Im Rahmen der Entwicklungstagung wurde am 17. Nov. 2017 der Österreichische Preis für Entwicklungsforschung verliehen. Prämiert wurden die Frauen*solidarität und die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE), die sich den Hauptpreis teilten sowie Salome Ritterband als Nachwuchspreisträgerin.
Österreichischer Preis für Entwicklungsforschung.
Der Österreichische Preis für Entwicklungsforschung besteht aus einem Haupt- und einem Nachwuchspreis, die im Zweijahresrhythmus vergeben werden. Verliehen wird er von der Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) bei der OeAD-GmbH aus den Mitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW). Die Preise werden an WissenschaftlerInnen bzw. wissenschaftliche Institutionen verliehen, die sich im Rahmen von Publikationen, Projekten und Initiativen im Bereich Entwicklungsforschung besonders hervorgetan haben.
Für den Hauptpreis sprechen Mitglieder des Kuratoriums der KEF Nominierungen aus. Eine Jury, bestehend aus Mitgliedern des Kuratoriums sowie externen ExpertInnen wählen die PreisträgerInnen aus. Für den Nachwuchspreis gibt es eine öffentliche Ausschreibung zu unterschiedlichen Themen, dieses Mal zum Thema „Was nachhaltiger Tourismus für Entwicklung alles kann bzw. nicht kann. Forschungen und wissenschaftliche Analysen und Ideen zu den entwicklungspolitischen Potentialen des nachhaltigen Tourismus“.
Die Preisverleihung im Rahmen der 7. Österreichischen Entwicklungstagung.
Die Preisverleihung fand dieses Mal am 19. November 2017, dem ersten Abend der Entwicklungstagung, in der Aula der Universität Graz statt. Moderiert wurde die Verleihung von Andreas Obrecht, dem Abteilungsleiter der KEF.
Barbara Weitgruber vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sprach die Eröffnungsworte. Sie betonte, dass durch den Preis besondere Leistungen in der Entwicklungsforschung eine breite Öffentlichkeit erreichen sollen. Das Ministerium versuche, die Implementierung der Sustainable Development Goals (SDGs) voranzutreiben, wozu auch die Förderung der Österreichischen Entwicklungsforschung gehöre.
Verleihung des Nachwuchspreises 2017.
Der Nachwuchspreis ging dieses Jahr an Salomé Ritterband mit ihrer ethnographischen Studie „Tradition Re-Interpreted – A New Generation. The Children of the Ju/’hoansi San Learning, Rehearsing and Re-Enacting Intangible Cultural Heritage for a Sustainable Future in Indigenous Tourism“. In der Studie beschrieb Ritterband den Umgang der Ju/’hoansi San aus Namibia mit ihrer eigenen Kultur und deren Darstellung in Form eines „lebenden Museums“. Die Studie basiert auf ihrer Masterarbeit am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien. Ritterband, die als Kulturvermittlerin am Weltmuseum Wien arbeitet, verbrachte im Rahmen ihrer Forschung einige Zeit in Namibia und bedankte sich im Rahmen der Preisverleihung besonders bei den Kindern der Ju/’hoansi San, die ihr den Zugang zu ihrem Forschungsgegenstand erleichterten.
Die Laudatio für die Nachwuchsforscherin hielt Dr.in Gabriele Habinger, Sozialanthropologin und Mitglied der Jury. Sie betonte, dass die Entscheidung aufgrund der vielen guten Einreichungen nicht leicht war. Der Gewinner-Text sei durch eine poetische Einführung aufgefallen. Die Autorin habe im Text die verschiedenen Säulen der Nachhaltigkeit angesprochen und durch ihrer bottom-up-Vorgehensweise mit Vorurteilen aufgeräumt.
Verleihung des Hauptpreises.
Auch die Auswahl der HauptpreisträgerIn 2017 sei der Jury bei sechs Nominierungen besonders schwergefallen, meinte Weitgruber eingangs. Die Entscheidung der Jury fiel schlussendlich auf zwei Institutionen, die sich den Preis teilen. Erich Thöni, Vorsitzender der Preisjury, hielt eine Laudatio für die zwei GewinnerInnen: den Verein Frauen*solidarität und die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE).
Die Frauen*solidarität leiste seit 35 Jahren frauenspezifische Bildungs- und Forschungsarbeit im Bereich der Entwicklungsforschung. Damit trage sie einen wesentlichen Beitrag zur Implementierung der SDGs und eines wichtigen Querschnittsthemas in der Entwicklungsforschung bei, so Thöni. Für die Frauen*solidarität nahmen die Geschäftsführerin Claudia Temper sowie die Vorstandsobfrau Ulrike Lunacek den Preis entgegen.
Die ÖFSE, so Thöni, werde mit dem Preis für 50 Jahre entwicklungspolitische Bildungsarbeit, den Aufbau eines Zentrums der Dokumentation und Literatur über nationale und internationale Entwicklungsforschung und für die wissenschaftliche Erarbeitung relevanter Forschungsansätze und -ergebnisse in der Entwicklungsforschung geehrt. Für die ÖFSE nahmen Geschäftsführer Werner Raza und Andreas Novy, Vorsitzender des ÖFSE-Kuratoriums, den Preis entgegen.
Preis als wichtiges politisches Signal.
Im Anschluss an die Preisverleihung gab Ruth Kutalek, Vorsitzende des KEF-Kuratoriums, einen Ausblick über die Zukunft des Preises. Dabei betonte sie, dass der Preis im größeren Kontext kritischer Entwicklungsforschung und der Implementierung der SDGs als wichtiges politisches Signal zu verstehen sei: Entwicklungspolitik zu fördern bedeute, Demokratiepolitik zu fördern und sich gegen Nationalismen zu stellen. Außerdem sei der Preis auch dafür da, sich nicht an das Bild von Armut zu gewöhnen, da Gewöhnung wie schleichendes Gift wirke. Mit einem Aufruf an junge WissenschaftlerInnen, weiterhin Entwicklungsforschung zu betreiben und beim nächsten Call Forschungsarbeiten einzureichen, schloss sie ihre Rede und eröffnete zum feierlichen Ausklang mit den PreisträgerInnen.
Die Autorin ist Mitglied im Online-Redaktionsteam. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at
Weiterführende Links:
– Frauen*solidarität: https://www.frauensolidaritaet.org/
– Kommission für Entwicklungsforschung: https://kef-research.at/
– ÖFSE: https://www.oefse.at/
– Zur Seite der Entwicklungstagung: www.entwicklungstagung.at
– Zu weiteren Artikeln über die Tagung: https://www.pfz.at/list193.htm
Fotos: (c) Dominik Stoppacher