Die Internationale Entwicklung bekommt ein neues Zuhause

Am 7. Oktober 2010 wurde das neue Institut der Internationalen Entwicklung (IE) in der Sensengasse 3 offiziell eröffnet. Zahlreiche Gäste lauschten den Begrüßungsworten und ließen sich anschließend durch die neuen Räumlichkeiten führen.

Die Gründung eines Instituts für das stark nachgefragte Studium der IE war bereits lang ersehnt, der erste Antrag für ein Senatsinstitut für Entwicklungsforschung wurde bereits vor zwanzig Jahren gestellt. Das neue Institut ist nun eine gemeinsame Forschungsplattform von fünf Fakultäten der Universität Wien: Wirtschaftswissenschaften, Geowissenschaften, Sozialwissenschaften, Historisch-Kulturwissenschaftliche und Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät. Der transdisziplinäre Studiengang hat in den letzten Jahren enormen Zuwachs erhalten, derzeit sind ca. 2800 Studierende inskribiert. Im Zuge der Institutsgründung wurde auch Personal aufgestockt, die Situation ist seitens der Uni Wien aber „immer noch nicht ideal“.

Begrüßung und Eröffnungsworte

Die Feierlichkeiten wurden nach einer kurzen Begrüßung der Institutsleiterin Petra Dannecker mit einer Rede von Christa Schnabl, Vizerektorin der Universität Wien, eröffnet. Sie wies besonders auf drei Herausforderungen hin, vor denen das neue Institut jetzt stünde: die hohe Anziehungskraft des Studiums, die Weiterentwicklung der Qualität und die Verbindung von Forschung und Lehre in einem interdisziplinären Setting. Außerdem wünschte sich die Vizerektorin einen regen Austausch der Forschungsplattform mit den Studierenden.  

In der nächsten Ansprache betonte die Geschäftsführerin der Austrian Development Agency, Brigitte Öppinger-Walchshofer, die Wichtigkeit des Instituts für die ADA und sprach den Wunsch eines regen Gedankenaustausches zwischen ADA und IE aus. Die letzten Eröffnungsworte gehörten Susanne Weigelin-Schwiedrzik, Dekanin der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, die die anderen beteiligten Fakultäten zum Vorausdenken und zur aktiven Beteiligung an der Forschungsplattform aufforderte.

Der lange Marsch der Internationalen Entwicklung

Im Anschluss folgte eine Einführung in die Geschichte der Internationalen Entwicklung von einem ihrer Gründungsväter Walter Schicho. Der lange Marsch der Internationalen Entwicklung, wie ihn Schicho nannte, begann, wie eingangs erwähnt, schon vor zwanzig Jahren. Er stellte diesbezüglich fest, dass aufgrund des langen Marsches von der alten Generation fast niemand mehr am Projekt Internationale Entwicklung beteiligt sei. 2003 kam es nach vielen Niederlagen schließlich zur Etablierung eines Individuellen Diplomstudiums. Besonderen Dank sprach Schicho abschließend den Lehrenden der IE, den Bagru-AktivistInnen und den VerwalterInnen des Projektes aus. Persönlicher Dank ging außerdem an Elke Christiansen und Alex Berger sowie an die ehemaligen Lehrenden Karin Fischer, August Gächter und Gerald Hödl. Als Abschlussstatement wurden alle Beteiligten des Projektes IE darauf aufmerksam gemacht, dass der Prozess jetzt nicht einschlafen dürfe.

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Foto: Bea Gomes

Die vertane Chance Kritik der Studierenden

Kritik an Art und Weise der Etablierung des IE-Instituts und den damit verknüpften Bedingungen kam von den nächsten RednerInnen laut Programm, den Studierenden der Basisgruppe IE. Anstatt jedoch eine Ansprache zu halten, trauerten sie wortlos und ganz in schwarz um die vertane Chance, die Verhältnisse für Lehrende und Studierende der Internationalen Entwicklung nachhaltig zu verbessern. Kritisiert wurden die immer noch prekären Anstellungsverhältnisse für Lehrende durch Halbjahresverträge, Kettenvertragsregelung und drastische Unterbezahlung durch das Abspielen einer Powerpoint Präsentation mit trauernder Hintergrundmusik. Angeprangert wurden außerdem die schlechten Betreuungsrelationen für Studierende, in diesem Semester stünden für jedeN StudentIn genau 1,92 Lehrveranstaltungsplätze zu Verfügung. Außerdem wurde die verpasste Möglichkeit einer langfristigen Institutionaliserung betrauert, da die Forschungsplattform bis 2013 befristet ist.

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Foto: Bea Gomes

Vorstellung der neuen MitarbeiterInnen

Im letzten Teil der Eröffnung wurden die neuen Gesichter des Instituts vorgestellt. Neben der ADA-Stiftungsprofessur wurde das Personal um zwei Prädoc- und eine Postdoc-Stelle aufgestockt. Drei Gastprofessuren wurden jeweils für die beteiligten Fakultäten genehmigt.

Name
Stelle
Schwerpunkte

Petra  Dannecker
Leiterin des Instituts

Entwicklungssoziologin; Migration & Entwicklung Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit in der Migration

Maren Borkert
Postdoc-Stelle

Soziologin und Romanistin; Migrationsforschung

Anja Breitwieser
Prädoc-Stelle
ehemalige Studentin der IE Zweitstudium Volkswirtschaft; Außenhandel & Institutionen

Clemens Pfeffer

Prädoc-Stelle

ehemaliger Student der IE; Kolonialismus, Rassismusforschung & EZA

Alejandro Cuñat
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften

Institutionen,  Effekte der Außenhandelsliberalisierung  & Migration

Margarete Maria Grandner
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Geschichte der Menschenrechte (bes. Arbeits- und Frauenrechten)

Wolfram Schaffar
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät

Politik- und Sprachwissenschaftler; Südostasien (Burma und Thailand)

Im Anschluss an die Eröffnungsreden wurden dann zusammen die neuen Institutsräumlichkeiten besichtigt.

Zur Powerpoint Präsentation der Basisgruppe IE: powerpoint_trauerfeier.pdf  (458.73 KB) 

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Workshop Transdisziplinarität Theorie.Forschung.Lehre

Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.

Veröffentlicht in Entwicklungsforschung.