Das Interdisziplinäre Forschungsinstitut für Entwicklungszusammenarbeit (IEZ) der Universität Linz feierte seinen Geburtstag und blickte dabei im Rahmen einer Festveranstaltung auf 25 Jahre „Entwicklung“ zurück. Probleme gebe es nach wie vor genug, das konnten alle Vortragenden berichten. Sie hatten aber auch Lösungen anzubieten.Nach der Begrüßung durch Institutsleiterin Petra C. Braun hielt Landeshauptmann Pühringer eine Ansprache. Entwicklungshilfe und Modernisierung sei nicht mehr die gängigen Paradigmen, sagte er. Vielmehr gehe es nun um eine „Hilfe zur Selbsthilfe“, und im Rahmen der Globalisierung sei unser eigener Wohlstand mit dem anderer Weltteile verbunden. Das Institut habe in den letzten 25 Jahren viel geleistet, wobei im Bereich der EZA viel Arbeit notwendig sei.
„Die wollten unbedingt Geld hergeben“
Institutsgründer Klaus Zapotoczky gab einen unterhaltsamen Abriss der Entstehungsgeschichte des Instituts. Er habe lange versucht, Entwicklungspolitik als Thema auf verschiedenen Universitäten einzuführen, bis er schließlich 1946 in Linz ein Institut für Politik und Entwicklungsforschung bekommen hatte. Dazu sei später der glückliche Umstand gekommen, dass eine Bank, wie er es beschrieb, unbedingt Geld für Entwicklungszusammenarbeit ausgeben wollte. 1989 sei so das interdisziplinäre Forschungsinstitut für Entwicklungszusammenarbeit entstanden. Er sei auch froh, dass das Geld von der VKB nie an Bedingungen gebunden war, was eine freie Forschung ermöglicht habe. Zapotoczky habe selbst immer nach dem Grundgedanken „Friede statt Reichtum“ gehandelt – zuerst Reichtum und dann erst Frieden zu schaffen, könne nicht funktionieren. Er setze sich für eine weltweite Angleichung der Lebensumstände ein.
Mit Josef Ahammer von der Diözese Linz, Gründungsmitglied des Trägervereins, kam ein weiterer Geldgeber zu Wort. Die Diözese sei bezüglich ihrer Entwicklungsarbeit mit Vorwürfen konfrontiert gewesen, erzählte er. Daraufhin habe sie sich wissenschaftliche Unterstützung vom IEZ geholt. Die Diözese lasse ihre Projekte immer wieder evaluieren, denn in diesem Bereich sei es wichtig, sich „in die Karten schauen“ zu lassen.
Der ehemalige Institutsvorstand Roman Sandgruber meinte, dass es im Institut darum gehe, aus der Geschichte zu lernen, aber auch konkret Dinge umzusetzen. Heute gebe es außerdem einen ganzheitlicheren Ansatz in der EZA.
Sowohl der der amtierende VKB-Vorstandsdirektor Christoph Wurm als auch Bürgermeister Köppl des Institutsstandortes Gmunden bestätigten die positive Zusammenarbeit mit dem Institut. Die langjährige Unterstützung des IEZ habe die Bank nie bereut. Köppl meinte abschließend, auch kleinere, eher ärmere Gemeinden wie seine sollten sich an EZA beteiligen.
Zusammenarbeit
In einer zweiten Gesprächsrunde traten Heribert Ableidinger vom Welthaus Linz, Josef Geißler von der Caritas und Andreas Obrecht vom Österreichischen Austauschdienst auf. Ableidinger betonte, dass es nach wie vor Probleme in Politik und Wirtschaft gebe, die nur durch eine Veränderung der Rahmenbedingungen gelöst werden könnten. Geißler blickte zurück auf die Zeit der Entwicklungshilfe und meinte, dass es keine „Welt da drüben“ gebe – auch wenn alte Modelle noch immer präsent seien. Es sei wichtig, politische Arbeit zu leisten. Obrecht erklärte schließlich, dass heute der Zugang des globalen Nordens zum Süden eher ein forschender Zugang sei. Die Menschen im Süden hätten schon selbst die Lösungen für ihre Probleme, daher sei Zusammenarbeit wichtig. Etwa könnten Erhebungen in indigenen Sprachen durchgeführt werden und damit für beide Seiten verständlich und hilfreich sein. Daneben, so Obrecht, sei aber auch Spaß ein wichtiger Faktor in der Zusammenarbeit.
Unpopuläre Entscheidungen sind notwendig
Hans Herren sprach in seiner Festrede über die Ergebnisse des Weltagrarberichts und die Notwendigkeit nachhaltiger Entwicklung. Er meinte, die Millennium Development Goals seien schlecht gesetzt und geplant worden. Daher sei es auch sinnvoll, sie durch Sustainable Development Goals (SDGs) zu ersetzen.
Hunger und Armut seien bis jetzt nur symptomatisch behandelt worden und nicht bei ihren Ursachen. Diese würden mit der derzeitigen Form der Landwirtschaft zusammenhängen, wo mit viel Ressourcenverbrauch „billig“ produziert werde. Die industrielle Landwirtschaft schaffe keine Arbeitsplätze, außerdem würden den PruduzentInnen keine angemessenen Preise gezahlt. Großbetriebe würden eher Biosprit oder Futtermittel produzieren und damit nicht zur Ernährungssicherheit beitragen.
Die industrielle Landwirtschaft sei außerdem stark vom Erdöl abhängig und nicht nachhaltig. Sie zerstöre die Böden und auch die Biodiversität, die der Natur sonst bei der Adaption an den Klimawandel helfen könnte. Diese Form der Landwirtschaft produziere derzeit 50% der weltweit erzeugten Treibhausgase. Es könne nicht so weitergehen wie bisher, das sei auch die Erkenntnis des Weltagrarberichts.
Nachhaltige Landwirtschaft sei möglich und finanzierbar, und das mit einem Drittel des derzeitigen Budgets. Herren appellierte an die ÖkonomInnen, sich dazu langfristige Konzepte zu überlegen. Die Landwirtschaft brauche wieder direkten Zugang zum Kapital und zum Markt. Dafür sei es auch notwendig, höhere Preise für Nahrungsmittel zu zahlen, von denen die ProduzentInnen leben können. Die vielen Lebensmittel im Müll würden ja zeigen, dass Nahrung derzeit zu billig sei. Im Gegenzug könnten viele Subventionen für die Landwirtschaft eingespart werden. Um diese Preiserhöhung umzusetzen, brauche es allerdings PolitikerInnen, die Entscheidungen treffen, für die sie höchstwahrscheinlich nicht mehr gewählt werden.
In einer letzten Gesprächsrunde lobte Gabriele Koisits, Vizerektorin für Forschung der JKU noch die hohe Qualität der Forschung am IEZ sowie dessen internationale Vernetzung. Das Institut sei für die Universität von hoher Bedeutung. Braun resümierte, dass zwar alle wissen, was zu tun ist, sie es aber noch immer nicht tun. Ein Paradigmenwechsel dauere nämlich sehr lange.
Der Autor ist Praktikant im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.