Katzenstreu

In der Erzählung Katzenstreu verarbeitet der Autor Stefan Horvath das Attentat vom 4. Februar 1995, bei dem vier Roma aus Oberwart im Burgenland, darunter einer seiner Söhne, ihr Leben verloren.

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Edition lex liszt 12, Herausgeber dieser Erzählung, beschäftigt sich mit der burgenländischen Zeitgeschichte und Literatur. Der Verlag möchte einen Beitrag zur Identitätsfindung Burgenlandes leisten und die sprachliche und konfessionelle Vielfalt dieses Bundeslandes darstellen. Im Programm der edition lex liszt 12 findet sich unter anderem ein Schwerpunkt zur Volksgruppe der Roma im Burgenland, innerhalb dessen sich die Erzählbände von Stefan Horvath befinden.

Weshalb der Titel Katzenstreu?

Auf diese Frage gibt Stefan Horvath im ersten Kapitel seines Buches eine Antwort. Katzenstreu hatte sich, bevor der Autor überhaupt daran dachte, ein Buch über diesen dramatischen Vorfall zu schreiben, bereits als Titel in seinem Kopf festgesetzt. Als ihm eine Bekannte im Jahr 2003 erzählte, dass der Sockel der Bombe vom 4. Februar 1995 aus einem Katzenklo gefertigt wurde, machte sich Horvath daran, dieses Trauma auf eine spezielle Art und Weise aufzuarbeiten.



Verarbeitung durch Perspektivenwechsel

Februar 1995, vier Roma sterben in der Nähe der Romasiedlung in Oberwart durch die Detonation einer Rohrbombe, an der ein Schild mit der Aufschrift Roma zurück nach Indien angebracht ist. Der Sohn Stefan Horvaths ist eines der Opfer dieses Attentats. Mehr als zehn Jahre später unterzieht sich der Autor durch das Verfassen dieses Werkes einer gewissen Selbsttherapie, die ihm hilft, dieses Trauma und den Schmerz der vergangenen Jahre zu verarbeiten.

Die Erzählung besteht aus einer Vielzahl kurzer Kapitel, in denen sich die LeserInnen aus verschiedenen Blickwinkeln dem Geschehen annähern können. Stefan Horvath gelingt es, durch unterschiedliche Erzählperspektiven ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen. Er unternimmt einerseits den Versuch in die Psyche des Attentäters, Franz Fuchs, einzudringen, um seine Welt und folglich sein Handeln verstehen zu können. Andererseits beschreibt der Autor seinen eigenen Kampf, als Vater eines Verstorbenen und Sohn zweier Überlebender des Holocausts. Stefan Horvath offenbart den LeserInnnen seine Erinnerungen und Reflexionen. Zusätzlich versetzt sich der Autor in die Rolle der Eltern des Attentäters und die einiger Wirtshausleute um zu zeigen, was diese gedacht, gesprochen und gemutmaßt haben könnten.

Zweikampf

Die traumatischen Erfahrungen des Bombenattentats werden unter anderem in einer imaginären Begegnung zwischen dem Autor und dem Mörder aufgearbeitet. Es ist eine Auseinandersetzung, ein Kampf, in dem Franz Fuchs Stefan Horvath in seine Welt ziehen möchte. Indem der Täter zerstört und tötet, will er Macht erlangen. Seine Welt ist geprägt durch Isolation und Hass gegenüber allem, was ihm fremd erscheint. In poetischer Weise lässt der Autor die Gegensätze Tag und Nacht aufeinander prallen, erzählt in einem bildhaften Stil von der Angst vor dem Licht und der Liebe zur Dunkelheit. Stefan Horvath entscheidet letztendlich den Kampf für sich, vergibt dem Täter, ist frei von Hass und erreicht dadurch den lang ersehnten inneren Seelenfrieden.

Stefan Horvath als Sprachrohr

In dieser Erzählung streift Stefan Horvath die Geschichte der Roma, seiner Volksgruppe. Es ist eine von Demütigung, Rassismus, Vorurteilen und Leid geprägte Geschichte. Deshalb sieht sich der Autor im Hier und Jetzt umso mehr als Sprachrohr der Roma, erinnert an ihr vergessenes Leid, ihre Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit und ihren Drang nach Freiheit und Gerechtigkeit.

Horvath, Stefan (2008): Katzenstreu. 2. Auflage, Oberwart: edition lex liszt 12, 100 Seiten, 15,00

Veröffentlicht in Entwicklungsforschung, Globale Ungleichheiten, Themen.