Film in Uganda II

Die ugandische Organisation Maisha bietet jungen FilmemacherInnen zahlreiche Möglichkeiten der Weiterbildung an. In Uganda fehlt es aber, wie in vielen anderen Ländern, an Finanzierungen für kulturelle Initiativen.

Förderung des Nachwuchses



Durch das Aufkommen von Internationalen Filmfestivals in den Hauptstädten der EAC-Länder haben die jungen FilmemacherInnen aber auch gute Chancen, ihre Werke einem breiten Publikum in Ost-Afrika präsentieren zu können, sowie konstruktive Kritiken für ihre weitere Entwicklung zu erhalten. Maisha versucht in diesem Sinne durch Newsletter über internationale Filmfestivals und Deadlines für Projekteinreichungen, ihre Alumni regelmäßig zu informieren. Dabei werden ihnen die weltweiten Möglichkeiten ihre professionelle Laufbahn weiterzuentwickeln näher gebracht, da zahlreiche wichtige Filmfestivals und Filmfonds eigene Bereiche für die Unterstützung des afrikanischen Films eingerichtet haben.

Im Verlauf des weiteren Trainee-Aufenthaltes wurden die Maisha-Programme für Drehbuchschreiben in Kenia, Ruanda und Uganda organisiert. Die sogenannten Screenwriting Labs finden jährlich in vier Ländern (die eben genannten plus Tansania) in Partnerschaft mit den dortigen Internationalen Filmfestivals statt. Es handelt sich um non-residential Programme, die durch die Unterstützung zweier internationaler DrehbuchautorInnen den FilmemacherInnen der Ost-Afrikanischen Metropolen helfen sollen, ein realisierbares Drehbuch zu entwerfen. Am Ende der Screenwriting Labs wird ein Drehbuch von Maisha und zwei internationalen DrehbuchautorInnen ausgewählt, das eine 2.000 USD Förderung für die Realisierung erhält.

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Mentors and Participants of Maisha Screenwriting Lab 2009

 Documentary Film Lab

2009 hat Maisha ein neues Programm gestartet, das im Bereich nicht-fiktionaler Filmproduktion angesiedelt ist. Beim zehntätigen Documentary Film Lab unterrichten zwei MentorInnen die theoretischen und praktischen Seiten des dokumentarischen Films und gehen dabei auf die Projektentwürfe der zuvor ausgewählten TeilnehmerInnen ein. In der zweiten Hälfte des Labs werden drei Projekte zur Realisierung ausgewählt und gedreht.

Des Weiteren konnte ein Public Workshop mit ca. 60 TeilnehmerInnen für den in Uganda relativ neuen Post-Produktionsbereich für Ton in audiovisueller Gestaltung im UNCC organisiert werden, dessen Leitung ich übernahm.

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Public Workshop Film and Sound Design, Jan Vysocky

Schließlich ging der interessante und arbeitsintensive Trainee-Aufenthalt bei Maisha in Kampala zu Ende, der mir unter anderem Einblicke in die aufstrebende Filmindustrie Ugandas gewehrte. Dabei muss erwähnt werden, dass in Uganda zwei unterschiedliche Produktionsweisen im Filmsektor anzutreffen sind. Die eine Form ist angelehnt an die Qualitätsstandards internationaler Filmproduktionen, wobei Maisha eine Initiative darstellt, die FilmemacherInnen durch Ausbildung und technischen Support in diese Kategorie des Films zu integrieren.

Die zweite Produktionsweise, die seit dem Aufstreben der nigerianischen Filmindustrie in ganz Ost-Afrika Fuß gefasst hat, ist ein Low-Budget Produktionsmodell, bei dem innerhalb von kürzester Zeit mit möglichst geringem materiellen und personellen Aufwand produziert wird und die Filme auf DVD auf den lokalen Video-Märkten vertrieben werden. Dieser Zweig der Filmindustrie wird in Anlehnung an Hollywood und Nollywood (Nigerien) in Uganda als Ugawood bezeichnet.



Qualitätssteigerung der Filmproduktionen

In beiden Produktionsweisen gibt es selbstverständlich Grenzgänger und die lokale Filmindustrie leidet in beiden Fällen an zu geringen Finanzmitteln. Die digitale Revolution hat aber auch in Uganda, im Unterschied zur früheren teuren analogen Filmentwicklung, vielen kreativen FilmemacherInnen die Türen geöffnet, ihre eigenen Geschichten durch das Medium Film erzählen zu können. Um sich aber durch die audiovisuellen Mittel ästhetisch ausdrücken zu können, braucht es eine künstlerische und technische Ausbildung.

Wie in jeder anderen Kunstdisziplin ist Talent allein nicht ausreichend. Daher zielen die Maisha-Programme darauf ab, die Qualitätsmerkmale der Filmproduktionen in den ost-afrikanischen Ländern durch die Professionalisierung der FilmemacherInnen zu heben und sie in Austausch mit der internationalen Filmszene zu bringen. Angesichts der heute viel thematisierten, kulturellen Globalisierung spielt die eigene Produktion von Film und AV-Medien eine wichtige Rolle für die Förderung und Erhaltung kultureller Vielfalt in Afrika. Daher ist Maishas selbst ernanntes Motto: If we dont tell our own stories, no one else will ein Ausdruck für die Notwendigkeit der Filmschaffenden, ihre eigenen Visionen im Medium Film artikulieren zu können.

Kein Geld für die Kunst

In Uganda leiden aber auch alle anderen Kunstbereiche wie etwa Musik, Tanz und Theater sowie die bildende Kunst an chronischer Unterfinanzierung. Trotz großem Engagement der Kunstschaffenden in qualitativ hochwertigen Projekten, sind die Umsetzungsmöglichkeiten für Kunst- und Kulturprojekte in Uganda sehr eingeschränkt.

Wie ich zu meiner Verwunderung feststellen musste, verfügt Uganda über kein Kulturministerium, und seine erst 2006 formulierte Kulturpolitik (The Ugandan National Culture Policy) hat in der politischen Landschaft Ugandas kaum strukturellen Widerhall gefunden. Das Fehlen einer staatlichen Kunst- und Kulturförderungsstruktur auf nationaler sowie regionaler Ebene, stellt für die Kunstschaffenden in Uganda in allen Bereichen ein großes Problem dar. Dadurch wird unter anderem die Abhängigkeit zu ausländischen GeldgeberInnen und kulturellen AkteurInnen in Uganda vergrößert, die auf diese Weise ihren kulturellen Einfluss, definiert durch die auswärtige Kulturpolitik ihrer Länder, ausdehnen können. Die von der Alliance Française und dem Goethe-Institut geförderten Kunst- und Kulturproduktionen in Kampala sind bezüglich ihrer künstlerischen Authentizität manchmal kritisch zu hinterfragen. Umgekehrt bekommen wichtige künstlerische Eigeninitiativen, wie das in 2010 bereits zum dritten Mal stattfindende Musik- und Kunstfestival Bayimba, kaum finanziellen Support ausländischer KulturakteurInnen.

Der Autor studiert Internationale Entwicklung mit Fokus auf Kunst und Kultur und ist als Kulturmanager sowie als Ton-/Musikproduzent tätig. 

Veröffentlicht in Entwicklungsforschung.