Eröffnung des C3, Centrum für Internationale Entwicklung

Am 24.11.2009 wurde das C3, in dem unter anderem auch das Paulo Freire Zentrum beheimatet ist, durch Außenminister Michael Spindelegger im Rahmen einer großen Feier eröffnet. Er forderte dabei von der Bundesregierung mehr Verantwortung für Entwicklungszusammenarbeit zu übernehmen.

Die Mühe hat gelohnt: Über Jahre hinweg wurde darüber nachgedacht, wie die drei entwicklungspolitischen Bibliotheken in der Berggasse 7 ihre Bücher besser zugänglich machen und auch genügend Raum für künftige Buchererwerbungen haben können. Die Gelegenheit bot sich, als begonnen wurde, über eine neue Nutzung des Areals am Rande des Sportplatzes in der Sensengasse 3 nachzudenken.

Der Neubau umfasst die C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik von ÖFSE, BAOBAB und Frauensolidarität, die mit rund 1.500 m2 die größte österreichische Fachbibliothek zu Internationaler Entwicklung, Frauen/Gender und Globalem Lernen ist. Neben diesen Organisationen beherbergt C3 das Paulo Freire Zentrum, den Mattersburger Kreis für Entwicklungspolitik und das Österreichische Spendeninstitut.

Eröffnende Worte des Außenministers

Spindelegger würdigte bei der Eröffnungsfeier die Verdienste der nun in neuer Form unter einem Dach untergebrachten Organisationen: „Wir freuen uns, dass diese bewährten Partner der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ihre Kräfte bündeln und so Synergieeffekte erzielen.“ Doch der Bundesminister weiß auch um die Schwierigkeiten dieses „Randthemas“ innerhalb der Politik, weiß, dass der Großteil der Anwesenden seit Jahrzehnten für eine mutigere Entwicklungspolitik in Österreich kämpft und nur allzu oft auf zukünftige Budgetentscheidungen vertröstet wurde. Vielleicht fügte er deshalb oder auch in Hinblick auf das schwierig zu erreichende Ziel „0,7% des BIP für EZA im Jahr 2010“ seiner Rede hinzu: „Entwicklungszusammenarbeit ist nicht nur ein wichtiger Teil der österreichischen Außenpolitik sie ist vielmehr die Verantwortung der gesamten Bundesregierung.“ Entwicklungspolitik müsse verstärkt als „Querschnittsaufgabe vieler Politikbereiche“ wahrgenommen werden.

Er__ffnung_C3_2009_11_24_Runde.jpg

Michael Spindelegger (Foto: Gerald Faschingeder)

Im Grunde genommen klare Worte. Leider war allen Anwesenden nur allzu bewusst, wie weit dieser Anspruch von der Realität entfernt ist. Neben der Freude über das neue C3 blieb daher die Sorge, dass Entwicklungspolitik vielleicht nie aus ihrer Nischenrolle herauskommen wird. Andreas Novy, Vorsitzender des Kuratoriums der ÖFSE, betonte deshalb in seinem Statement: „Wir müssen aufhören, zu bescheiden zu sein. Ich wünsche uns den Mut, aktiv an einer ambitionierteren ‚Weltinnenpolitik‘ mitzugestalten. Der Gedanke der Entwicklungszusammenarbeit darf nicht auf eine Form von ‚Weltsozialhilfe‘ eingeschränkt bleiben.“

 

Ein Zentrum der Entwicklungsforschung

Zur „Geburtsfeier“ des C3 gratulierten noch viele andere AkteurInnen der entwicklungspolitischen Szene. Botschafterin Brigitte Öppinger-Walchshofer machte auf die Rolle Österreichs in der europäischen Entwicklungsarchitektur aufmerksam. Ulrike Lunacek, MEP Abgeordnete zum Europäischen Parlament, griff diesen Bogen auf, forderte aber mehr Mittel für EZA und erhöhte Anstrengungen Österreichs zur Erreichung seiner eigenen Ziele.

Er__ffnung_C3_2009_11_24_222_4er.jpg

Andreas Novy, Brigitte Öppinger-Walchshofer, Ulrike Lunacek, Walter Schicho (Foto: Gerald Faschingeder)

Das C3 nimmt neben Bildungsaufgaben auch wissenschaftliche Aufgaben wahr. Univ.-Prof. Walter Schicho hob die verbesserte Zusammenarbeit zwischen dem Projekt Internationale Entwicklung auf der Universität Wien und den Bibliotheken im C3 Centrum für Internationale Entwicklung hervor. Andreas Novy dankte allen, die zum Zustandekommen dieses großen Projektes beigetragen haben: Der OEZA und der ADA, dem Bauträger BIG und dem Architekturbüro, Frau Spannberger, die die Innengestaltung geplant hat, aber auch den MitarbeiterInnen der beteiligten Institutionen. Der Mut zur Vision hat gelohnt, dies konnten die 200 erschienenen Gäste, die kaum in den großen Saal des C3 passten, bestätigen.

Die erweiterten Öffnungszeiten und die helle Architektur laden ein, C3 nicht nur als einen Raum für Wissen, sondern auch als Platz der Begegnung zu nutzen. Wir freuen uns auf alle, die neugierig an fremde Kulturen herantreten und sich den globalen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen stellen wollen. Wir möchten Interesse am Globalen Süden wecken und das Handeln und Denken in der Einen Welt fördern, so Andreas Novy.

 

Ein Zentrum „Mitten im Neunten“

Der „Stadtspaziergang“ mit Gerald Faschingeder, der am Nachmittag vor der Eröffnung rund um das Gebäude in der Sensengasse 3 stattfand, beleuchtete die historische Verwurzelung des C3-Areals im Bezirk Alsergrund. Im ehemaligen Überschwemmungsgebiet des Alserbaches, der heute unter der Spitalgasse fließt, befanden sich ein Soldatenfriedhof, ein medizinischer Kräutergarten und später ein Sportplatz. In der Nachbarschaft gab es schon damals viele „care-Organisationen“: Krankenhäuser, ein Luftschutzbunker, eine öffentliche Bedürfnisanstalt. Und dann immer wieder das Thema Sterben: ein Siechenhaus, die Pathologie, das Totentor. Doch der Name Sensengasse geht nicht auf den schrecklichen Sensenmann, sondern auf eine wahrscheinlich lebensfrohe Gaststätte mit dem schönen Namen Zur goldenen Sense zurück. Auf ein goldenes Leben des C3!

Er__ffnung_C3_2009_11_24_222_Gerald.jpg

Gerald Faschingeder bei der Stadtführung (Foto: Simone Grosser)

Auch Martin Jäggle, vom Institut für Praktische Theologie, war zur Eröffnung eingeladen, musste jedoch krankheitsbedingt absagen. Seine Erinnerungen an seine Bibliothekszeit sind hier jedoch nachlesbar.

Der Autor ist Praktikant im Paulo Freire Zentrum und studiert internationale Entwicklung.

Kommentare zum Artikel an redaktion@pfz.at.

Veröffentlicht in Entwicklungsforschung.