke einzelne Zugänge behindert.

Transdisziplinarität ein Überblick



Ulli Vilsmaier von der Universität Salzburg gab einen theoretischen Überblick über Entstehungshintergrund, Problemorientierung und über unterschiedliche Verständnisse von Transdisziplinarität.

Der Entstehungskontext der transdisziplinären Wissenschaft und Forschung sei wie das Feld selbst sehr komplex. Vor allem hätten disziplinäre Engpässe und die Grenzen der disziplinären Lösungskompetenz für komplexe Fragestellungen zur Etablierung des transdisziplinären Diskurses geführt. Ausschlaggebend sei auch die in den Mittelpunkt gerückte Problemorientierung in den Umwelt- und Entwicklungswissenschaften gewesen, z.B. die Orientierung an gesellschaftlich relevanten Problemfeldern wie Gewalt, Hunger oder Armut. In der Züricher Conference on Transdisciplinarity im Jahr 2000 wurden diese kurz als „real-world problems“ bezeichnet.

Spricht man von Transdisziplinarität, könne man laut Vilsmaier grob zwischen zwei Ebenen unterscheiden. Die erste Ebene könne als pragmatisches Organisationsprinzip von Forschung verstanden werden. Wenn Problemstellungen von einer Disziplin allein nicht mehr gelöst werden können, werden andere Disziplinen herangezogen, deren gemeinsamer Forschungsprozess große organisatorische Herausforderungen in sich birgt.

Die zweite, epistemologische Ebene hingegen ziele auf das Überschreiten und die Integration von disziplinären Paradigmen ab. Transdisziplinarität könne laut Vilsmaier auch als transformative Wissenschaft verstanden werden, welche zum Ziel hätte, das in der Wissenschaft produzierte abstrakte Wissen in gesellschaftlich relevantes Wissen zu übersetzen bzw. zu transformieren.



Erfahrungen aus der Forschung



Anna-Katharina Hornidge vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn referierte über ein in Usbekistan durchgeführtes Projekt zur Entwicklungsforschung, in dem transdisziplinäre Innovations- und Aktionsforschung angewendet wurde. Das Projekt mit dem Titel „Economic and Ecological Restructuring of Land and Water Use in Khorezem Region“ zielt unter anderem darauf ab, Innovationen des Wasser- und Bodenmanagements zu entwickeln, um die Nachhaltigkeit und Produktivität des landwirtschaftlichen Systems zu gewährleisten.

Im Projekt entwickelten WissenschaftlerInnen gemeinsam mit lokalen Bäuerinnen und Bauern vier Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft: Wiederaufforstung, Optimierung der Bewässerungspläne, Konservierung der Landwirtschaft und die Stärkung von WasserverbraucherInnnen-Verbänden. Diese neuen Innovationen sollten dann in die Praxis umgesetzt und durch transdisziplinäre Aktionsforschung begleitet werden, um in weiterer Folge die Wirksamkeit und Anwendung der neuen Konzepte zu erforschen.

Da sich das Projekt bereits in seiner letzten Phase befindet, konnte Hornidge bereits über Probleme und Herausforderungen eines transdisziplinären Forschungsprozesses berichten. Beobachtbar war einerseits ein lineares Denken der WissenschafterInnen, die, anstatt Ablehnungen der Bäuerinnen und Bauern anzunehmen, oft Überzeugungsarbeit leisteten. Außerdem wurde teilweise ein Widerwillen der WissenschafterInnen erkennbar, Innovationen zu adaptieren. In der abschließenden Diskussion wurde vermehrt Kritik am transdisziplinären Anspruch des Projektes laut, da die verwendeten Methoden eher an das Prinzip der partizipativen Entwicklungsplanung erinnern würden.

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Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.

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Veröffentlicht in Entwicklungsforschung.