Offene Türen im „Centrum für Internationale Entwicklung“

Am 20. Oktober 2010 war es so weit. Der erste „Tag der offenen Tür“ in den neuen Räumlichkeiten des C3 in der Sensengasse fand statt. Um die 200 Interessierte folgten der Einladung und genossen das vielfältige Programm, das bis in die Abendstunden reichte.

Die Zusammenarbeit aller im C3 „Centrum für Internationale Entwicklung“ untergebrachten Organisationen (ÖFSE, BAOBAB, Frauensolidarität, Paulo Freire Zentrum, Mattersburger Kreis und ÖIS) ermöglichte ein buntes und abwechslungsreiches Programm. Unter dem Motto „die Welt lesen lernen“ sollte auf das umfangreiche Sortiment in der gemeinsamen Bibliothek von ÖFSE, BAOBAB und Frauensolidarität sowie auf die verschiedenen Bildungs-veranstaltungen der im C3 beheimateten Organisationen aufmerksam gemacht werden.

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Andreas Novy (Kuratoriumsvorsitzender der ÖFSE und Beiratsvorsitzender des Freire Zentrums) sprach die Begrüßungsworte im Namen der C3 Organisationen und betonte die Wichtigkeit dieser Räumlich-keiten. Hier sollte Raum gegeben werden, um die Welt verstehen und gestalten zu lernen.

In diesem Zusammenhang erwähnte er den brasilianischen Pädagogen Paulo Freire, der zahlreiche Alphabetisierungsprogramme in Lateinamerika initiierte. Wichtiger jedoch als Lesen und Schreiben zu lernen, sei es, die Welt und seine eigene Position darin besser zu verstehen. Die Bibliothek stellt dafür viele Bücher, Filme und didaktische Mittel zur Verfügung, um im Selbststudium oder durch Formen der Weiterbildung die gesamte Welt in den Blick zu nehmen. Diese angestrebte Weite und Öffnung des Horizonts würden auch die hellen und offenen Räumlichkeiten der Bibliothek widerspiegeln, so Novy. Anhand der gemeinsamen Organisation des Events würde man sehen, dass eine gute Kooperation zwischen den verschiedenen Organisationen bestehe, die hoffentlich anhalte.

Direkter Informationsaustausch

Zugang zu Informationen hatten die BesucherInnen nicht nur durch kurze Buch- und Filmrezessionen der C3 MitarbeiterInnen selbst, sondern auch durch exklusive „Speeddates“ mit den ExpertInnen der Organisationen. Im 15min-Takt konnten die Gäste mehr über das jeweilige Spezialgebiet der 14 geladenen ExpertInnen erfahren und direkt mit ihnen diskutieren. Da konnte man z.B. mit Karin Küblböck, wissenschaftliche Mitarbeiterin der ÖFSE, über Finanzmärkte und die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme sprechen; oder sich im Gespräch mit Djurica Nikolic, interkultureller Experte im Projekt Ungleiche Vielfalt vom Paulo Freire Zentrum, über die Situation der Roma in Wien aus erster Hand informieren.

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Beim JEP Cover Design Wettbewerb konnten sich alle im Internet und durch eigene Kreativität auf die Suche nach dem Titelbild des nächsten JEPs machen, angetrieben durch den lohnenden Preis eines Jahresabonnements.

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Das Bibliotheksquiz lockte ebenso so mit manchen Preisen, deren GewinnerInnen sich erfolgreich durch Bücherregale und Bibliothekskataloge geschlagen hatten.

Kurzfilm ab

Für diejenigen, die Entspannung bevorzugten, stand im Audre Lorde Studio eine Auswahl an Kurzfilmen zur Verfügung. Über fünf Stunden lang konnten sich die Gäste an Dokumentationen und Filmen aus aller Welt erfreuen. Der Großteil der Filme war thematisch den Bereichen Globalisierung, Konsum, EZA, Rassismus und Politik sowie den persönlichen Schicksalen von Menschen in verschiedenen Ländern gewidmet. Ein Film mit dem Titel „Nima“ handelte beispielsweise von einer somalischen Asylwerberin in Holland, die mit ihrer Familie in einem AsylantInnenheim auf eine positive Benachrichtigung ihrer Aufenthaltsgenehmigung wartete. Zwischendurch wurde die Geschichte des Mädchens, welches aus dem heimatlichen Kriegsgebiet floh, dargestellt.

Lesen, Tanzen und Musik

Ab 17.30 Uhr konnten Interessierte dem „Ersten Wiener Lesetheater“ bei einer Lesung von Texten der nicaraguanischen Autorin Gioconda Belli lauschen. Die Autorin gilt mit ihren politischen Texten und Gedichten als eine der bekanntesten lateinamerikanischen SchriftstellerInnen. Für viel Aufruhr sorgte sie auch durch den Anschluss an die sandinistische Befreiungsfront, die sich gegen das machtmissbräuchliche Somoza Regime in Nicaragua richtete. Abwechselnd wurden von Judith Gruber-Rizy, Andrea Pauli, Hertha Höller und Erika Parovsky ein Teil der Autobiographie „Die Verteidigung des Glücks“ und verschiedene Gedichte auf Deutsch und Spanisch vorgetragen. Trotz Lärmpegel aus dem Hintergrund der Bibliothek verharrten die Gäste bis zum Ende der Lesung aus.

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Ein zweiter Performance Höhepunkt wurde von Ishraga Mustafa Hamid im Alois Wagner Saal geboten. Mit weiteren vier Künstlerinnen bot die Dichterin aus dem Sudan eine gelesene, musikalische und tänzerische Aufführung. Der Gedichtsvortag „Das Weibliche der Flöte“ wurde durch akustische Gitarre und einer Tanzperformance begleitet. Die Lesung, abwechselnd auf Arabisch und Deutsch, begeisterte das Publikum. Die Künstlerinnengruppe widmet den Erlös der Gedichtsbände verschiedenen Projekten im Sudan.

Für alle Sinne

Um auch wirklich alle Sinne zu beglücken, gab es ab 19.30 Uhr ein Buffet, das von Bezirksvorsteherin Martina Malyar gesponsert und mit einer Rede eröffnet wurde. Das neue Gebäude in der Sensengasse, welches nicht nur das „Centrum für Internationale Entwicklung“ enthält, sondern mehrere universitäre Einrichtungen, könne als offener Campus für jedeN verstanden werden und biete laut Martina Malyar viele Möglichkeiten des Wissensaustausches. Bei köstlichen Brötchen des Cateringservices Inigo konnte bei gemütlicher Atmosphäre und mit musikalischer Untermalung durch Maria Düchler am Akkordeon und Martina Cizek am Saxofon der Tag der offenen Tür ausklingen.

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Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert internationale Entwicklung und Bildungswissenschaften an der Universität Wien.

Veröffentlicht in Entwicklungsforschung.