Mehrsprachigkeit in Südafrika & Wien

Zeit: Donnerstag, 12. Dezember 2013, 18.30 Uhr – ca. 20.00 Uhr

Ort: Alois Wagner-Saal, C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, 1090 Wien

Hier finden Sie den Veranstaltungsbericht!

Vortrag und Podiumsdiskussion mit:

  • Brigitta Busch, Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien, Expertin für Sprachenfragen in Südafrika und Leiterin des Projekts „PLUS – Plurilingual Speakers in Unilingual Environments“
  • Barbara Falkinger, Pädagogin und Mediatorin, Lerngemeinschaft 15 Friedrichsplatz (Wien 15), Mitherausgeberin der „schulhefte“
  • Sabine Schröder, Koordinatorin des Deutschkursprojekts der Deserteurs- und Flüchtlingsberatung in Wien
  • Moderation: Gabriele Slezak, Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien, Mitglied im Netzwerk Sprachenrechte

Hintergrund

Der Schutz und die Förderung der sprachlichen Identität ist ein Menschenrecht. Der Auftrag jedes Staates ist es demnach, dieses zu wahren und in den nationalen Institutionen dafür zu sorgen, dass keine Gruppe der Gesellschaft aufgrund ihrer Sprachen diskriminiert wird. Die Anerkennung von Mehrsprachigkeit als gesellschaftliche Norm im Gegensatz zu einem an nationalstaatlichen Konzepten orientierten Monolingualismus stellt in diesem Zusammenhang eine Grundbedingung dar, die in jüngster Zeit auch auf sprachpolitischer Ebene national wie international zunehmend Beachtung findet.

Dabei finden sich zwei dominante Diskursstränge: Zum einen wird die gezielte Förderung von Mehrsprachigkeit durch Fremdsprachenunterricht als prioritär eingestuft (Kommodifizierung von Mehrsprachigkeit), zum anderen wird gelebte Mehrsprachigkeit, die einer einsprachigen Ideologie in nationalen Institutionen entgegensteht, problematisiert und findet selten als Potential Anerkennung.

In diesem Zusammenhang ist eine Abwertung der sprachlichen Möglichkeiten bestimmter Gesellschaftsgruppen zu beobachten. Über die „Nationalsprache“ findet Exklusion statt. Das führt dazu, dass der Zugang zu Recht und Information erschwert wird, aber auch dass die verfügbaren sprachlichen Ressourcen im Bildungswesen als Hürde gesehen werden. Bildungspolitische Maßnahmen zeigen meist, dass durch die Förderung der Nationalsprache(n) Mehrsprachigkeit als Defizit bekämpft werden soll. Die sprachlichen Realitäten der SchülerInnen (wie auch der LehrerInnen) und der verfügbaren Ressourcen finden bei diesen Ansätzen jedoch kaum Berücksichtigung.

Letzteres ist auch mit ein Grund, warum bildungspolitische Maßnahmen kaum Erfolge zeigen und vielmehr eine soziale Segregation über das Merkmal des „Sprachhintergrunds“ fördern. Dieses Phänomen taucht im Norden wie im Süden auf und gibt insbesondere in urbanen Räumen wie z.B. in Wien immer wieder Anlass zu hitzigen gesellschafts- und bildungspolitischen Debatten.

Aus diesem Grund lohnt es, den Fokus auf gelebte Mehrsprachigkeit und ihre gesellschaftliche Bedeutung in unterschiedlichen Kontexten zu richten. Im Rahmen eines Erfahrungsaustauschs zwischen Südafrika und Österreich gilt es zu beleuchten, welche Bedeutung die mehrsprachige Praxis für die Entwicklung alternativer Bildungsmodelle haben kann. Wie können mehrsprachige Ressourcen in Bildungssystemen genutzt werden? Welche Faktoren führen dazu, dass Mehrsprachigkeit als Herausforderung in Bildungssystemen gesehen wird? Welche pädagogischen Maßnahmen und Methoden sind notwendig, um Mehrsprachigkeit zu fördern und zu schützen? Welchen Herausforderungen stellt sich das Schulsystem in Südafrika  zunehmend, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind zu Österreich festzustellen?

Bei der Veranstaltung sollen Erfahrungen und Modelle zu Mehrsprachigkeit im Bildungssystem aus Ländern des Südens, schwerpunktmäßig aus Südafrika, vorgestellt und kritisch diskutiert werden. Erfahrungen aus Österreich, insbesondere aus Wien, werden daneben gestellt. Zwei Realitäten werden beleuchtet und verglichen, um dadurch herauszuarbeiten, was wir in Wien vom Süden lernen können.

Referentin

Brigitta Busch ist Professorin für angewandte Sprachwissenschaft an der Universität Wien. 2012 wurde ihr eine Berta-Karlik-Professur zur Förderung exzellenter Wissenschafterinnen verliehen. Seit Beginn ihrer akademischen Laufbahn, die sie im zweiten Bildungsweg absolvierte, widmet sie sich Fragen der Mehrsprachigkeit, zunächst in Kärnten und Südosteuropa, wo sie für den Europarat tätig wurde, später auch in Südafrika. Internationale Anerkennung finden die Weiterentwicklungen des sprachbiografischen Ansatzes und einer kreativ-visuellen Methode zur Erhebung und Analyse sprachlicher Repertoires. Im Rahmen des WWTF-Projekts PLUS forscht sie derzeit über Zusammenhänge von Migration, Mehrsprachigkeit und traumatischem Erleben.

Hier geht’s zur Anmeldung.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit BAOBAB – Globales Lernen statt.

MA7.jpg

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik, Aktivitäten.